Chancen für Investoren Algerien setzt auf erneuerbare Energien

Jahrzehntelang verließ sich Algerien auf Öl und Gas. Nun entdeckt das nordafrikanische Land die Chancen für erneuerbare Energien. So entstehen neue Möglichkeiten für ausländische Investoren.

Die Wachstumsmärkte von morgen
Platz 9: MalaysiaMit einer verhältnismäßig kleinen Bevölkerung von 28 Millionen Einwohnern kann Malaysia kaum punkten. Auch die verhältnismäßig hohen Arbeitskosten von 15,6 Dollar (absolutes BIP geteilt durch BIP pro Person) machen das Land nicht außergewöhnlich attraktiv. Spannend ist Malaysia vielmehr als Beschaffungsmarkt. Die Befragten der Studie von Valuneer und ICC zu Trends internationaler Einkaufsmanager bewerteten den Markt überaus positiv. Quelle: Exklusivranking für die WirtschaftsWoche in Kooperation mit Valueneer. Für das Ranking wurde nach der Attraktivität als Absatz- sowie als Beschaffungsmarkt unterschieden und Indikatoren wie Lohnkosten, Wachstumsraten, Importvolumen, Rohstoffreichtum und Bevölkerungsgröße herangezogen und unterschiedlich gewichtet. Quelle: AP
Platz 8: GhanaDas afrikanische Land kann mit seinem starken Wachstums punkten. 2011 stieg das BIP um 13,5 Prozent. Kein anderer der 50 betrachteten Wachstumsmärkte wies solche Steigerungsraten auf. Dazu lockt Ghana mit günstigen Arbeitskosten. Allerdings gilt das westafrikanische Land nach wie vor als wenig sicher und sehr korrupt. Quelle: REUTERS
Platz 7: Polen Das Land punktet bei deutschen Investoren vor allem durch seine räumliche Nähe als günstiger Beschaffungsmarkt. Die politische Lage ist stabil. 39 Millionen Einwohner freuen sich über ausländische Waren. 2011 gingen immerhin Importe im Wert von 170 Milliarden Dollar ins Land. Auch wenn die Lohnkosten verhältnismäßig hoch sind - Polen bleibt ein attraktiver Markt. Quelle: dpa
Platz 6: AlgerienDas Land erreicht in keiner Kategorie Bestwerte, kann aber als Beschaffungsmarkt überzeugen (Platz 2). Einkaufsmanager sehen viel Potenzial, außerdem verfügt das Land über immense Rohstoff-Ressourcen im Wert von 72 Milliarden Dollar. Die Arbeitskosten sind mit 7,3 Dollar noch deutlich geringer als z.B. in der Türkei (14,5 Dollar) oder Mexiko (14,6 Dollar). Damit erreicht Algerien insgesamt Platz 6. Quelle: AP
Platz 5: TürkeiIm Ranking der besten Absatzmärkte erreicht die Türkei mit einer durchschnittlich kaufkräftigen, aber dafür umso größeren Bevölkerung von 75 Millionen Einwohnern einen guten dritten Platz. Im Jahr 2011 wuchs das BIP um satte 8,5 Prozent. Als Beschaffungsmarkt ist das Land dafür weniger attraktiv (Platz 10 von 50). Insgesamt: Platz 5. Quelle: dpa
Platz 4: MexikoBereits 328 Milliarden Dollar Direktinvestitionen flossen 2011 nach Mexiko - der höchste Wert im Ranking. Dazu locken 112 Millionen Einwohnern. Diese Kombination macht Mexiko zum zweitbesten Absatzmarkt der Welt für die deutsche Wirtschaft - so die Experten von Valuneer. Als Beschaffungsmarkt kann das Land weniger überzeugen: Platz 11. Insgesamt reicht es für Rang vier. Quelle: dpa
Platz 3: Südkorea1723 Dollar pro Kopf steckte Südkorea im Jahr 2011 in Forschung und Entwicklung - und damit mehr als alle anderen untersuchten Ländern. Als Beschaffungsmarkt belegt Südkorea den vierten Platz. Als Absatzmarkt überzeugt der asiatische Staat, weil er bereits im Jahr 2011 Importe im Wert von 525 Milliarden Euro einführte. Quelle: dpa
Platz 2: IndonesienIndonesien verfügt über förderbare Ressourcen im Wert von 101 Milliarden US-Dollar und damit über das höchste Volumen der neun kommenden Absatzmärkte. Mit 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien das viertgrößte Land der Welt. Diese zwei Kriterien - neben immer noch verhältnismäßig geringen Lohnkosten und der stabilen innenpolitischen Lage- machen Indonesien zu einem der aussichtsreichsten Wachstumsmärkte. Quelle: dpa
Platz 1: NigeriaMit nur 2,6 Dollar weist Nigeria die niedrigsten Arbeitskosten der 50 untersuchten Märkte auf. Das macht es als Beschaffungsmarkt äußerst interessant, ebenso wie sein Rohstoffvolumen im Wert von 92 Milliarden US-Dollar. Quelle: dpa

