E.On-Hauptversammlung Kritische Aktionäre gegen E.ON-Chef Johannes Teyssen

Auf der Hauptversammlung des Energieversorgers wird E.On-Chef Teyssen von Aktionären kräftig Gegenwind bekommen. Dabei dürfen sie für das Geschäftsjahr 2014 mit einer Dividende rechnen.

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse
Österreich – mehr öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV), mehr ElektrobusseIm Jahr 2009 lag der ÖPNV-Anteil in Berlin bei 29 Prozent, in München bei 26 Prozent. In Wien dagegen liegt der Anteil bei 35 Prozent. Würde man den ÖPNV-Anteil in Berlin, Hamburg, München und Köln analog zu Wien auf 35 Prozent steigern, würde parallel dazu der Pkw-Verkehr zurückgehen. Da der öffentliche Nahverkehr geringere CO2-Emissionen erzeugt als Pkw, würde dies zu einem Rückgang der CO2-Emissionen führen. Wien pilotiert aktuell außerdem den Einsatz von Elektrobussen. In Deutschland werden die Busflotten momentan nahezu komplett mit Diesel betrieben. Bei einer Erneuerungsrate von 8 Prozent pro Jahr würden bis 2020 mehr als 2.000 Elektrobusse auf deutschen Straßen fahren. Nach dem für 2020 erwarteten Strommix aus grünen und konventionellen Kraftwerken, würde dies zu weniger CO2-Emissionen führen, denn dann würden E-Busse deutlich sauberer fahren als Dieselbusse. Quelle: AP
China – Fahrerassistenzsysteme in U-BahnenIn Deutschland gibt es in vier Städten U-Bahnen, insgesamt sind 1.500 Züge im Einsatz. Sie verbrauchen 0,7 TWh Strom. Fahrerassistenzsysteme können den Verbrauch senken. Sie optimieren den Energieverbrauch von U-Bahn-Zügen durch Steuerung der Türen, der Stopps sowie der Fahrten zwischen den U-Bahnhöfen. In China werden alle neuen U-Bahnen mit Fahrerassistenzsystemen ausgestattet. Gegenüber einer konventionellen U-Bahn-Steuerung verbrauchen die U-Bahnen so 15 % weniger Strom. Quelle: REUTERS
Mexiko – Abwrackprämie für HaushaltsgeräteEin neuer Kühlschrank der aktuell höchsten Effizienzklasse verbraucht 150 kWh pro Jahr und damit circa 30 % weniger als ein durchschnittlicher, zehn Jahre alter Kühlschrank. Mexiko hat 2009 ein Anreizsystem für den Austausch von "Weißer Ware" aufgelegt . Ziel war es, Kühlschränke, die älter als zehn Jahre waren, durch neue Geräte zu ersetzen. Bedingung war, dass die Neugeräte den mexikanischen Effizienzstandard um mindestens 5 % überbieten mussten. Das Anreizsystem bot Barauszahlungen und Subventionen von Finanzierungslösungen sowie zusätzliche Leistungen für den Abtransport und das Recycling der Altgeräte. Im Rahmen des Programms haben seit 2009 1,5 Millionen Haushalte ihre alten Kühlschränke ersetzt. Dadurch konnte die durchschnittliche Stromnachfrage pro Haushalt um 7 % reduziert werden. Quelle: AP
Spanien – höhere Energieeffizienz Elektrische Antriebe verbrauchten in der deutschen Industrie im Jahr 2010 etwa 85 TWh Strom. Die Energieeffizienz der derzeit eingesetzten Antriebssysteme könnte verbessert werden. Madrid setzt etwa für die Wasserversorgung drehzahlvariable Pumpen ein, nach zwei Jahren amortisierten sich die Kosten. Im Jahr 2020 könnte der industrielle Stromverbrauch in Deutschland um circa 6 TWh reduziert werden, wenn alle Antriebe ausgetauscht würden, deren Anschaffung sich nach maximal drei Jahren rechnet. Quelle: dpa
In Deutschland wird das Potenzial neuer Antriebe in Industrieanlagen noch nicht ausgeschöpft, so die Studie. Das Umrüsten im laufenden Betrieb sei zum Teil schwierig, in manchen Betrieben gebe es nur wenig Transparenz bezüglich realisierbarer Einsparungen und bei längeren Amortisationszeiten fehlt häufig die Bereitschaft der Entscheider, Kapital zu binden. Hier könnten Ansätze wie das Energiespar-Contracting helfen: Die Investitionen werden von einem Dienstleister finanziert und über die erfolgten Einsparungen beglichen, die zwischen Dienstleister und Besitzer aufgeteilt werden. Ähnliche Ansätze sind auch bei energetischen Gebäudesanierungen möglich und erleichtern dort die Überwindung der Investitionsschwelle. Quelle: dpa

