Börsengang Evonik-Aktie? Lieber nicht

Der größte deutsche Börsengang der vergangenen Jahre droht zum dritten Mal zu platzen. Die Eigentümer des Essener Chemiekonzerns haben ihre Entscheidung vertagt.

Fahnen mit dem Firmenlogo des Chemiekonzerns Evonik Quelle: dpa

Es sieht so aus, als würde es mit dem Börsengang des Chemiekonzerns Evonik wieder nichts werden. Der Eigentümer von Evonik, die RAG-Stiftung, der knapp 75 Prozent der Anteile gehören,  hat die Entscheidung am Wochenende vertagt. Anfang kommender Woche könnte nun der endgültige Beschluss fallen. Es ist der dritte Versuch von Evonik, an die Börse zu gelangen. Schon zweimal hat der Essener Konzern in den vergangenen Jahren den avisierten Gang aufs Parkett verschoben.

Wenig Interesse am Börsengang

Vieles spricht dagegen, dass der Börsengang ausgerechnet diesmal zustande kommt: Die Stimmung an der Börse ist schwer einzuschätzen. Das Euro-Desaster und die Griechenland-Krise lasteten in den vergangenen Wochen auf dem Dax.

An diesem Montag ist der Aktienindex allerdings in die Höhe geschossen – nachdem Spanien um Milliardenhilfe ersucht hat. Am nächsten Sonntag stehen Neuwahlen in Griechenland an  - mit entsprechenden Folgen an den Finanzmärkten.

