Atomrückstellungen AKW-Betreiber weisen Zweifel zurück

Noch vor dem Abschluss der Untersuchungen über die Atomrückstellungen ist ein Streit über die Bewertung entbrannt. "Ein Ergebnis des Stresstests gibt es noch nicht, lediglich einen Entwurf", erklärte der Energiekonzern E.ON.

Die letzten Kernkraftwerke
AKW Grafenrheinfeld in Bayern Quelle: Creative Commons
Kernkraftwerk Gundremmingen Quelle: dpa/dpaweb
Kernkraftwerk Philippsburg Quelle: dpa
Kernkraftwerk Brokdorf Quelle: dpa
Kernkraftwerk Grohnde Quelle: dpa
Kernkraftwerk Neckarwestheim Quelle: dpa
Kernkraftwerk Isar II Quelle: dpa
Kernkraftwerk Emsland Quelle: Creative Commons

"Unsere Rückstellungen sind sachgerecht, richtig und angemessen bilanziert." Zuvor hatte "Spiegel Online" ohne Angabe von Quellen berichtet, den vier großen deutschen Versorgern fehlten Rückstellungen von bis zu 30 Milliarden Euro. Das sei das bisherige Ergebnis eines Gutachtens, das eine vom Bundeswirtschaftsministerium beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft erstellt habe. An der Börse warfen Anleger die Aktien der Versorger am Dienstag in hohem Bogen aus ihren Depots. E.ON und RWE verloren jeweils rund sieben Prozent und waren damit mit Abstand die schwächsten Werte im deutschen Leitindex Dax.

Vom Bundeswirtschaftsministerium war zunächst keine Stellungnahme zu dem Bericht zu erhalten. Die Regierung hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton mit einem Stresstest beauftragt. Die Experten sollen prüfen, ob die Rückstellungen der vier Atomkonzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall in Höhe von gut 38 Milliarden Euro ausreichend sind, um den Abriss der Meiler und die Müllentsorgung zu finanzieren.

Welche deutschen Atomkraftwerke demnächst vom Netz gehen

Warth & Klein wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern. Die Wirtschaftsprüfer hatten eine Vorlage des Berichts bis zum Herbst angekündigt. Kritiker werfen den Energiekonzernen vor, nur unzureichend Vorsorge getroffen zu haben. Die zum großen Teil in laufenden Geschäften gebundenen Mittel seien zudem im Fall einer Pleite der Konzerne nicht sicher. E.ON hat Rückstellungen in Höhe von 16,6 Milliarden Euro gebildet, RWE von 10,4 Milliarden. Die "Rheinische Post" berichtete unter Berufung auf "Berliner Kreise", das dem Stresstest zufolge E.ON neun bis zwölf Milliarden Euro fehlten, RWE 7,5 bis zehn Milliarden Euro.

"Der Entwurf enthält offenbar ein Szenario, bei dem mit einem negativen Realzins gerechnet wird und das so zu einer nicht realistischen Rückstellungssumme kommt", erklärte E.ON. Eine solche Annahme habe keinerlei Grundlage und sei nicht einmal vor dem Hintergrund des aktuellen Niedrigzinsniveaus plausibel.

"In anderen europäischen Ländern werden Realzinsen von mehr als zwei Prozent bei den Kernenergie-Rückstellungen zu Grunde gelegt. Das bei E.ON angesetzte Zinsniveau von real einem Prozent sei "sehr konservativ". Die Analysten von Bernstein erklärten ebenfalls, dass in dem Bericht offenbar der extremste Fall angenommen wurde. Dieser sei aus makro-ökonomischer Sicht unhaltbar. RWE bekräftigte ebenfalls, dass die Rückstellungen ausreichend seien und der Stresstest dies auch bestätigen werde. Auch EnBW betonte, genügend Vorsorge getroffen zu haben. "Wir gehen davon aus, dass die Rückstellungen ausreichend sind", sagte ein EnBW-Sprecher. Diese seien auch in der Vergangenheit, wenn notwendig, erhöht worden. Von Vattenfall war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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