E.On in den roten Zahlen Zweifel an den Aufspaltungs-Plänen

Die Aufspaltung in zwei Konzerne ist die Antwort des Energieriesen E.On auf die Energiewende. Doch das Vorhaben hinterlässt tiefe Spuren in der Bilanz. Ist der Plan möglicherweise ein Fehler, fragen Skeptiker inzwischen.

Deutschlands größter Energiekonzern Eon verbucht einem Zeitungsbericht zufolge wegen der abgestürzten Börsenstrompreise Rekordverluste. Quelle: dpa

Kurz vor der geplanten Aufspaltung in einen grünen und einen konventionellen Konzern muss der Energieriese E.On erneut schmerzhafte Milliarden-Abschreibungen vornehmen. Das „Handelsblatt“ berichtete am Dienstag unter Berufung auf Konzernkreise von einem Rekord-Fehlbetrag für die ersten neun Monate von mehr als fünf Milliarden Euro vor allem wegen Abschreibungen auf Kraftwerke.

Bestätigt wurden diese Zahlen vor der Quartalsbilanz vom Mittwoch nicht. Das Unternehmen hatte aber bereits Anfang September für das Herbstquartal einen Wertberichtigungsbedarf „in der Größenordnung eines höheren einstelligen Milliarden Euro Betrages“ angekündigt. Der Bericht scheint also plausibel. E.On muss damit wohl Buchverluste hinnehmen, wie es sie in der Geschichte des 2000 gegründeten Unternehmens noch nie gab.

Das lässt die Skepsis an dem Kurs von E.On-Chef Johannes Teyssen wachsen, der Ende 2014 in einem spektakulären Coup die Abspaltung des konventionellen Teils von E.On ab 2016 angekündigt hatte. Inzwischen sind die Vorbereitungen weit gediehen: Das neue Unternehmen namens Uniper mit Hauptsitz in Düsseldorf wird rund 14 000 Mitarbeiter haben. Vorstandschef wird der frühere E.On-Finanzchef Klaus Schäfer. Sogar das Logo steht fest - blau wie beim Hauptkonkurrenten RWE. Aber wie soll die neue Firma Geld verdienen, wenn ihr wichtigstes Geschäft konventionelle Kraftwerke sind, die derzeit vielfach rote Zahlen schreiben, fragen Skeptiker.

„Was ändert sich denn an der Ertragslage der Gesellschaft, wenn man sie in eine neue Struktur packt?“, sagte Aktionärsvertreter Thomas Hechtfischer von der Deutsche Schutzvereinigung für den Wertpapierbesitz (DSW). „Aus meiner Sicht ändert sich nichts - das wird das Problem der Kraftwerke nicht lösen.“

Der Strompreisverfall an der Börse hat Deutschlands größten Energiekonzern fest im Griff. Schon 2014 hatte E.On wegen Kraftwerksabschreibungen einen Fehlbetrag von 3,2 Milliarden Euro verbucht. Die gesamte Branche leidet unter dem dramatischen Rückgang der Preise im Stromgroßhandel, weil immer mehr erneuerbare Energie hinzukommt. Der Anteil von Wind, Sonne und Biomasse steuert auf ein Drittel des deutschen Gesamtverbrauchs zu. Gleichzeitig haben sich die Börsenstrompreise in nur vier Jahren halbiert und sinken voraussichtlich weiter.

Die künftige E.On-Struktur

Ein großer Vorzug der Spaltungspläne aus Sicht von E.On bestand auch darin, dass Uniper die Atomkraftwerke und die Verantwortung für ihren Rückbau - natürlich einschließlich der Rückstellungen dafür - übernehmen sollte. Manche sahen darin sogar den Hauptgrund für die Konstruktion. Von den Grünen kam Kritik, der Atomkonzern wolle sich mit der Aufspaltung aus seiner langfristigen Verantwortung davonstehlen. Nach heftiger politischer Debatte musste E.On im September zurückrudern und kündigte an, die Atomkraftwerke beim Hauptkonzern zu behalten. Das war nach Meinung vieler Beobachter bereits ein großer Rückschlag für Teyssens Strategie.

Jetzt kommen die schlechten Zahlen dazu. Wenn E.On im Frühsommer 2016 der Hauptversammlung die Aufspaltungspläne zur Zustimmung vorlegt, rechnet Aktionärsvertreter Hechtfischer deshalb mit viel Kritik. „Da fliegen die Fetzen.“ Und E.On stehe unter Druck, weil es die Aufspaltung de facto ja längst gestartet hat.

E.On-Konkurrent RWE musste sich im zu Ende gehenden Jahr viel Kritik anhören, weil der Chef der Essener, Peter Terium, am bisherigen Modell mit schwarzer und grüner Energie unter einem Dach festhält. Terium, dem gelernten Controller, fehle der Mut zum Angriff und zu durchgreifenden Veränderungen, hieß es immer wieder. Möglicherweise führt aber genau diese zurückhaltendere Strategie zum Erfolg, sagt ein Beobachter.

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