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Energie Wie stark RWE unter Kuratel der Politik steht

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Geplante Erdgas-Pipelines

Und auch in die strategische Planung greift nun die Regierung, wenn auch sanft und inoffiziell ein. Der Energiewirtschaft, nicht nur RWE, bleibt eigentlich nichts anderes übrig, als auf Forderungen einzugehen, im Gegenzug wird dann nach Kräften gefördert. So ist der Blitzbesuch der Kanzlerin in Kasachstan auch als Hilfestellung zu werten, den erdgasreichen Staat ebenfalls für das Mitwirken am Nabucco-Projekt zu erwärmen. Der Berater von RWE, der Ex-Außenminister Joschka Fischer, sei „im Raum von Nabucco unterwegs“, sagt ein RWE-Manager.

In einem rein unternehmerischen Pro und Contra wäre für RWE-Strategen die Sache wohl eher klar: South Stream wäre für RWE zwar der teuerste, dafür aber ein leichterer Weg, um zu einem internationalen Gaskonzern aufzusteigen. Mit South Stream würde RWE an die Seite europäischer Energie-Schwergewichte aufschließen. Denn an South Stream will sich der mächtige französische Stromriese Électricité de France (EdF) beteiligen, der italienische Wettbewerber Eni ist schon Mitglied des Konsortiums. Auch der österreichische Energiekonzern OMV, mit dem zusammen sich RWE-Chef Großmann um Nabucco quält, ist bei der Südröhre mitbeteiligt.

Die Verhandlungen stocken

Gegen die 24 Milliarden Euro Baukosten, dreimal so viel wie für Nabucco veranschlagt, steht die sicherheitspolitisch unbedenkliche Route durch das Schwarze Meer. Nabucco dagegen soll über Land laufen. Außerdem fließt bei South Stream das Gas direkt von Russland nach Bulgarien – und nicht durch die instabilen Länder Aserbaidschan und Georgien. Zwar gibt es bereits eine ältere Pipeline, die vom Kaspischen Meer in die Osttürkei führt, doch reicht diese in ihrer technischen Ausstattung nicht aus, um die geplanten Gasmengen zu transportieren. Die sollen von einem neuen aserbaidschanischen Offshore-Gasfeld kommen, das aber erst noch aufgeschlossen werden muss. Die Verhandlungen stocken, weil der krisengeschüttelte BP-Konzern dort Rechte hält.

South Stream ist mit 24 Milliarden Euro Baukosten gegen knapp 8 Milliarden Euro, die für Nabucco eingeplant sind, zwar teurer, soll aber auch die doppelte Menge Gas (63 Milliarden Kubikmeter) pro Jahr von erschlossenen Quellen nach Westeuropa leiten.

Unsichere Gaslieferverträge

Wie schwierig Nabucco ist, muss RWE seit Monaten erleben. Die Essener, denen 16,7 Prozent der Nabucco-Planungsgesellschaft gehören, hatten bisher keinen Erfolg mit ihren Erkundungen, woher genau sie die Erdgasmengen beziehen. So sagte OMV-Chef Wolfgang Ruttenstorfer, dass „wir erst Ende des Jahres die Bauentscheidung treffen, aber nur, wenn die Gaslieferungen garantiert sind“.

Der Chef des Konsortialführers OMV lässt immer wieder durchblicken, dass es für Nabucco im Gegensatz zu Nord Stream und South Stream keine gesicherten Gasquellen gibt. An erster Stelle wird immer Turkmenistan genannt. Doch mehr, als dass „derzeit verhandelt wird“, kann OMV-Chef Ruttenstorfer nicht berichten. Turkmenistan wird darüberhinaus von Russland gedrängt, dem Nabucco-Pakt nicht beizutreten. RWE-Manager erzählen zudem von Regierungsbeamten im Vorderen Orient, die in ihren Regierungspalästen auf Plüschsofas sitzend gern von „riesigen Erdgasvorkommen schwärmen, die ins Unermessliche hochgeredet werden“. Auch völlig überzogene Forderungen lasteten auf den Gesprächen. So machte Turkmenistan seine Lieferung davon abhängig, dass die Abnahme des Erdgases völkerrechtlich garantiert werde.

Auch lasten über dem Nabucco-Projekt Ängste der USA und Israels, dass der Iran durch die Pipeline wirtschaftlich erstarken könnte. Dafür sorgen Planungen, die einen Abzweig von der Nabucco-Röhre über den Irak in den Iran technisch zumindest möglich machen, dorthin, wo Erdgas in Hülle und Fülle lagert.

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