E.On und RWE fürchten um Investor Kohle wird für Energieversorger zum Problem

Dass der Staat will den CO2-Ausstoß der Kohlekraftwerke deckeln will, gefällt den Energiekonzernen nicht besonders. Jetzt überlegt auch ein mächtiger Investor, aus dem Kohlegeschäft auszusteigen.

Der schwedische Vattenfall-Konzern will aus dem deutschen Kohlegeschäft aussteigen – das könnte jetzt der norwegische Staatsfonds nachmachen Quelle: dpa

Erst will der Wirtschaftsminister bei dem CO2-Ausstoß der Kraftwerke stärker sparen, jetzt stellt sich womöglich ein Investor quer: Die Kohlekraftwerke werden für die deutschen Energieriesen E.On und RWE zunehmend zu einem Problem. Bis 2020 will Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel gegen den Widerstand der Stromkonzerne zusätzlich 22 Millionen Tonnen CO2 beu Kraftwerken einsparen. Bis Sommer 2015 soll das Gesetz stehen. Dem Entwurf zufolge dürfen die Unternehmen flexibel entscheiden, wie sie von 2016 bis 2020 jährlich 4,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Während sich der Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) gegen die von Berlin geplante Deckelung der Kraftwerksemissionen noch wehrt, sind die Energiekonzerne an einer anderen Stelle machtlos: Einem Medienbericht zufolge überdenkt der norwegische Staatsfonds seine Investments bei Firmen aus der Öl-, Gas- und Kohlebranche. Aus ethischen Gründen, wie es in der Online-Ausgabe des „Manager Magazin“ heißt.

Neuausrichtung - So steht es um die Energiekonzerne

An beiden deutschen Unternehmen hält der Staatsfonds jeweils knapp über zwei Prozent, was die Norweger bei RWE zum zweitgrößten Investor (Wert des Aktienpakets: 340 Millionen Euro) und bei E.On zum drittgrößten Investor (592 Millionen Euro) macht. Ein Ausstieg wäre für beide Unternehmen schmerzhaft. Deutlich stärker als die kurzfristige Delle des Aktienkurses dürfte die Chefetagen in Essen und Düsseldorf allerdings die Signalwirkung schmerzen, die von dem möglichen Ausstieg des Staatsfonds ausgehen würde. Für zahlreiche kleinere Fonds und Anleger sind die Norweger ein Vorbild – dem sie auch bei E.On und RWE folgen könnten.

Vollständiger Ausstieg ist unwahrscheinlich

Im Falle von E.On kommt dazu, dass die norwegische Regierung noch vor dem Staatsfonds auf Rang zwei der Investoren liegt. Sollte Oslo wirklich konsequent umdenken, müsste nicht nur der Staatsfonds, sondern auch die Regierung ihren 818-Millionen-Euro-Anteil verkaufen.

Zudem gefällt zahlreichen Analysten die zunehmende staatliche Regulation des Energiesektors – wie von Wirtschaftsminister Gabriel – nicht. Bei einer immer schärfer werdenden Beschneidung von CO2-Emissionen rechnet sich das klimaschädliche Geschäftsmodell von Gas- und Kohlekraftwerken ab einem gewissen Punkt nicht mehr. Die meisten Investoren wollen diesen Punkt auf keinen Fall verpassen.

Ein vollständiger Rückzug der Norweger ist laut Experten allerdings unwahrscheinlich. Würde der Staatsfonds sein gesamtes Energieinvestment von rund 35 Milliarden Euro komplett abziehen, würde eine Schockwelle durch die internationale Energiebranche jagen. Daran hat Norwegen aber kein Interesse, da der Staatskonzern Statoil selbst prächtig an den Öl- und Gasvorkommen vor der eigenen Küste verdient.

Würde der Staatsfonds die Öl- und Gasgeschäfte ausklammern und sich auf die für Norwegen unwichtige Kohle beschränken, hätte von den deutschen Energieversorgern nur noch RWE ein Problem: Bei den Essenern macht Kohlestrom etwa 62 Prozent der erzeugten Energie aus. Bei E.On ist es nur rund ein Viertel. Noch ist aber vollkommen offen, ob die beauftragten Gutachter dem Staatsfonds einen Ausstieg empfehlen oder nicht.

