Aufspaltung Kann E.On alleine überleben?

E.On teilt sich in wenigen Wochen auf, 2016 geht Uniper an den Start. Ob die neue E.On überlebensfähig sein wird, ist zweifelhaft – weil der Konzern in den vergangenen Jahren zwei Drittel seines Kapitals verloren hat.

Der Eon-Schriftzug an der Außenfassade der Eon-Ruhrgaszentrale in Essen. Quelle: dpa

Eine dramatische Lage lässt sich an vielen Indizien erkennen oder auch nur an einer Zahl. Bei E.On ist diese Zahl das Eigenkapital. Ende 2007 konnte der Essener Energiekonzern da noch stolze 55,1 Milliarden Euro vorweisen. Seit Mittwoch wissen Aktionäre, die um ihr Kapital bangen, und Arbeitnehmer, die um ihren Job fürchten: Davon ist nur noch ein gutes Drittel übrig ist, nämlich 20,2 Milliarden Euro.

Der Anteil am Gesamtkapital beträgt damit nur noch 18 Prozent. Für die kapitalintensiven Geschäfte mit Kraftwerken und Stromnetzen ist das viel zu wenig. 40 Prozent wie Ende 2007 wären auskömmlich. Um zu überleben, will sich der Dax-Konzern in wenigen Wochen aufspalten.

Energieaktien im Tiefflug

„Wir gehen mit der operativen Trennung der Aktivitäten auf die Zielgerade“, sagt Vorstandschef Johannes Teyssen. Unter dem Namen E.On wird von 2016 an vom Hauptsitz Essen aus das Geschäft mit erneuerbaren Energien, Netzen und Kundenlösungen weltweit mit 43 000 Mitarbeitern gesteuert. Der neue E.On-Konzern wird auch weiter, anders als ursprünglich geplant, das Altgeschäft mit der Kernenergie verantworten. Diese Einheit wird künftig einer gesonderten operativen Einheit namens PreussenElektra mit Sitz in Hannover übertragen.

Milliarden-Abschreibungen lasten auf der Bilanz

Abgespalten vom aktuellen E.On-Konzern wird das künftig selbstständige Unternehmen Uniper mit Sitz in Düsseldorf. Dort versammeln sich zum 1. Januar 2016 die europäische und internationale Stromerzeugung sowie der globale Energiehandel mit 14 000 Mitarbeitern.

Die künftige E.On-Struktur

Mit Schwung werden die Gesellschaften nicht ins neue Jahr gehen. 8,3 Milliarden Euro schrieb E.On im Sommerquartal ab, sieben Milliarden Euro Verlust fielen an. Der Großteil resultiert aus Abwertungen zu teuer übernommener Firmen, deren Überbezahlung sich in der Vermögensposition Goodwill niederschlägt. Zu vermuten steht, dass ohne die Abwertung eine Abtrennung von Uniper nicht möglich wäre. Um 5,3 Milliarden Euro schrumpfte der Goodwill seit Ende 2014 und riss das Eigenkapital in die Tiefe.

Damit ist das Ende des Eigenkapitalverzehrs aber nicht unbedingt erreicht. „Wir haben keine Glaskugel. Wir haben nach heutigem Kenntnisstand abgewertet“, sagt E.On-Finanzchef Michael Sen. Trotz der Megaabwertung steht noch immer ein Goodwill von 6,5 Milliarden in der Bilanz.

Sen schätzt, dass E.On im vierten Quartal noch einmal „500 Millionen Euro“ an Abschreibungen verkraften muss. Auch im wenig beachteten Gutachten, das Warth&Klein Grant Thornton für das Bundeswirtschaftsministerium erstellte, steckt Brisanz. Die Düsseldorfer Wirtschaftsprüfer sollten klären, ob die Rückstellungen der Energiekonzerne reichen, um die Folgekosten der Atomkraft zu tragen. Schon im mittleren Szenario mit weiterhin niedrigen Zinsen und moderaten Kostensteigerungen für AKW-Rückbau und Endlagerung müsste E.On rechnerisch weitere knapp 12,7 Milliarden Euro reservieren, aus dem Eigenkapital. Dann blieben noch 7,5 Milliarden übrig, die schnell durch weitere Abschreibungen, etwa auf den Goodwill, weg sein könnten.

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E.On alt und möglicherweise auch E.On neu stünde dann nackt da, der Steuerzahler müsste bangen. „Staat und Unternehmen sind gemeinsam in die friedliche Nutzung der Kernenergie in Deutschland eingestiegen, und sie tragen jetzt auch eine gemeinsame Verantwortung für den Ausstieg“, orakelt E.On-Chef Teyssen.

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