Blackout in Bayern Technischer Defekt sorgt für Stromausfall in München

Nach einem Stromausfall in weiten Teilen Münchens ist es am Donnerstagmorgen zu einem Verkehrschaos gekommen. Vom Ausfall betroffen waren sowohl Haushalte und Büros als auch die S- und U-Bahn.

Die Innenstadt von München im Herbstlicht. Quelle: dapd

Die vier Halogenlampen in der Küche flackern, fallen kurz aus, sind dann wieder da und werden schließlich endgültig dunkel. Das Stimme im Radio versiegt, der Kühlschrank wird still, die Anzeigen an der Kaffeemaschine erlöschen. Um kurz nach sieben heute Morgen fällt in ganz München und Umgebung der Strom aus. An einem der bedeutendsten  Wirtschaftsstandorte der Republik stehen die Räder still, sitzen die Menschen im Dunkeln.

Viele Münchner können nicht glauben, was da passiert ist. Zunächst der Gang in den Keller: Ist eine Sicherung ausgefallen? Nein, alles in Ordnung. Viele stehen im Bademantel oder halb angezogen auf der Straße, um zu schauen, ob auch bei den Nachbarn alles dunkel ist. Ist das jetzt das Chaos als Folge der Energiewende, das viele Experten schon lange vorhersagen?  Und: Wie sicher wird die Versorgung in Bayern im nahenden Winter sein? Das sind die Fragen, die sich viele heute Morgen stellen.

Die Chronik der größten Stromausfälle
9. Februar 1965: In der größten Stadt der USA gehen die Lichter aus. 30 Millionen Menschen sind 14 Stunden lang ohne Strom und Heizung. Der öffentliche Verkehr bricht zusammen. Der Ursache kommen Techniker erst sechs Tage später auf die Schliche: Schuld war ein einziges kaputtes Strom-Relais im kanadischen Ontario. Es hatte einen Domino-Effekt ausgelöst. Gute neun Monate nach danach steigt die Geburtenrate in New York ungewöhnlich stark an. Die Nacht im Dunkeln hat einen Babyboom ausgelöst. Quelle: REUTERS
13. April 1976: Halb Österreich geht vom Netz - glücklicherweise findet der Wiener Opernball erst ein paar Wochen später statt. Die Feuerwehr muss Menschen aus Aufzügen befreien, in den Krankenhäusern der Stadt springen die Notstromaggregate an. Nur Kärnten, Tirol und Vorarlberg sind nicht betroffen. Bereits hier wird deutlich, welche Folgen ein Ausfall in einem Nachbarland haben kann. Denn der Grund für den Blackout ist eine Explosion infolge eines Waldbrands im deutschen Umspannwerk Hesse.  Quelle: AP
13. Juli 1977: Am Broadway gehen die Lichter aus. Wieder liegt die amerikanische Metropole im Dunkeln. Diesmal sind New York City und der Landkreis Westchester, nördlich von New York betroffen. Millionen warten mehrere Stunden, bis die Klimaanlagen wieder anspringen. Dieser Blackout läuft leider nicht so friedlich ab wie der Stromausfall zwölf Jahre zuvor: Mehr als 1000 Brände entfachen. In der Bronx, Queens und Harlem brechen Unruhen aus. Nicht nur Straßengangs, sondern auch bisher brave Bürger lassen sich von der aufgeheizten Stimmung anstecken. Sie werfen Scheiben ein, plündern Geschäfte. Die Polizei nimmt 3800 Menschen fest. Quelle: dapd
Dezember 1982: Zwei Millionen Menschen sind mindestens eine Stunde im Sonnenstaat der USA ohne Energie. Stürme haben die Leitungen lahm gelegt. Auch in Disneyland mit 7700 Besuchern und der Spielerstadt Las Vegas, berühmt für seine aufwendige Lichtspiele und Leuchtreklamen gehen die Lichter aus. Quelle: AP
Sommer 1996: In neun westlichen Bundesstaaten der USA bricht die Energieversorgung zusammen. Fünf Millionen Amerikaner warten bis zu acht Stunden darauf, dass Klimaanlagen und Ventilatoren wieder summen. Das ist dringend nötig, denn es herrschen Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius. Grund für den Zusammenbruch waren Überhitzung und Überlastung der Hochspannungsleitungen. Quelle: dpa
Dezember 1998: Eine Panne bei Wartungsarbeiten führt zu einem großflächigen Stromausfall. Eine Million Menschen müssen acht Stunden lang ohne Heizung und warmes Wasser auskommen. Die Cable Cars, Wahrzeichen der Stadt an der Westküste, rollen nicht mehr. Die Lichter der Golden Gate Bridge fallen aus. Quelle: AP
22. Juli 2000: Die drittgrößte deutsche Ostseeinsel Fehmarn ist zehn Stunden lang von der Außenwelt abgeschnitten. 12.000 Inselbewohner und tausende Urlauber müssen ausharren bis Kühlschränke und  Eismaschinen wieder arbeiten. Grund für den Stromausfall ist ein Brand in einem Umspannwerk.  Quelle: dpa

