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Atomausstieg Energiewende spaltet die deutsche Industrie

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Höchster Strompreis Europas

Zwar holpert es bei der Umsetzung, aber Peter Löscher ist sich sicher, dass die Energiewende gelingen wird. Quelle: REUTERS

Und das BMW-Werk in Leipzig, wo die neuen Elektroautos gebaut werden, läuft mit Strom aus vier eigenen Windrädern. "Wir prüfen gerade", sagt ein BMW-Manager, "ob es möglich ist, dass alle unsere Werke mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden." Kein Wunder, dass keiner der Autobosse da in Anti-Energiewende-Stimmung verfällt. Erst recht lässt sich Nikolaus von Bomhard vom schieren Mammon leiten.

Der Chef des Rückversicherers Munich Re sucht nach neuen attraktiven Möglichkeiten, um die Milliarden der Versicherten anzulegen. Niedrige Zinsen und Unsicherheit an den Finanzmärkten haben die Rendite der Kapitalanlagen der größten Rückversicherungsgesellschaft der Welt im zweiten Halbjahr 2011 auf magere drei Prozent sinken lassen.

Unter anderem mit dem Investitionsprogramm „Rent“ (Renewable Energy & New Technologies) will von Bomhard das ändern. Etwa 500 Millionen Euro haben die Münchner bereits in Windanlagen an Land, in Fotovoltaik und in Stromnetze investiert. In den kommenden Jahren will Munich Re das Engagement auf 2,5 Milliarden Euro steigern. Es sei hochinteressant für Munich Re, so Vorstandsmitglied Jörg Schneider, "über den Strompreis an den Erlösen zu partizipieren".

Damit steht der Assekuranzriese im diametralen Gegensatz zu Unternehmen, für die der Strompreis entscheidend ist. So verbraucht die Chemie ein Viertel der Industrie-Energie hierzulande. Jede Preiserhöhung um einen Cent pro Kilowattstunde verursacht Mehrkosten von 500 Millionen Euro, rechnet Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) vor.

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    Leben mit Kontra

    Bayer-Chef Marijn Dekkers drohte deshalb mit Produktionsverlagerung ins Ausland, sollten die Strompreise weiter steigen (WirtschaftsWoche 32/2011): "Wir bezahlen heute schon mit die höchsten Preise in Europa."

    Doch auch Dekkers muss mit einem Kontra leben: von Axel Heitmann, der den Chemiekonzern Lanxess führt, der aus Teilen der Bayer-Chemie hervorgegangen ist. Der 52-Jährige hat anders als der frühere BASF-Chef Jürgen Hambrecht und der damalige Bayer-Chef Werner Wenning den "Energiepolitischen Appell" für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke nicht unterschrieben.

    Heitmann lehnt die Atomenergie ab, weil er sie für "nicht nachhaltig" hält. Auch Evonik-Chef Klaus Engel, im Nebenberuf Präsident des Branchenverbandes VCI, hält einen Ausstieg aus der Atomenergie bis 2022 für vertretbar.

    Im Großen und Ganzen auf Energiewende-Kurs segelt das klassische verarbeitende Gewerbe. Der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) propagiert selbstbewusst die Energiewende, da seine Mitgliedsunternehmen von der Umrüstung auf Wind- und Sonnenenergie gut leben. Begierig fordert der ZVEI höhere Effizienznormen, um Innovationen besser in den Markt drücken zu können.

    Selbst eine 100-Euro-Abwrackprämie für Kühlschränke forderte der Verband.

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