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Atomausstieg Energiewende spaltet die deutsche Industrie

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Furcht vor dem Blackout

Eine Wohnung ist währendeines Stromausfalls mit Kerzen beläuchtet. Quelle: REUTERS

Deshalb dringt die Ablehnung des Merkel-Kurses fast nur noch in Form von Warnungen oder Besorgnis an die Öffentlichkeit. "Eine qualitative Bewertung der Energiewende ist entbehrlich", schwurbelt E.On-Chef Johannes Teyssen gegenüber der WirtschaftsWoche, "aber wir müssen sie nun einmal begleiten." Ob sie gut oder schlecht sei, werde sich "sowieso erst in frühestens einer Generation erweisen".

Bis dahin werde die Furcht vor dem Blackout die Energiewirtschaft und ihre Abnehmer begleiten. Einzig der scheidende RWE-Chef Großmann bleibt bei seinem Credo: "Wir brauchen die Kernkraftwerke nun einmal zur Grundlastversorgung der deutschen Industrie."

Gut ein halbes Jahr nach dem Ausstiegsbeschluss dominieren immer stärker die unmittelbaren Interessen: Viele Unternehmen wollen an den Geschäften rund um die Energiewende lieber mitverdienen, als zu opponieren. Denn der weltweite Greentech-Markt dürfte sich nach einer Prognose der Unternehmensberatung Roland Berger von 2012 bis 2020 fast verdoppeln auf 3100 Milliarden Euro.

Dagegen wirken die Umsätze in Höhe von 150 Milliarden Euro in Deutschland mit Energieerzeugung, die im Mittelpunkt der Energiewende steht, geradezu klein.

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    Schon jetzt haben Deutschlands Unternehmen mit ressourcenschonender Technik einen Weltmarktanteil von 15 Prozent, in einigen Branchen sogar bis zu 30 Prozent. "Zukünftig werden die deutschen Unternehmen ihren Anteil weiter ausbauen können", glaubt Berger-Berater Torsten Henzelmann. 2007 entfielen rund acht Prozent des hiesigen Bruttoinlandsprodukts auf Umwelttechnologien, bis 2020 werde sich dieser Anteil auf 14 Prozent erhöhen. Viele Branchen setzen so stark auf grüne Technologien und regenerative Energien, dass sie gar nicht anders können, als die Energiewende zu unterstützen.

    Blockadehaltung widerspricht dem Marketing

    Gewinner der Wende

    Eine Blockadehaltung der deutschen Autobauer etwa würde sämtlichen Marketinganstrengungen der Branche zuwiderlaufen. VW, Daimler und BMW investieren Milliardensummen in einen grüneren Kurs, also in emissionsarme Autos und energieeffiziente Werke. Allein VW lässt sich den von Konzernchef Winterkorn verkündeten "ökologischen Umbau" bis 2018 über 40 Milliarden Euro kosten.

    Wenn die deutschen Hersteller von 2013 an Zehntausende von Elektroautos verkaufen wollen, sollen diese langfristig auch als Speicher für Sonnen- oder Windstrom dienen, der gerade nicht gebraucht wird.

    "Unser Ziel muss das Null-Emissions-Fahrzeug sein, das mit Strom aus regenerativen Energiequellen angetrieben wird", sagt Winterkorn. Seine Nobeltochter Audi hat sich zu diesem Zweck 2011 an einem Windpark auf See beteiligt und erforscht Speicherverfahren für grünen Strom. Auch Volkswagen will sich im großen Stil bei Windparks einkaufen und eine Milliarde Euro in erneuerbare Energien investieren – zur Versorgung der Werke, aber auch für die Elektroautokunden.

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