Schon wenige Minuten nach Beginn des Blackouts sieht man überall in der Stadt Polizeiautos mit Sirene und Blaulicht. Viele Ampeln sind ausgefallen. Jetzt regelt die Polizei den Verkehr. Die Feuerwehr rückt aus, um die vielen in Aufzügen eingeschlossenen Menschen zu befreien. U- und S-Bahnen sowie die Tram in der bayerischen Landeshauptstadt blieben mit einem Ruck stehen. Die Fahrgäste blickten sich entsetzt an.

Die größten Stromausfälle in Deutschland

Nach einer halben Stunde – bei vielen Schülern brach gerade Jubel wegen eines möglichen Unterrichtsausfalls aus - gingen in einigen Stadtteilen die Lichter wieder an. Doch immer noch stehen viele U- und S-Bahnen. Auch staut sich an vielen Stellen der Stadt der Verkehr noch wegen ausgefallener Ampeln. Um kurz vor neun waren einige wenige Bezirke immer noch ohne Strom.

Der Stromausfall geht offenbar auf "technisches Versagen" im Leitungssystem nördlich der Stadt zurück. "Wir vermuten, dass der Schaden aus dem vorgelagerten Netz kommt", sagte der Geschäftsführer der Münchner Stadtwerke (SWM) für Versorgung und Technik, Stephan Schwarz, am Donnerstagmittag. Details seien aber noch unklar. Die Leitungen, die vom Norden her in die Stadt führten, seien mit dem Netz von E.on Bayern verbunden. "Wir sind mit E.on in Kontakt, aber wir haben noch kein Ergebnis", sagte Schwarz. "Es wird vermutlich eine Stromspitze gewesen sein, die durchgelaufen ist." Dabei sei dann vermutlich zu viel Strom ins Netz geflossen. Grund dafür könnte unter anderem ein Kurzschluss sein. Aus Sicherheitsgründen schalte das Netz in solchen Fällen automatisch ab.

Schadenshöhe ist noch unklar

Zudem kam es laut SWM in der Folge der technischen Störung unter anderem auch zu einer Explosion im Umspannwerk Bogenhausen. Augenzeugen hatten bereits von der Explosion berichtet und gemutmaßt, sie sei die Ursache für den Blackout gewesen. Schwarz betonte, der Vorfall "hatte mit der Energiewende und der ganzen Diskussion um sichere Netze nichts zu tun". Ein Bezug zur Energiewende sei "völlig verfehlt". "Das was heute passiert ist, das hätte auch vor 20 Jahren passieren können."

Nach SWM-Angaben waren rund 450.000 Kunden im südlichen Stadtgebiet zeitweise ohne Strom. Bei der Feuerwehr gingen binnen zwei Stunden 1000 Notrufe ein. Um 8 Uhr hatten zunächst alle Haushalte wieder Strom - allerdings kam es wenige Minuten später erneut zu einem vorübergehenden Stromausfall in den Stadtteilen Bogenhausen und Aubing sowie in der Stadt Moosburg im Landkreis Freising. Für viele Münchener war der Online-Kurznachrichtendienst Twitter die wichtigste Informationsquelle. Bevor die Stadtwerke sich zu Wort meldeten, informierten die Münchner sich gegenseitig per Twitter über den Zustand in ihren Stadtteilen. „Die Kommunikation hätte man vielleicht noch ein bisschen verbessern können“, räumte Schwarz ein. Wie hoch der entstandene Schaden ist, konnten die Stadtwerke zunächst noch nicht beziffern. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) gab zu bedenken: „Bereits ein einstündiger deutschlandweiter Stromausfall an einem Werktag im Winter kann einen wirtschaftlichen Schaden von einer Milliarde Euro verursachen.“

Mit Material von dadp

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