E.On, Innogy und RWE Betriebsbedingte Kündigungen „praktisch ausgeschlossen“

Innogy Quelle: dpa

E.On will bei der Übernahme des Netz- und Vertriebsgeschäfts von Innogy rund 5000 Stellen streichen. Das soll nach einer Vereinbarung mit Arbeitnehmervertretern nun aber ohne betriebsbedingte Kündigungen geschehen.

E.On-Chef Johannes Teyssen ist bei der geplanten Übernahme der RWE-Tochter Innogy einen großen Schritt auf die Mitarbeiter zugegangen. "Betriebsbedingte Beendigungskündigungen werden praktisch ausgeschlossen", hieß es in einer Grundsatzerklärung, die die Spitzen von E.On, RWE und Innogy am Freitag mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE sowie den Betriebsräten unterzeichneten. Teyssen hatte sich bislang geweigert, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. E.On will bei der Übernahme rund 5000 der dann insgesamt über 70.000 Jobs streichen.

E.On und RWE bestätigten die Einigung, wollten diese aber nicht näher kommentieren. Auch von Innogy gab es zunächst keine Stellungnahme. Vor allem die Innogy-Mitarbeiter fürchten, bei der Zerschlagung ihres Konzerns die Zeche zahlen zu müssen.

Nun sollen die bisherigen Schutzregeln erstmal weiter gelten. "Die Beteiligten haben sich ferner darauf geeinigt, dass die bestehenden tariflichen und betrieblichen Regelungen bis auf weiteres fortgelten", berichteten die Gewerkschaften. Für E.On und Innogy soll ein neuer Tarifvertrag vereinbart werden, um eine faire und gleiche Behandlung aller unabhängig von ihrer Betriebsherkunft sicherzustellen. Verdi-Chef Frank Bsirske bezeichnete die Einigung als einen "Meilenstein für die soziale Absicherung der Beschäftigten in allen beteiligten Unternehmen". Der Tarifvorstand der IG BCE, Ralf Sikorski, sagte, das Ergebnis bestätige die gute Zusammenarbeit der Sozialpartner in den Unternehmen.

E.On hat mit RWE die Zerschlagung von Innogy vereinbart. Im Zuge der Transaktion übernimmt E.On knapp 77 Prozent der Innogy-Anteile von RWE. Danach soll E.On bis Ende kommende Jahres das Netz- und Vertriebsgeschäft von Innogy übernehmen. RWE bekommt das Ökostromgeschäft von Innogy und das von E.On. Insbesondere bei Überschneidungen im Vertrieb und der Verwaltung könnte E.On-Chef Teyssen den Rotstift ansetzen. Zudem könnten Standorte aufgegeben werden. Sauer stößt den Innogy-Beschäftigten zudem auf, dass Teyssen den Erhalt des Markennamens nicht garantiert.

"Ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden", sagte das Mitglied des Verdi-Bundesvorstands, Andreas Scheidt, der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich hoffe, dass mit der Vereinbarung die Sorgen der Mitarbeiter zerstreut werden", fügte Scheidt hinzu, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef von E.On ist. "Wir wollen jetzt möglichst rasch Tarifverhandlungen beginnen. Diese sollen vor der Verschmelzung von E.On und Innogy abgeschlossen werden."

Mitarbeiter von Innogy befürchten auch, dass es zu Standortschließungen kommen könnten. Diese Befürchtung ist nicht vom Tisch, allerdings kann das Management das nicht im Alleingang beschließen. "Bei möglichen Standortschließungen oder -verlagerungen verpflichten sich die Unternehmen, mit den zuständigen Mitbestimmungsgremien Gespräche zu führen", hieß es in der Erklärung. Innogy-Chef Uwe Tigges äußerte sich zunächst nicht. Für das Unternehmen unterzeichnete Personalvorstand Arno Hahn das Papier. Tigges hatte angekündigt, sich am Montag im Zuge der Zahlen zum ersten Quartal zu dem Fall zu äußern. Vorstand und Aufsichtsrat hatten am Donnerstag den Aktionären keine Empfehlung für das E.On-Angebot gegeben. Sie verwiesen auf die Unsicherheit für die Beschäftigen und Geheimklauseln zwischen RWE und E.On, die eine Beurteilung der Angebotshöhe unmöglich machten.

So haben die Konzerne etwa Regelungen getroffen, damit der Innogy-Anteil am tschechischen Gasnetzbetreiber in ihren Händen bleibt. Neben der australischen Investmentbank Macquarie hatte der tschechische Investor KKCG Interesse angemeldet. Der Investor teilte am Freitag mit, Innogy ein Angebot für alle seine Assets in dem Land vorgelegt zu haben. Innogy und RWE wollten dies nicht kommentieren.

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