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Atomausstieg Energiewende spaltet die deutsche Industrie

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Meinungsverschiedenheiten

Jürgen Großmann Quelle: dapd

Kaum mehr zu kaschieren sind vor allem die Meinungsverschiedenheiten im 55-köpfigen Präsidium des BDI, in dem alle drei Monate die wichtigsten Industrievertreter Deutschlands zusammenkommen. Als beim jüngsten Treffen vor zwei Wochen wieder die Rede auf die Energiewende kam, erinnert sich ein Teilnehmer, sei der Konflikt offenkundig geworden.

BDI-Chef Hans-Peter Keitel habe festgestellt, der BDI müsse sich davon verabschieden, "eine einheitliche Position in der Energiefrage zu finden". Dazu seien "die Interessen zu unterschiedlich". Insbesondere Klaus Engel, der Chef des Essener Chemiekonzerns Evonik, und sein Kollege Heinrich Hiesinger von ThyssenKrupp hätten sich von der Skeptiker-Fraktion abgesetzt.

Der BDI äußerte sich dazu auf Anfrage nicht, bestätigt aber: "Es ist keine Frage, dass die sehr komplexen Zusammenhänge in einer globalisierten Volkswirtschaft gelegentlich Interessenlagen erzeugen, die schlicht nicht auflösbar sind."

Den Spaltpilz, das zeigt die Rückschau auf die vergangenen zwei Jahre, hat BDI-Chef Keitel mitgelegt, indem er sich an die Spitze einer Kampagne setzte, die Löscher nun mit seiner Anzeige kontert.

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    Zusammen mit dem BDI-Präsidiumsmitglied und Chef des Essener Energiekonzerns RWE, Jürgen Großmann, hatte der Ex-Vorstandsvorsitzende des Baukonzerns Hochtief im August 2010 einen "Energiepolitischen Appell" an die Adresse der Bundesregierung verfasst und in Zeitungsanzeigen veröffentlicht. Darin warben insgesamt 40 Manager, Verbandsvertreter und Prominente dafür, vom "vorzeitigen Ausstieg aus der Kernenergie" abzusehen, wie ihn Rot-Grün bis 2020 beschlossen hatte.

    Namen der Big-Shots fehlen

    Die neue Aktionsform deutscher Konzerne hatte Erfolg. Rund drei Monate später verlängerte die christlich-liberale Koalition tatsächlich die Laufzeiten der Atommeiler und streckte den Ausstieg bis 2036. BDI-Chef Keitel jubelte: "Erstmals werden in der Energiepolitik Lippenbekenntnisse von einem Konzept abgelöst."

    Doch schon damals hatten potente Wirtschaftsführer den Aufruf für mehr Atom nicht unterschrieben: Darunter fehlten die Namen von Big Shots wie Siemens-Vormann Löscher, den Chefs von Volkswagen, Daimler und BMW, Martin Winterkorn, Dieter Zetsche und Norbert Reithofer, und Deutsche-Post-Lenker Frank Appel.

    Diese Fronten brechen nun umso klarer auf, je länger die Energiewende vor sich hin stolpert – und je offenkundiger der Aufwand wird. Doch ob fehlende Stromleitungen, drohende Blackouts oder blinde Ökostromwut in den Bundesländern: Nach einer Revision, anders als bei der Pro-Atom-Kampagne vor Fukushima, wagt kein Industriemanager mehr zu verlangen.

    "Für einen Unternehmer oder Konzernchef empfiehlt es sich nicht, der Kanzlerin zu missfallen", sagt konsterniert der Chef eines Spitzenverbandes.

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