Wo der Strom herkommt
BraunkohleNoch immer der mit Abstand bedeutendste Energieträger Deutschlands: Im Jahr 2013 ist die klimaschädliche Stromproduktion aus Braunkohle auf den höchsten Wert seit 1990 geklettert. Mit 162 Milliarden Kilowattstunden macht der Strom aus Braunkohlekraftwerken mehr als 25 Prozent des deutschen Stroms aus. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hervor. Quelle: dpa
SteinkohleAuch die Stromproduktion in Steinkohlekraftwerken stieg im Jahr 2013 – um 8 Milliarden auf mehr als 124 Milliarden Kilowattstunden. Damit ist Steinkohle der zweitwichtigste Energieträger und deckt fast 20 Prozent der deutschen Stromproduktion ab. Vor allem Braun- und Steinkohle fangen also offenbar den Rückgang der Kernenergie auf. Quelle: dpa
Kernenergie Die Abschaltung von acht Atomkraftwerken macht sich bemerkbar. Nur noch 97 Milliarden Kilowattstunden stammten 2013 aus Kernerenergie, drei weniger als im Vorjahr. Das sind allerdings noch immer 15 Prozent der gesamten Produktion. Damit ist Atomstrom nach wie vor die drittgrößte Energiequelle. Quelle: dpa
ErdgasDie CO2-arme Erdgasverbrennung ist - anders als Kohle - wieder rückläufig. Statt 76 Milliarden kamen im vergangenen Jahr nur noch 66 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Erdgaskraftwerken. Das sind gerade mal zehn Prozent der Stromproduktion. Dabei war Erdgas vor drei Jahren schon einmal bei 14 Prozent. Quelle: dpa
WindkraftDer größte erneuerbare Energieträger ist die Windkraft. Mit 49,8 Milliarden Kilowattstunden in 2013 ist sie allerdings leicht Rückläufig. Insgesamt steigt der Anteil der erneuerbaren Energien jedoch stetig. Zusammengenommen produzierten sie 23,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: dpa
BiomasseFast genauso viel Strom wie aus Windkraft stammte aus Biomasse. Die Produktion stieg auf 42 Milliarden Kilowattstunden. Damit steht Biomasse auf Platz sechs der bedeutendsten Energieträger. Quelle: ZB
PhotovoltaikEs reicht zwar nur für knapp fünf Prozent der deutschen Stromproduktion, aber Solarenergie ist die mit Abstand am schnellsten wachsende Energieform. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland noch gar keinen Sonnenstrom. Und seit 2007 hat sich die Produktion auf 28,3 Milliarden Kilowattstunden in 2013 beinahe verzehnfacht. Quelle: dpa
Sonstige Immerhin vier Prozent der Stromproduktion stammen aus den sogenannten sonstigen Energieträgern. Dieser Wert ist seit Jahren relativ konstant. Dahinter verbergen sich vor allem verschiedene Gase wie Grubengas, Kokerei- und Hochofengas aber auch zum Beispiel Klärschlamm. Quelle: dpa
WasserAuch Wasserkraft ist seit Jahren verhältnismäßig konstant, wenn auch in 2013 minimal rückläufig. Etwa 21 Milliarden Kilowattstunden wurden in Wasserkraftwerken produziert, das entspricht 3,4 Prozent des deutschen Stroms. Quelle: AP
MineralölEin wichtiger Energieträger, in der Stromproduktion jedoch recht unbedeutend: Öl. Gerade einmal 7 Milliarden Kilowattstunden Strom stammten 2013 aus der Verbrennung von Mineralölprodukten. Das ist etwa ein Prozent des produzierten Stroms, vor 20 Jahren waren es noch zwei Prozent. Quelle: dpa
HausmüllMit fünf Milliarden Kilowattstunden trägt die Verbrennung von Hausmüll auch noch ein kleines Scherflein bei. Der Anteil des Stroms aus Müllverbrennung steigt seit Jahren stetig aber langsam – von 0,4 auf 0,8 Prozent in den letzten zehn Jahren. Quelle: dpa

Derweil zieht E.On-Chef Johannes Teyssen einen Schlussstrich unter den Expansionskurs seines Vorgängers Wulf Bernotat. Der Energiekonzern steht einem Pressebericht zufolge kurz vor einer Einigung über den Verkauf seines spanischen Geschäfts. Favorisierter Käufer sei die australische Macquarie Bank, schreibt die „Rheinische Post“ unter Berufung auf Branchenkreise. Der E.On-Aufsichtsrat stehe auf Abruf bereit, um in den nächsten Tagen das Geschäft zu genehmigen. E.On Spanien wird dem Vernehmen nach mit gut zwei Milliarden Euro bewertet und beschäftigt 1200 Mitarbeiter. Macquarie hatte vor zwei Jahren bereits das Ferngasnetz von E.On übernommen.

2007 hatte der Energiekonzern nach einer Bieterschlacht mit dem italienischen Enel-Konzern Teile des spanischen Energieversorgers Endesa sowie Kraftwerke in Frankreich und Italien für insgesamt 11,5 Milliarden Euro übernommen. Die Italien-Tochter steht ebenfalls zum Verkauf – doch hier kommt E.On offenbar nicht wie geplant voran. Zuletzt war die Rede von sieben ernsthaften Interessenten – darunter der französische Atomkonzern EDF und der italienische Versorger Enel. Auch das Italien-Geschäft soll mit rund zwei Milliarden Euro bewertet sein. Eine E.On-Sprecherin wollte den Bericht nicht kommentieren.

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