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Energiekonzerne stecken im Imagetief

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Die Idee, die Atom-Altlasten einer Stiftung zu übertragen, sorgte für Aufsehen. Zumindest ihrem Image haben die Energiekonzerne damit keinen Gefallen getan.

Merkel: "Atomrisiken nicht auf Steuerzahler abwälzen"
Die finanziellen Risiken für den Ausstieg aus der Atomenergie sollen nach Ansicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei den Unternehmen bleiben. "Risiken auf Staat und Steuerzahler abzuwälzen, lehne ich ab", sagte die CDU-Vorsitzende im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am 16. Mai. "Im Grundsatz muss es dabei bleiben, dass die Unternehmen die Verantwortung für die Entsorgung von Atommüll tragen", betonte sie. Dafür seien Rücklagen gebildet worden. Eine einseitige Verlagerung der Risiken "werden wir nicht mitmachen". Zu der von Energiekonzernen vorgebrachten Idee einer öffentlich Atomstiftung wollte sich Merkel nicht direkt äußern. Sie habe davon bisher nur in der Presse gelesen. "Wir werden über das Thema der Kernkraftwerke und ihrer Altlasten sicher noch viele Gespräche führen", betonte sie zugleich. Quelle: dpa
Peter Ramsauer (CSU), Chef des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Energie, springt den Energiekonzernen zur Seite. Er nannte einen AKW-Fonds einen strategischen Vorschlag, "über den man nicht nur reden kann, sondern muss. Man sollte der Energiewirtschaft eher dankbar dafür sein, dass sie sich überhaupt mit Vorschlägen einbringt, als sie sofort wieder reflexartig zu verdammen", sagte Ramsauer dem "Spiegel". Die Konzerne könnten den Ausstieg nicht allein tragen. " In einer höchst verminten Gefechtslage müssen sich alle Seiten ihrer Risiken bewusst sein. Für den Bund sind das möglicherweise milliardenschwere Schadensersatzzahlungen für den Atomausstieg", sagte Ramsauer weiter. Quelle: dpa
CDU-Generalsekretär Peter Tauber machte am Montag nach einer Sitzung des Parteipräsidiums in Berlin deutlich: „Die volle Verantwortung auch für die Kosten liegt zunächst bei den Unternehmen. Alles weitere kann man gerne diskutieren.“ Das Thema sei komplex, sagte Tauber. „Zunächst muss es auch darum gehen, die Energieunternehmen nicht aus ihrer Verantwortung zu entlassen.“ Quelle: dpa
CSU-Chef Horst Seehofer hält eine Übernahme des Atomgeschäftes der drei großen Energiekonzerne Eon, RWE und EnBW durch den Bund für unrealistisch. „Ich kann es mir nicht vorstellen“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Montag in München. Quelle: dpa
Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sagte, sie sähe keinen Grund, dass der Staat jetzt Milliarden in die Hand nehmen sollte. Eine Art Stiftung wäre nur denkbar, wenn die Energiekonzerne ihre Rücklagen für die Atomkraftwerke dort beisteuern würden. Quelle: dpa
Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) war noch skeptischer: "Ich glaube, dass die Energieerzeuger ihrer Verantwortung gerecht werden müssen und gerade auch in dieser jetzigen aktuellen Diskussion deutlich machen müssen, dass sie nicht nur Geld verdient haben, sondern auch Vorsorge betreiben." Quelle: dpa
Die Deutsche Umwelthilfe betonte, die Energiekonzerne hätten sich vier Jahrzehnte lang mit der Kernenergie eine goldene Nase verdient. „Jetzt, wo es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, stehlen sie sich mit einem faulen Kompromiss durch die Hintertür davon“, sagte Hauptgeschäftsführer Jürgen Resch. Quelle: Screenshot
Hessens Ministerpräsident und CDU-Chef Volker Bouffier hat sich offen für Überlegungen der drei großen Energiekonzerne zu einem Altlastenfonds für den Atomausstieg gezeigt. „Wir müssen einen sicheren Weg finden, der kann nicht so aussehen, dass am Ende der Steuerzahler die ganze Angelegenheit übernimmt“, sagte Bouffier am Montag vor einer Sitzung des CDU-Präsidiums in Berlin. Aber: „Wir können nicht warten, bis die Unternehmen am Ende pleite sind.“ Deshalb müsse diskutiert werden, „ob es zum Beispiel eine Möglichkeit gibt, einen sicheren Fonds aufzubauen, aus dem man dann auch nachhaltig entsprechend die Altlasten beseitigen kann“. Quelle: dpa
Die für Reaktorsicherheit und Endlagerung zuständige Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) wies die Überlegungen der Konzerne umgehend zurück. „Die uneingeschränkte Verantwortung für den sicheren Auslaufbetrieb, die Stilllegung, den Rückbau und die Zwischenlagerung des Atommülls liegt bei den Energieunternehmen. Diese haben uneingeschränkt sämtliche Kosten der Stilllegung, des Rückbaus sowie der Endlagerung zu tragen.“ Dazu dienten die Rückstellungen der Unternehmen in Milliardenhöhe, die zeitgerecht und sicher zur Verfügung stehen müssten. „Die volle Kostenverantwortung liegt damit bei den Unternehmen“, sagte Hendricks. Quelle: dpa
Die Gewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie hat die Überlegungen der Energiekonzerne begrüßt. "Die Idee finde ich jetzt erstmal nicht schlecht", sagte IB-BCE-Chef Michael Vassiliadis am Montag am Rande des DGB-Bundeskongresses in Berlin. Er kenne die Details des Vorschlages zwar nicht. Aber der Abriss der Atomkraftwerke sei mit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Atomenergie nicht organisiert. Über die Kosten müsse nun gesprochen werden. Quelle: dpa
„Die Bundesregierung muss die Geheimpläne der Energiekonzerne, die ihr nach Medienberichten schon seit Wochen vorliegen, umgehend dem Bundestag offenlegen“, sagte der atompolitische Sprecher der Links-Fraktion, Hubertus Zdebel, am Montag in Berlin. „Getreu dem Motto "Gewinne werden privatisiert, Verluste werden sozialisiert" wollen sich die Atomkonzerne jetzt billig aus der Verantwortung für die von ihnen verursachten Atommüllfolgeschäden schleichen“, kritisierte er die Idee einer möglichen „Atom-Bad-Bank.“ Quelle: Presse
Schleswig-Holsteins Energieminister Robert Habeck (Grüne) lehnt es ab, die Bürger mit den Kosten für die Abwicklung der Atomkraftwerke zu belasten. „Die volle Kostenverantwortung liegt bei der Industrie“, sagte er am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. „Die Industrie hat sich an der Atomenergie eine goldene Nase verdient - nun der Gesellschaft die Kosten für die Entsorgung aufbürden zu wollen, ist schäbig.“ Quelle: dpa

