Bilanzmanipulation bei Windparkentwickler Staatsanwaltschaft nimmt Windreich hoch

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt gegen Führungskräfte des Windparkentwicklers. Im Zentrum sollen Geschäfte stehen, die Windreich-Chef Willi Balz mit sich selbst gemacht hat.

Der Vorstandsvorsitzende der Windreich AG, Willi Balz Quelle: dpa

Horst Ludwig wollte zwei Dinge auf einmal: seine Rente sichern und die Energiewende vorantreiben. Stundenlang hat der 73-Jährige aus Mönchengladbach über den Broschüren und dem Anleiheprospekt des Windanlagenbauers Windreich AG gehockt, Zahl für Zahl studiert und dann „grundüberzeugt“ 100.000 Euro – den Großteil seiner Altersvorsorge – in die Anleihe des Unternehmens gesteckt.

Bei Windreich, so dachten wohl viele Anleger, passt einfach alles. Das Unternehmen ist in einem Wachstumsmarkt aktiv, die Zahlen schienen solide. Der Chef Willi Balz ist nicht nur ein charismatischer Typ, sondern bürgt auch mit einem Teil seines Vermögens für Windreich. Und dann stand mit Walter Döring, dem ehemaligen baden-württembergischen Wirtschaftsminister sowie Ex-Telekom-Vorstand Karl-Gerhard Eick auch noch jede Menge Prominenz im Dienste der Windreich. Zuletzt kam noch TV-Moderatorin Sabine Christiansen als Aufsichtsrätin hinzu. Das weckte Vertrauen.

Umso größer war der Schock bei den Windreich-Gläubigern, als vergangene Woche bekannt wurde, dass die Stuttgarter Staatsanwaltschaft gegen Balz und andere Windreich-Manager unter anderem wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation ermittelt. Balz sagt gegenüber der WirtschaftsWoche, dass an den Vorwürfen nichts dran sei.

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Nach Informationen der WirtschaftsWoche stehen im Zentrum der Ermittlungen Projekte, die Windreich an Privatgesellschaften von Gründer Balz verkauft hat. Ein Großteil des Konzernumsatzes 2011 beruht auf solchen Geschäften.

Ob Windreich die Krise überlebt, ist unklar. Nach Informationen der WirtschaftsWoche musste sich das ohnehin schon überschuldete Unternehmen zuletzt nochmals Geld leihen, um seine laufenden Kosten zu bestreiten. Das Ermittlungsverfahren zerstört nun den letzten Rest Vertrauen der Investoren.

Dabei gibt es noch Hoffnung: Die Verhandlungen über den Verkauf eines großen Windparkprojekts in der Nordsee stehen nach Informationen der WirtschaftsWoche vor dem Abschluss. Der zu erwartende Geldsegen könnte Windreich eine Verschnaufpause verschaffen.

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