Algerien kann einem den Schlaf rauben. Volker Kinzig weiß das nur zu gut, wenn er wieder einmal bis spät in die Nacht hinein in seinem Büro östlich der Hauptstadt Algier Verhandlungen führt, Mails schreibt und am Telefon auf Risikomanager und Finanzexperten zu Hause im Schwäbischen einredet. Kinzig ist Projektmanager beim Solarmaschinenbauer Centrotherm in Blaubeuren. Der hatte zwar im Juli Insolvenz angemeldet, bekam jedoch vergangene Woche grünes Licht für die Sanierung in Eigenregie. Unter Führung von Centrotherm baut ein Konsortium im Auftrag des staatlichen algerischen Stromkonzerns Sonelgaz für rund 300 Millionen Euro eine Solarfabrik außerhalb Algiers.

Dem Auftrag könnten weitere folgen, denn das nordafrikanische Land will Sonnenenergie von A bis Z ausbeuten und deshalb auch eine Polysiliziumfabrik erstellen. Ein anderer Interessent fragte bereits wegen einer Solarzellenfabrik an. "Aber wenn ich von dem enormen Potenzial Algeriens spreche, bekomme ich bei Bankern kaum Gehör", klagt Kinzig.

Märkte von morgen

Nachholbereich in vielen Bereichen

Dabei ist "Potenzial" das Wort, das im Gespräch mit ausländischen Unternehmern im Land am häufigsten fällt. Algerien ist das flächenmäßig größte Land in Afrika, sechs Mal so groß wie Deutschland. Die Wirtschaft hat nach Jahrzehnten sozialistischer Herrschaft, einem blutigen Bürgerkrieg in den Neunzigerjahren und der lange fast ausschließlichen Fokussierung auf die Öl- und Gaswirtschaft Nachholbedarf in nahezu allen Bereichen. Das reicht von der Infrastruktur über Wohnungsbau und Nahrungsmittel bis zu alternativen Energiequellen.

Leisten könnte sich Algerien all die erforderlichen Investitionen. Dank der Öl- und Gasexporte betrugen die Devisenreserven Ende Juni 186,32 Milliarden Dollar. Nach dem 2009 ausgelaufenen ersten Investitionsprogramm mit einem Volumen von 150 Milliarden Dollar warten bis 2014 weitere 286 Milliarden Dollar auf Verwendung. Fortsetzung folgt: Allein erneuerbare Energien will sich der Staat bis 2030 mehr als 120 Milliarden Dollar kosten lassen.

Mit Ressourcen haushalten

"Es stimmt, dass wir uns bei der Energieversorgung ausschließlich auf unsere Öl- und Gasreserven verlassen haben", sagt Rabeh Touileb, Direktor für Strategie und Entwicklung bei Sonelgaz. "Aber wir müssen mit unseren Ressourcen haushalten, damit wir durch die Einnahmen das Land weiter entwickeln können und auch den nachfolgenden Generationen etwas übrig lassen." Auch bis zu 120 000 Arbeitsplätze sollen dadurch entstehen. Algeriens Bevölkerung ist jung, aber oft ohne Perspektive.

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