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Energie Windpark-Vernetzung: Versorger bleiben skeptisch

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Grafik: Die sechs größten deutschen Windparkprojekte (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Auswahl)

Doch die Technik dafür steckt noch in den Anfängen. Um die Verluste beim Transport des Windstroms klein zu halten, müssten Hochspannungs-Gleichstromkabel verlegt werden. Bisher erlauben diese die Übertragung der Elektronen jedoch nur von einem Punkt zum anderen, nicht aber im Kreislauf eines umfassenden Netzes. Siemens und ABB entwickeln zwar Techniken, mit denen sich die Kabel zu einem echten Netz verknüpfen lassen, doch die sind bis heute noch nirgendwo erprobt.

Betriebswirtschaftlich sorgt das neue Super-Grid, wie intelligente Riesenstromnetze in der Branche auch heißen, bei den möglichen Betreibern für wenig Vorfreude. Amprion, die Netzgesellschaft von RWE, hat wirtschaftlich kaum etwas von dem geplanten Kabel, weil die Leitungen des Essener Konzernablegers gar nicht an die Nordsee heranreichen. Ein Vertreter von Amprion gehört nach RWE-Auskunft auch bisher nicht zu den Delegierten in der Runde bei Brüderle.

Mehr hätte da schon Tennet davon, die holländische Netzgesellschaft, die vor einigen Wochen das Netz des Düsseldorfer E.On-Konzerns übernahm, der in der Nordsee kräftig Windstrom erzeugt. Doch die Netzbetreiber fühlen sich von den strengen Regulierungsbehörden wie der Bundesnetzagentur eher drangsaliert als ermutigt, neue Netze zu bauen. Die von der Bonner Behörde erlaubte Eigenkapitalverzinsung von 9,29 Prozent für Neuinvestitionen in Leitungen werden für die teuren und technisch aufwendigen Unterwasserkabel wohl nicht ausreichen, um die Netzträume der Politiker und der Betreiber in der Nordsee zu realisieren. „Da muss dann erheblich mehr drin sein“, sagt ein E.On-Manager. Die Bundesnetzagentur wehrt ab: „Für solche Überlegungen ist es viel zu früh.“

Netzwerk ist noch nicht ausgereift

Ohnehin wird das erhoffte System der Unterwasserkabel in der Nordsee komplizierter als von Politikern gedacht. Vor allem weil die Superleitungen mit der sogenannten Hochspannungs-Gleichstromübertragungstechnik (kurz: HGÜ-Technik) arbeiten, werden „aufwendige Umspannwerke benötigt, um die in Europa üblichen Wechselströme in die verschiedenen Spannungen umzuwandeln“, sagt ein Ingenieur. Auch haben die Stromleitungen in den beteiligten Ländern unterschiedliche Frequenzen. „Ein solches Netzwerk unter Wasser ist technisch zwar machbar, aber in der Kombination noch nicht ausgereift“, sagt ein ABB-Ingenieur.

Zweifel äußert auch Stromnetzexperte Lutz Hofmann von der Leibniz Universität Hannover. Er hält den Ausbau des bestehenden europäischen Kontinentalstromnetzes für viel vordringlicher, „als 30 Milliarden Euro in der Nordsee zu verbuddeln“. Die neuen Überlandleitungen werden benötigt, um die wachsenden Strommengen der Windräder in Norddeutschland in die großen Verbrauchszentren im Süden und Westen des Landes zu transportieren. Christian Schneller, Manager beim größten deutschen Netzbetreiber Transpower Stromübertragung GmbH in Bayreuth, die zum niederländischen Betreiber Tennet gehört, pflichtet Hofmann bei: „Wenn der Windstrom vom Meer nur bis zum Strand kommt, reicht das nicht.“

Aus Großbritannien droht neuer Ärger

Die Vertreter der Energiekonzerne, Netzgesellschaften und der Bundesnetzagentur wollen sich trotzdem Mitte Februar mit Wirtschaftsminister Brüderle treffen. Dann werden sie auch über ein ganz anderes Hindernis reden müssen, das dem Unterwassertraum von britischer Seite droht. Denn 2014 soll dort die staatliche Subventionierung der Windkraft auslaufen. Bleibt sie nicht erhalten, droht die Spannung aus dem Megaprojekt zu entweichen, weil Windräder gestoppt werden.

Dann wird die Windkrafteuphorie nur noch eine Fußnote in der europäischen Wirtschaftsgeschichte sein.  

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