Atomausstieg Energiekonzerne könnten sich für 49 Milliarden Euro von allen Atomkosten freikaufen

Exklusiv

Die Folgekosten des Atomausstiegs könnten über eine milliardenschwere Stiftung finanziert werden. Im Gespräch ist eine Lösung, die die Atomkonzerne weitere zehn Milliarden kosten würde. Eine Exklusivmeldung.

Laut Informationen der WirtschaftsWoche überlegt die Atomkommission, die Versorger von einer Nachschusspflicht für die Atomfolgekosten zu befreien. Quelle: dpa

In der Atomkommission kursieren einem Bericht der WirtschaftsWoche zufolge zwei Modelle, wie die Rückstellungen der Energiekonzerne für die Atomfolgekosten gesichert und das Haftungsrisiko des Staates minimiert werden könnten. Diskutiert wird ein Modell, in dem die vier AKW-Betreiber E.On, RWE, EnBW und Vattenfall Vermögen im Wert ihrer Atom-Rückstellungen in Höhe von 38 Milliarden Euro an eine Stiftung oder einen Fonds abtreten.

Mit diesen Mitteln würden dann der Rückbau der AKW und die Endlagerung finanziert. In einem zweiten diskutierten Modell bringen die Versorger nach Vorstellungen einiger Atomkommissionsmitglieder nur rund 20 Milliarden ihrer Rückstellungen ein. Mit diesen Mitteln würde ausschließlich die Endlagerung finanziert. Für den Rückbau der AKW müssten die Konzerne aufkommen.

Zudem gibt es laut WirtschaftsWoche in der Atomkommission Überlegungen, die Versorger von einer Nachschusspflicht für die Atomfolgekosten zu befreien, falls das Geld des Fonds oder der Stiftung nicht reicht. Dafür müssten die Unternehmen allerdings zusätzlich zu den 38 Milliarden Euro weitere gut zehn Milliarden Euro bereitstellen. Dieser Betrag würde einem Risikozuschlag von rund 30 Prozent entsprechen und orientiert sich an einem ähnlichen Modell in der Schweiz. Damit könnten sich die Konzerne im Zuge des ersten Modells rechnerisch mit einem Betrag von knapp 49 Milliarden Euro von der Haftung für sämtliche Atomfolgekosten freikaufen.

Bis Februar 2016 soll die Kommission unter dem grünen Ex-Umweltminister Jürgen Trittin, Brandenburgs früherem Landesvater Matthias Platzeck (SPD) und Hamburgs einstigem Regierungschef Ole von Beust (CDU) vorschlagen, wie die Begleichung der Atomfolgekosten gesichert werden sollen.

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