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Bioenergie Die Strombauern

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Bauernhof Quelle: Dirk Krüll für WirtschaftsWoche

Doch was Kämmerer und Landwirt freut, treibt den Verfechtern einer ökonomischen Energiepolitik die Zornesfalten auf die Stirn. Denn bisher funktioniert die ökologische Erfolgsgeschichte der Strombauern nur dank kräftiger Subventionen: Der Gesetzgeber belohnt nämlich die Energieproduktion aus Sonne, Wind und Biogas mit einer großzügigen Förderung. Wer Strom aus Biogas ins Netz einspeist, bekommt pro Kilowattstunde je nach Art der Anlage bis zu 11,5 Cent, für Strom aus Wind gibt es 9,0 Cent und für Solarstrom sogar bis zu 39,5 Cent – und das über die nächsten 20 Jahre. Durch diverse Zulagen kann die Vergütung sogar noch höher ausfallen.

Für die Bauern geht die Rechnung auf – zulasten der passiven Stromkunden. Denn bei denen holen sich die Versorger, die zur Abnahme der lokal produzierten Energie verpflichtet sind, das Geld durch Preiserhöhungen zurück.

Das heißt: Ohne die Förderung hätte Ebbinghof sich nie zum Energiedorf mausern können. Vor ein paar Jahren hätte sich die rund eine Million Euro teure Biogasanlage für die Landwirte denn auch noch nicht gerechnet. „Erst als 2005 der Güllebonus hinzukam, wurde es für uns interessant“, gesteht Peitz freimütig. „Jetzt bekommen wir immerhin 21,5 Cent pro Kilowattstunde.“ Zum Vergleich: Ein normaler Haushalt zahlt für die Abnahme von einer Kilowattstunde Strom im Schnitt zwischen 17 und 20 Cent.

Mehr als ein angenehmer Extraverdienst

Die Einnahmen aus dem Stromverkauf sind für die Landwirte mehr als nur ein angenehmer Extraverdienst: „Die Energie sorgt als zweites Standbein für Stabilität“, weiß Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes. Er schätzt, dass inzwischen jeder dritte Landwirt in Bioenergie, Fotovoltaik und Windenergie investiert. Für den Bauern Peitz ist das nur logisch: „Seit zehn Jahren schwanken die Milchpreise extrem.“ Also verkauft er nun neben Milch auch Strom und macht damit bereits 25 Prozent seines Umsatzes. Seine 85 Milchkühe sieht er jetzt mit anderen Augen. „Eine Kuh liefert pro Tag genug Gülle für 8,3 Kilowatt Strom“, rechnet er vor.

Für Kritiker ist die Biogasförderung nur eine weitere Subvention, mit der die Landwirtschaft am Leben erhalten wird: Statt Milchsubventionen aus Brüssel fließe nun Stromsubvention vom Energieversorger. Doch die Sichtweise greife zu kurz, findet Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. „Durch den Ausbau der Biogasproduktion kann Deutschland die Abhängigkeit von Gasimporten reduzieren.“

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