WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Bilanzpressekonferenz Eon verzweifelt an Deutschland

Es sieht nicht gut aus für Eon: Gewinne in Russland, Null-Profit im Neuinvestitionsland Brasilien, Frust über die Energiepolitik in Berlin. Doch nicht die Krim-Krise macht Eon Angst, sondern Deutschland.

Mit welchen Problemen E.On zu kämpfen hat
Knappe KassenE.On braucht Geld, und zwar dringend. 2011 hat E.On in Folge des Atomausstiegs erstmals in seiner Firmengeschichte ein Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen, ein Minus von rund 1,9 Milliarden. Noch im Vorjahr hatte der Konzern einen Gewinn von 6,2 Milliarden Euro verbucht. 2012 schaffte es Konzernchef Teyssen wieder einen Nettoüberschuss von 4,3 Milliarden zu erwirtschaften. Für 2013 rechnet der Vorstand annähernd mit einer Halbierung dessen. Nur noch 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro sollen hängen bleiben. Quelle: dapd
Investition in SchwellenländerRaus aus Europa und rein die Schwellenländern. Was E.On mit dem Verkauf seiner Beteiligungen einnimmt, soll in die Energiewirtschaft in Brasilien, Indien und der Türkei reinvestiert werden. Im Dezember hat E.On. durch einen Anteilstausch mit der österreichischen Verbund AG die Hälfte des türkischen Stromerzeugers Enerjisa übernommen. Im Gegenzug erhielt die Verbund AG Anteile an bayerischen Wasserkraftwerken. Mit dem Einstieg in der Türkei mache E.on einen "großen Fortschritt bei der Umsetzung unserer Konzernstrategie", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Quelle: REUTERS
Schleppendes GasgeschäftDer russische Vorlieferant Gazprom lässt E.On zappeln und hält die Langfristpreise hoch. Zwar erzielten E.On-Manager ein kurzfristig geltende Vereinbarung, die Linderung der Gaspreise versprach, eine Dauerlösung stellt dies jedoch nicht dar, da sich die Russen die permanente Überprüfung seiner Preisnachlässe vorbehalten hat. Quelle: dpa/dpaweb
Kostspielige WindparksE.On ist derzeit der weltweit drittgrößte Betreiber von Offshore-Windkraftanlagen und investiert zwei Milliarden in drei neue Projekte - Amrumbank West, Humber Gateway vor der britischen Küste und Karehamn in Schweden. Insgesamt sind E.On die Kosten für die Offshore-Parks zu hoch, bis 2015 sollen sie um 40 Prozent sinken. E.On will günstiger bei den Lieferanten einkaufen, leistungsfähigere Windkraftanlagen einsetzen und bei der Projektierung und beim Bau der Parks sparen. E.On-Chef Johannes Teyssen hat angekündigt, beim Ausbau des Ökostromgeschäfts verstärkt auf Kooperationen zu setzen. Der Konzern müsse nicht jede Anlage komplett besitzen. Quelle: dpa
Lohnforderungen und StreiksImmerhin an einer Front gibt es positives zu berichten. Am 6. Februar 2013 haben sich die Gewerkschaften mit der E.On-Führung geeinigt. Die 30.000 E.On-Beschäftigten in Deutschland wollten ursprünglich 6,5 Prozent mehr Lohn - jetzt gibt es rückwirkend zum 1. Januar 2013 2,8 Prozent mehr plus eine Einmalzahlung von 300 Euro. Das erste Angebot von E.On hatte bei 1,7 Prozent gelegen. Quelle: dpa
Verlustgeschäft GaskraftwerkeDie hochmodernen Gaskraftwerke im bayerischen Irsching sind extrem unterfordert. Nur 2.000 Betriebsstunden erreichten sie im Jahr, das ist weniger als ein Viertel der Gesamtkapazität. Unter solchen Umständen sind Gaskraftwerke für E.On nicht mehr gewinnbringend zu betreiben. Auch die kommunalen Mitgesellschafter drängten aus den Gaskraftwerken heraus, weil die klammen Kommunen Verluste ihrer Beteiligungen befürchten. Quelle: dpa
Unerwünschte BeteiligungenE.On will sich von zahlreichen Beteiligungen in Deutschland und Europa trennen, um Geld in die Kassen zu spülen. Geschäfte im Wert von 15 Milliarden Euro will der Energieriese verkaufen. Die Tochter E.On Thüringer Energie ging zu 43 Prozent an den dortigen Kommunalverband, E.On hält noch zehn Prozent, will aber auch dieses Restpaket loswerden. Die Transaktion ist eingebettet in eine strategische Abwurfaktion. E.On will drei der derzeit sieben deutschen Regionalversorger abstoßen. E.On Westfalen-Weser ist in Verkaufsverhandlungen, auch E.On Mitte soll vom Düsseldorfer Konzern abgetrennt werden. Insgesamt sollen die Trennung von den Regionalversorgern zwei bis drei Milliarden Euro bringen, schätzen Energie-Analysten. Quelle: dpa

