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Atomausstieg Energiewende spaltet die deutsche Industrie

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Politische Ächtung

Anschluss gesucht Siemens-Anlagen im kommerziellen EnBW-Windpark Baltic 1 vor der deutschen Ostseeküste bei Zingst

Die Ablehnung der Wende bekommen die Energie-Tycoons inzwischen auf höchster Ebene zu spüren. "Die Politik redet nicht mehr mit uns", beklagt sich der Chef eines der vier großen Versorger. Wegen einer neuen Welle von Strompreiserhöhungen warf Bundesumweltminister Norbert Röttgen den Stromriesen vor, die Energiewende zu unterlaufen: "Steigende Strompreise haben nichts mit der Energiewende zu tun", behauptet der CDU-Politiker.

Dem widerspricht allerdings die Bundesnetzagentur. Die Bonner Behörde, rechnet vor, dass die erforderlichen Investitionen in den Netzausbau zur Verteilung des Ökostroms den Transport der Elektrizität bis 2020 verteuern.

Die politische Ächtung der Energiebosse hat auch bekennende Energiewende-Kritiker zurückrudern lassen. Der frühere BASF-Chef Jürgen Hambrecht hielt einst die Politik der regenerativen Energien für traumtänzerisch. Seit Löschers Pro-Energiewende-Anzeige will der Chemieboss die eigenen Reihen wieder schließen. "Die Industrie ist einer Meinung und steht voll hinter Herrn Löscher", sagt er.

Auch andere fügen sich der normativen Kraft das Faktischen. Deutsche-Bahn-Chef Rüdiger Grube unterschrieb vor zwei Jahren noch den Pro-Atom-Appell. Heute möchte er sich unbedingt dem Lager der Wende-Freunde zugerechnet wissen und den grünen Anteil am Stromverbrauch von derzeit gut 20 Prozent auf 35 Prozent im Jahr 2020 steigern.

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    Bayer-Chef Dekkers sieht bei aller Kritik durchaus auch die Chancen, die die Energiewende Bayer bietet. Und Kernkraft-Freund Großmann muss sich von einem Gemäßigten an seiner Seite einfangen lassen. "Beim Thema Energiewende ist RWE Teil der Lösung", betonte sein designierter Nachfolger Peter Terium bei der Präsentation der RWE-Bilanz vor wenigen Tagen.

    Subventionsbonus als Brücke

    Zankapfel Strompreis

    Am radikalsten treten die Chefs auf, die Öko für ihr Image nutzen. Götz W. Werner, Gründer der Drogeriekette dm, findet: „Die Energiewende ist sinnvoll und notwendig. Risiken wie in Fukushima dürfen wir nicht eingehen." Jochen Zeitz, Vorsitzender des Verwaltungsrates bei Puma, hat gemeinsam mit Deutscher Bahn und dem Handelsriesen Otto eine Klimaschutz-Stiftung namens "2 Grad" mitgegründet und lobt Merkels "Schritt in Richtung einer sicheren und sauberen Energieversorgung".

    Eines haben die Kritiker und Skeptiker erreicht: Fast 100 000 stromintensive Unternehmen sind von diversen Ökozuschlägen auf die Stromrechnung bis hin zu den Netzentgelten befreit – Subventionsbonbons für zehn Milliarden Euro 2012.

    Vielleicht könnte dies die Brücke sein, über die Gegner und Befürworter der Energiewende irgendwann einmal wieder vereint gehen können. Immerhin investieren RWE zwischen 2012 und 2014 vier Milliarden Euro und E.On bis 2015 sieben Milliarden Euro in erneuerbare Energien.

    Energie



    Siemens-Chef Löscher sucht nach seinem Ausflug in die Tagespresse wieder Harmonie. Nachdem Meldungen erschienen waren, er habe die zu starre Haltung des BDI kritisiert, rief der Österreicher bei Verbandspräsident Keitel an, um dies zu dementieren, und bot an, den bösen Zungenschlag wieder aus der Welt zu schaffen.

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