Deutsche Konzerne können Börse
EvonikDer Chemiekonzern Evonik wollte erst im Mai , dann Ende Juni an die Börse gehen. Doch mit dem ersten Milliarden-Börsengang in Deutschland nach der Finanzkrise wird es wohl vorerst nichts. Die Evonik-Eigner, die RAG-Stiftung sowie der britische Finanzinvestor CVC, der über 25 Prozent an dem Essener Unternehmen hält, verschieben den Börsengang zunächst wegen des schwierigen Marktumfelds. Sollte die RAG-Stiftung und CVC insgesamt 30 Prozent der Anteile verkaufen, könnte Evonik leicht fünf Milliarden Euro schwer werden. Damit wäre das Unternehmen ein möglicher Kandidat für den Dax. Das es bei den Essenern schon vor dem Börsengang glänzend läuft, beweist ein Blick auf die Zahlen. Im vergangenen Jahr erzielte Evonik einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro, wovon über eine Milliarde Euro als Gewinn übrig blieb. Damit konnte das Chemieunternehmen seinen Gewinn um 38 Prozent steigern. Quelle: dpa
TalanxDer Versicherer aus Hannover hält das derzeitige Marktumfeld ebenfalls günstig für einen Börsengang. Analysten prognostizieren der Hannover Rück Tochter ein Handelsvolumen von einer Milliarden Euro, sollten sie kommendes Quartal an die Börse gehen. Der drittgrößte deutsche Versicherer plant seine Börsennotierung mittlerweile schon seit einem Jahrzehnt. Dass es den Hannoveranern nun ernst ist, zeigt auch die Weigerung des Vorstandchefs Ulrich Wallin eine Gewinnprognose für 2012 abzugeben. In Börsenprospekten sind solche Prognosen hinderlich, weil Investoren das Unternehmen darauf festnageln könnten. Für das letzte Jahr sind die Zahlen allerdings bekannt. 2011 machte Talanx einen Gewinn von 520 Millionen Euro. Quelle: dpa
Kolbenschmidt Pierburg (KSPG)Das Unternehmen gehört zur Automobilsparte des Düsseldorfer Rüstungskonzerns Rheinmetall. Der Autozulieferer Kolbenschmidt Pierburg erwägt einen Börsengang bis Juni 2012. Die Unternehmensdaten können sich sehen lassen. Im letzten Jahr lag der Umsatz bei über zwei Milliarden Euro. Sollte der Mutterkonzern Rheinmetall 50 Prozent seiner Anteile verkaufen, könnten die Banken Aktien für rund eine halbe Milliarde Euro verkaufen. Quelle: dpa
SchiesserAufsichtsratchef Volker Grub hatte seine Pläne für einen Börsengang mehrmals verschoben. In der Sommerpause soll es nun so weit sein. Die BHF-Bank und Equinet sollen die Börsennotierung begleiten. Das Traditionsunternehmen, dass für seine Feinrippunterwäsche bekannt ist, war erst im vergangenen Jahr nach zwei Jahren Sanierung aus der Insolvenz gekommen. Mit dem Erlös aus dem Börsengang sollen die Gläubiger ausgezahlt werden. 2010 hat das Unterwäscheunternehmen einen Umsatz von 124,5 Millionen Euro erzielt. 5,1 Millionen Euro blieben als Nettogewinn übrig. Quelle: ap
H.C. StarckBeim Spezialchemiekonzern H.C. Starck ist man sich derweil unsicher geworden, ob ein Börsengang riskiert werden soll. Derzeit prüfen die Finanzinvestoren Advent und Carlyle, die die Börsennotierung von H.C. Starck begleiten sollten, parallel auch wieder einen Verkauf. Um Ostern herum soll die Richtung klar sein. Das Unternehmen, dass sich auf Metall-Pulver, Bauteile und technische Keramik spezialisiert, konnte im letzten Jahr 883 Millionen Euro umsetzen, 28 Prozent mehr als 2010. Quelle: dpa
OsramDie Siemens-Tochter plant seit längerem einen Börsengang. Im Herbst letzten Jahres sollte Osram an der Börse notiert werden, doch damals stellte sich Siemens noch dagegen. Mit der Börsen-Rally seit Jahresanfang haben sich die Börsenpläne aber wieder vertieft. Im Zuge der Neuemission an der Börse strengt der Leuchtmittelhersteller eine Effizienzsteigerung an. Und die sieht vor bis 2014 3000 Stellen zu streichen. Davon sollen allein in Deutschland 1050 Arbeitsplätze wegfallen. Weltweit hat Osram 41.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2011 erreichte der Münchner Konzern einen Umsatz von fünf Milliarden Euro. Quelle: dpa
FlintDer Druckfarbenhersteller Flint ist ein weiterer Börsenkandidat des Finanzinvestors CVC. Mit Flint käme ein etwas kleinerer Titel an die Börse. Das Unternehmen verdiente im vergangenen Jahr operativ (Ebitda) 310 Millionen Euro. Gegründet wurde Flint 1865. Über BASF wurde Flint später an CVC verkauft. Quelle: dpa

Die Eigentümer - in der politisch dominierten RAG-Stiftung sitzen unter anderem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sowie die die Ministerpräsidentinnen von Nordrhein-Westfalen und des Saarlandes – waren bis vor kurzem davon ausgegangen, dass der Wert aller Evonik-Anteile bei mehr als 15 Milliarden Euro liegt.

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Die Euro-Krise hat inzwischen jedoch zu vorsichtigeren Unternehmensbewertungen geführt. Die Investmentbanken Goldman Sachs und Deutsche Bank stehen zudem im Verdacht, den Wert schöngerechnet zu haben. Der aktuelle Evonik-Wert dürfte derzeit eher bei zwölf Milliarden Euro liegen. Wichtige Investoren zeigen derzeit nur ein mäßiges oder gar kein Interesse an einem Börsengang.

Keine Eile

Eine Absage hätte erst einmal keine unmittelbaren Folgen: Das Geld aus dem Börsengang wäre ohnehin nicht Evonik zugute gekommen. Die RAG-Stiftung benötigt das Geld, um die Folgekosten des auslaufenden deutschen Steinkohlebergbaus zu finanzieren – allerdings erst ab 2019. Richtig eilig hat es die Stiftung noch nicht.

Ein Börsengang wäre jedoch ein gutes Signal an die Finanzmärkte, dass noch was geht in diesen unsicheren Zeiten. Jetzt ist es gut möglich, dass das Signal ausbleibt.

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