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Atomausstieg Energiewende spaltet die deutsche Industrie

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Investitionsprogramm Energiewende

Richtung Wind, Wasser, Sonne 2010 war Bahn-Chef Grube für längere Laufzeiten der Atomkraftwerke – jetzt befürwortet er die Energiewende

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hielt als Gralshüter der Ordnungspolitik dagegen, sieht aber "enorme Chancen", so VDMA-Hauptgeschäftsführer Hannes Hesse: "Die Energiewende ist ein Investitionsprogramm für den Maschinenbau." Teurer Strom ängstigt die Branche kaum. "Für die meisten Mittelständler sind die Strompreise nicht so entscheidend, da wir keine Großverbraucher sind", sagt Hesse. "Die Strompreise machen bei unseren Unternehmen im Durchschnitt ein Prozent des Umsatzes aus."

Das Paradebeispiel für einen Energiewende-Gewinnler ist jedoch Siemens. Als die Bundesregierung den Ausstieg aus der Kernenergie besiegelte, ging auch Konzernchef Löscher konsequent auf Ausstiegskurs. Nicht nur, dass die Münchner gerade ihr Joint Venture mit dem französischen Atomkonzern Areva auflösten. Sie beendeten alsbald auch das geplante Projekt mit dem russischen Atomriesen Rosatom. Künftig sollen die erneuerbaren Energien für Wachstum sorgen.

Dazu braucht Löscher die Energiewende – als Turboprojekt. Denn die neuen Geschäfte laufen noch nicht gut. Die riesigen von Siemens gebauten Windparks in der Nordsee gehen nicht in Betrieb, weil sich der Anschluss ans Stromnetz verzögert. Grund sei die fehlende Freigabe durch den Regulierer, klagt Löscher. Bis zu 40 Behörden müssen grünes Licht geben, bis ein Windpark ans Netz gehen kann.

Zudem fehlt dem staatlichen niederländischen Netzbetreiber Tennet das Geld für den Anschluss. Von Oktober bis Dezember 2011 hat Siemens mit dem Bereich erneuerbare Energien 48 Millionen Euro Verlust gemacht. Daraus sollen Gewinne werden.

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    Nur RWE schreibt noch schwarz

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    Umgekehrt wundert nicht die ablehnende Haltung der Energiebosse zum Atomausstieg. Denn die verordnete Abschaltung der betriebswirtschaftlich abgeschriebenen, daher extrem profitablen Atommeiler im vergangenen Jahr hat sich bei ihnen in Rekordverlusten niedergeschlagen. E.On schrieb 2011 zum ersten Mal in seiner Geschichte einen Verlust, minus 2,2 Milliarden Euro. EnBW meldete zuletzt knapp 900 Millionen Euro Miese.

    Nur RWE schreibt noch schwarz. Die Essener verdanken dies ihren schmutzigen, aber wegen niedriger Emissionskosten zurzeit hochprofitablen Braunkohlekraftwerken, die die Atommeiler ersetzen.

    Verschlimmert wird die Malaise der Versorger, da ihre führende Stellung auf dem Strommarkt wackelt. "Die Energiewende schwächt das Energie-Oligopol von EnBW, RWE, E.On und Vattenfall. Volkswirtschaftlich wirkt dies wie eine kartellrechtlich erzwungene Entflechtung", sagt Wolfgang Hummel, Chef des Zentrums für Solarmarktforschung in Berlin.

    Zudem hat die Wende persönliche Folgen. So wurde der Vertrag von EnBW-Chef Hans-Peter Villis nicht mehr verlängert. Baden-Württembergs neue grün-rote Regierung will als Miteigentümerin einen ausgewiesenen Ökostromer an der EnBW-Spitze: den früheren Chef Erneuerbare Energien bei E.On, Frank Mastiaux, 47.

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