Eigentlich dürften die E.On-Aktionäre mit dem Energiekonzern ganz zufrieden sein. E.On zahlt seinen Anteilseignern für das Geschäftsjahr 2014 immerhin eine Dividende von 50 Cent pro Stück. Das entspricht einer Summe von rund einer Milliarde Euro und einer Ausschüttungsquote von immerhin 60 Prozent. Zwar lag die Dividende im Vorjahr noch bei 60 Cent pro Aktie. Doch bei der angespannten Geschäftslage, in der sich der Energieversorger befindet, gibt’s da nicht viel zu meckern:  E.On erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von 3,2 Milliarden Euro – das ist das dickste Minus seit der Unternehmensgründung im Jahr 2000.

Das Ergebnis vor Steuern und Zinsen ging von 9,2 Milliarden Euro in 2013 auf 8,3 Milliarden Euro in 2014 zurück. Der Konzernüberschuss reduzierte sich auf 1,6 Milliarden Euro im Vorjahr nach 2,1 Milliarden in 2013.

Seit Jahren schon hat E.On mit der angespannten Lage auf den Energiemärkten zu kämpfen. Der Schritt, das konventionelle Kraftwerksgeschäft von den erneuerbaren Energien und Energiedienstleistungen abzuspalten, kündigte E.On-Chef Teyssen im vergangenen November als großen Befreiungsschlag an.

 

Eckpunkte aus E.Ons Bilanz 2015

Genau dagegen wehren sich Aktionäre. Einen Gegenantrag will Helmut Alt auf der Hauptversammlung des Energieriesen E.On am kommenden Donnerstag in der Essener Grugahalle stellen. Der Professor, bekannt als strikter Gegner der Energiewende, will den Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens nicht entlasten. Grund: Alt ist gegen die Ausgliederung der konventionellen Kraftwerkssparte in ein eigenes Unternehmen, das im kommenden Jahr auch an die Börse gehen soll.

 

Auch der Dachverband der kritischen Aktionärinnen und Aktionäre will den E.On-Vorstand auf der Hauptversammlung nicht entlasten. Der Verband hält wie Alt ebenfalls nichts von der Aufteilung des Energieversorgers in einen „grünes“ Unternehmen, das sich auf das Geschäft mit erneuerbaren Energien konzentrieren soll, während die konventionellen Kraftwerke in eine zweite Firma abgespalten werden. Die kritischen Aktionäre allerdings werfen E.On vor, sich mit diesem Schritt aus der Verantwortung für den Rückbau und die Endlagerung der radioaktiven Abfälle stehlen.

 

Tatsächlich muss E.On-Chef Teyssen den Aktionären auf der Hauptversammlung klarer machen, was genau der Konzern mit „Uniper“ vorhat. So soll das neue Unternehmen heißen, in das der Energieversorger ab Januar 2016 sein Geschäft mit konventionellen Kraftwerken bündelt. Auch räumlich werden die beiden Energiekonzerne ab Anfang 2016 getrennt sein. Die neue „grüne“ E.On wird nach Essen umsiedeln. Die Kraftwerksfirma bleibt in Düsseldorf. E-On-Chef Teyssen selbst wird das Geschäft mit Ökostrom führen.

In Arbeit
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Welche Zukunft hat dieses Unternehmen, in das E.On all das packen will, was seit der Energiewende kaum Chancen auf Wachstum und Gewinn hat: Kohle- und Gaskraftwerke sowie Atomkraftwerke? Welchen Auftrag hat Klaus Schäfer, noch Finanzvorstand von E.On, und zukünftiger Uniper-Chef? Hat das Unternehmen überhaupt eine Überlebenschance? Mit konkreten Antworten darauf wird der Energieriese auf der Hauptversammlung kaum aufwarten. Noch ist die Aufspaltung des Konzerns auch noch nicht vollzogen. Erst im zweiten Halbjahr 2015 will E.On die genauen rechtlichen Voraussetzungen für die Aufspaltung von zig Geschäftseinheiten schaffen. Erst zur Hauptversammlung im Juni 2016 soll dann die Abspaltung der Geschäftsanteile abgesegnet werden.

 

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