„Es gibt keine Grundlage dafür“, sagt Eon-Chef Johannes Teyssen auf die Frage, ob er Enteignungen bei Eon Russia erwartet. Die Bilanzpressekonferenz von Eon stand ganz im Zeichen des Krim-Konflikts, obwohl der Vorstand klar machte, dass er sich zur Politik nicht äußern will. Aber das Russland-Geschäft, das noch von Teyssen-Vorgänger Wulf Bernotat mit dem Kauf von Teilen des russischen Kraftwerkparkes OGK-4 angeschoben wurde, trägt mitten im Ost-West-Konfikt um Krim und Ukraine frühlingshafte Blüten:

Einen Gewinn (Ebitda) von 700 Millionen Euro strich Eon aus dem Russland-Geschäft ein, das wegen des schwachen Rubel um sechs Prozent gesunken ist. Aber solche Währungsschwankungen gehören zum Geschäft. Das Russland-Geschäft macht Freude. Eine Konfiszierung des Eon-Eigentums als Antwort auf Russland-Embargos, die von den USA gefordert werden, fürchtet Teyssen offenbar nicht, setzt aber noch einen drauf: Einen „Enteignungsprozess sehe ich eher woanders, nämlich in Deutschland“, giftet er und drückt damit seine Frust über die Energiewende aus, die ihn zum Abschalten seiner ehedem so profitablen Kernkraftwerke zwingt. Für Rhetor Teyssen war die Frage nach Enteignungsängsten Russland eher eine Vorlage für eine Pointe, die einmal wieder auf die ungeliebte Energiepolitik zielte.

Wirklich Grund für schlechte Stimmung hat der Eon-Chef allerdings nicht, denn sein Unternehmen erzielt im Gegensatz zum Erzrivaten RWE noch einen Nettogewinn von zwei Milliarden Euro. RWE dagegen verbuchte wegen hoher Abschreibungen auf schlecht laufende konventionelle Kraftwerke einen Verlust in Höhe von 2,76 Milliarden Euro. Sowohl Teyssen als auch Terium präsentierten ihre Zahlen in haushohen Hallen, Teyssen in der Glashalle der Konzernzentrale in Düsseldorf, Terium in einem zehn Meter hohen Raum in der Essener Philharmonie. Reiner Zufall: Die Bühne der beiden Energiemanager war unterschiedlich illuminiert. Die riesigen Fensterfronten beider Hallen war mit gewaltigen Vorhängen in ganzer Breite und Höhe verhüllt. Bei Eon war es ein schwarzer, bei RWE ein altrosa Vorhang, die beiden Szenerien etwas Bühnenhaftes gaben.

E.On nach 2,5 Jahren Energiewende

Das Theater, das darauf gespielt wurde, zielte in Richtung Tragödie Energiewende, die nicht nur die Atomkraftwerke abschaltet, sondern auch Kohle- und Gaskraftwerke durch Ökostrom ausbremst und damit unprofitabel macht. Wegen der Konkurrenz des Ökostroms sank der operative Gewinn des Erzeugungsgeschäfts um 14 Prozent auf 9, 3 Milliarden Euro. Beide, Terium und Teyssen, glauben an ein Happy End des Ausbrems- und Abschaltdesasters: Es heißt „Kapazitätsmarkt“ und in diesem glücklichen Exit aus einem Alptraum werden Kraftwerke mit Hilfe eines Umlagesystems auch dann bezahlt, wenn sie nicht laufen. „Man muss eben unterscheiden zwischen Arbeit und Leistung“, doziert Teyssen. Ein stillstehendes Kraftwerke kann über eine Umlage nach verfügbarer Leistung bezahlt werden, nicht nach tatsächlichem Betrieb. „Leistung muss sich wieder lohnen“, witzelte vor kurzem ein Energiemanager aus dem Ruhrgebiet.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%