Alleine der Begriff „Bad Bank“ dürfte bei vielen Deutschen eine Gänsehaut auslösen. Stand er doch in der Finanzkrise als Synonym dafür, Milliardenrisiken der Kreditinstitute auf den Staat – und damit die Bürger – zu übertragen. Eine „Bad Bank“ für Atommeiler der großen deutschen Energiekonzerne löst bei den Verbrauchern entsprechend keine positiveren Assoziationen aus, im Gegenteil: Bis zu 100 Milliarden Euro könnte der Ausstieg aus dem Atomzeitalter kosten und die Portemonnaies der Steuerzahler nachhaltig belasten.

Negatives Echo wie dieses ist in der Energiebranche keine Seltenheit: Die vier großen Energiemarken in Deutschland machen häufig mit schlechten Nachrichten auf sich aufmerksam. Das bleibt nicht ohne Folgen: Wie der Markenmonitor YouGov BrandIndex zeigt, ist das Image aller vier großen Energiemarken schwach.

Negativer Effekt

So erreichen RWE, EnBW und E.ON aktuell Imagewerte von rund +2 bis +3 Punkten, Vattenfall liegt mit -5 Punkten sogar im negativen Bereich. Auch ein negativer Effekt im aktuellen Fall der Bad-Bank-Diskussion ist bereits in den BrandIndex-Daten zu sehen, auch wenn dieser nur klein ist. Die Verbraucher sind an schlechte Nachrichten gewöhnt.

Sich im Rahmen der Energiewende positiv zu positionieren, ist bisher keiner der vier großen Energiemarken gelungen. Auch wenn hier eine große Chance liegt, ist ein Turnaround hin zu einem guten Image derzeit nicht zu erkennen.

Immerhin: Es gibt auch positive Tendenzen. Bei Vattenfall etwa ist seit einigen Monaten eine Erholung zu erkennen. Im Februar noch erreichte der schwedische Anbieter zeitweise 5 BrandIndex-Punkte weniger als heute.

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Eine minimale Verbesserung war in den vergangenen Monaten auch im Falle von RWE zu beobachten. Mit einer teuren Werbekampagne versuchte RWE die Verbraucher von den Anstrengungen des Konzerns im Rahmen der Energiewende zu überzeugen. Die Werbung erzeugt durchaus Aufmerksamkeit bei den Deutschen: Die im BrandIndex gemessene AdAwareness ist relativ hoch – im Unterschied zu den Imagewerten.

Werbung reicht nicht

Dies verdeutlicht das Dilemma der großen Konzerne: Werbung alleine wird nicht ausreichen, um aus dem Imagetief zu flüchten. Vielmehr ist ein umfassender Ansatz im Marketingmix notwendig, der die Marken wieder positiv ins Gespräch bringt. Im Augenblick ist nämlich, wie der so genannte „Buzz“ im BrandIndex zeigt, das Gegenteil der Fall.

Neben umweltfreundlicher Energieerzeugung könnte auch das Thema „Smart Home“, also die Vernetzung, Automatisierung und Fernsteuerung von Haustechnik und Haushaltsgeräten, eine Plattform sein, um bei den Verbrauchern zu punkten.

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