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Der E.On-RWE-Deal Ein Tauschgeschäft mit vielen Folgen

RWE und E.On Quelle: dpa

Aus drei Energiekonzernen werden zwei: E.On und RWE teilen die RWE-Tochter Innogy unter sich auf. Kunden sollten künftig bei der Wahl des Stromtarifs noch genauer hinschauen, raten Verbraucherschützer.

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Die EU-Wettbewerbshüter haben dem Stromkonzern E.On die Übernahme von Teilen der RWE-Tochter Innogy unter Auflagen erlaubt. Damit kann eines der größten Tauschgeschäfte in der deutschen Energiewirtschaft starten. Das hat Folgen für Konkurrenten und Verbraucher.

Was wollen E.On und RWE mit der Zerschlagung von Innogy erreichen?
Das alte Geschäftsmodell der Energieriesen, das von der Erzeugung in Großkraftwerken über den Transport bis zum Verkauf in Gebietsmonopolen reichte, ist durch die Liberalisierung des Strommarkts und die Energiewende zusammengebrochen. E.On hatte deshalb zunächst seine Kohle- und Gaskraftwerke abgestoßen, RWE gliederte seine erneuerbaren Energien, die Netze und das Endkundengeschäft in die Tochter Innogy aus. Beide Maßnahmen reichten aber nicht, um die schwankenden Riesen dauerhaft zu stabilisieren. E.On will sich deshalb auf den Transport von Strom und Gas sowie den Verkauf von Energie und Dienstleistungen konzentrieren. RWE soll schrittweise vom Braunkohleverstromer zum Ökostrom-Anbieter werden.

Welchen sauren Drops musste E.On lutschen für das Ja aus Brüssel?
Nachdem Europas Wettbewerbshüter Bedenken erkennen ließen, hatte E.On Angebote gemacht für Verkäufe. Man wollte „nicht mit dem Kopf durch die Wand“, sagte der sichtlich gut gelaunte Konzernchef Johannes Teyssen am Dienstag. „Da bekommt man nur eine blutige Nase.“ Innogys profitables Tschechien-Geschäft wird spätestens in einem Jahr verkauft, zudem trennen sich die Essener von ihrem Deutschland-Geschäft mit Strom, der zum Heizen genutzt wird, also für Nachtstromöfen und Wärmepumpen. Insgesamt gehen so zwei Millionen Kunden verloren - was bei insgesamt rund 50 Millionen Kunden der neuen E.On in Europa verkraftbar ist. Zudem werden Ladestandorte für E-Autos an deutschen Autobahnen veräußert. Teyssen nennt die Auflagen „sehr verkraftbar“, Experten halten sie für schwach oder - wie es ZEW-Präsident Achim Wambach formuliert - „moderat“.

Haben die Stromkunden künftig weniger Auswahl?
Die Experten von Verivox, die rund 130 Vertriebsmarken von E.On und Innogy in ihrer Datenbank zählen, erwarten das nicht. Mit der Fusion von E.On und Innogy entstehe zwar einer der größten Energieversorger Europas, „aber wir sehen den Wettbewerb dadurch nicht gefährdet“, sagt Leo Lützenkirchen, Bereichsleiter Energie des Vergleichsportals. Die Verbraucher könnten heute pro Postleitzahl aus durchschnittlich 160 Stromanbietern wählen, vor zehn Jahren seien es nur 66 gewesen.

Was sagen Verbraucherschützer?
Ob die Innogy-Übernahme „für die Privatkunden ein Nachteil wird, liegt vor allem an den Kunden selbst“, sagt Udo Sieverding, Energieexperte der Verbraucherzentrale NRW. „Sie müssen in Zukunft noch intensiver ihre Tarife beobachten und von Wechselmöglichkeiten Gebrauch machen.“ Bei der Wechselbereitschaft gibt es aber noch viel Luft nach oben. Ein gutes Viertel der Haushaltskunden hat laut Bundesnetzagentur noch einen relativ teuren Vertrag in der Grundversorgung.

Kann die Fusion zu höheren Strompreisen führen?
Das ist nicht genau einzuschätzen. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur bleibt ein gutes Fünftel des Strompreises von rund 30 Cent pro Kilowattstunde bei den Stromversorgern für Beschaffung, Vertrieb und Marge. Mehr als die Hälfte des Strompreises entfallen demnach auf staatliche Steuern, Abgaben und Umlagen. Etwa ein Viertel des Endpreises machen die Nutzungsentgelte für die Stromnetze aus. Über deren Höhe wacht die Bundesnetzagentur. Sie hatte im vergangenen Jahr die staatlich garantierten Renditen gekürzt und dafür die Rückendeckung des Bundesgerichtshof erhalten.

Was befürchten Konkurrenten von E.On?
Mehrere Stadtwerke kritisieren, dass sich E.On mit der Innogy-Übernahme gewaltige Startvorteile in der Energiewelt der Zukunft verschaffen könne. Etwa bei der Elektromobilität sowie Smarthome-Anwendungen könne E.On zu einer Art Amazon für Energieprodukte werden und Konkurrenten auf die Rolle von Kunden der eigenen Plattform reduzieren. Andere, wie der Ökostromanbieter Lichtblick, kritisieren, E.On bekomme Zugriff auf viele Millionen demnächst digitalisierte Stromzähler. Diese Kundendaten seien das „künftige Gold der Energiebranche“. Verbraucherschützer Sieverding rechnet damit, dass die Stadtwerke stark unter Druck geraten werden.

Was sagt E.On zu diesen Vorwürfen?
E.On-Chef Teyssen hat wiederholt versichert, der Wettbewerb sei „in Deutschland in keiner Weise gefährdet“. Es werde weiterhin einen scharfen Preiskampf der Anbieter geben. Nach der Integration von Innogy könne E.On „allen Kunden schon bald verbesserte Leistungen und Produkte aus einer Hand anbieten“.

Wie geht es weiter?
In der Nacht zu Donnerstag geht das 77-Prozent-Innogy-Aktienpaket von RWE an E.On über, wenige Tage später werden die Essener auch bei Anteilsscheinen anderer Aktionäre Vollzug melden, hinzu kommen noch eigene, bereits gekaufte Aktien. Insgesamt dürfte E.On wohl bis Ende dieser Woche 90 Prozent am Grundkapital von Innogy halten. Bleiben 10 Prozent, die das E.On-Kaufangebot bisher nicht angenommen haben. Sie sollen im „Squeeze-Out“ gegen Geld herausgedrängt werden, im Sommer 2020 könnte die Firma Innogy damit endgültig Geschichte sein.

Mehr zum Thema: Für Klimaschützer ist RWE-Chef Rolf Martin Schmitz ein Fossil. Nun will er den Essener Stromkonzern durch die mit E.On zum grünen Vorzeigeunternehmen umbauen. Meint er das ernst?

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