E.On Von der Energiewende ausgebremst

Der Düsseldorfer Energiekonzern kämpft immer noch gegen die Schwierigkeiten des Atomausstiegs. Sein Heil sucht der Konzern aber nicht in Deutschland.

Der Energieversorger E.On kämpft weiter mit den Schwierigkeiten des Atomausstiegs. Quelle: dpa

Was waren das für Zeiten! Alle 17 Kernkraftwerke in Deutschland liefen unter Volllast und bescherten ihren Betreibern Milliardengewinne. Da konnte man es sich locker leisten, da und dort ein Windrad aufzustellen, um das Ökobewusstsein unter Beweis zu stellen. Auch die Wasserkraftwerke, einst waren sie E.Ons ganzer Stolz, liefen mit Hilfe der Kernkraft profitabel. Atomstrom pumpte das Wasser auf die Höhen, und wenn es dann wieder talwärts rauschte, trieb es Turbinen an, die wiederum Energie produzierten. Dieses sehr bequeme System steht symbolisch für die damals paradiesischen Zeiten der Energiewirtschaft mit den schier unerschöpflichen Gewinnquellen.

Mit welchen Problemen E.On zu kämpfen hat
Knappe KassenE.On braucht Geld, und zwar dringend. 2011 hat E.On in Folge des Atomausstiegs erstmals in seiner Firmengeschichte ein Geschäftsjahr mit Verlust abgeschlossen, ein Minus von rund 1,9 Milliarden. Noch im Vorjahr hatte der Konzern einen Gewinn von 6,2 Milliarden Euro verbucht. 2012 schaffte es Konzernchef Teyssen wieder einen Nettoüberschuss von 4,3 Milliarden zu erwirtschaften. Für 2013 rechnet der Vorstand annähernd mit einer Halbierung dessen. Nur noch 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro sollen hängen bleiben. Quelle: dapd
Investition in SchwellenländerRaus aus Europa und rein die Schwellenländern. Was E.On mit dem Verkauf seiner Beteiligungen einnimmt, soll in die Energiewirtschaft in Brasilien, Indien und der Türkei reinvestiert werden. Im Dezember hat E.On. durch einen Anteilstausch mit der österreichischen Verbund AG die Hälfte des türkischen Stromerzeugers Enerjisa übernommen. Im Gegenzug erhielt die Verbund AG Anteile an bayerischen Wasserkraftwerken. Mit dem Einstieg in der Türkei mache E.on einen
Schleppendes GasgeschäftDer russische Vorlieferant Gazprom lässt E.On zappeln und hält die Langfristpreise hoch. Zwar erzielten E.On-Manager ein kurzfristig geltende Vereinbarung, die Linderung der Gaspreise versprach, eine Dauerlösung stellt dies jedoch nicht dar, da sich die Russen die permanente Überprüfung seiner Preisnachlässe vorbehalten hat. Quelle: dpa/dpaweb
Kostspielige WindparksE.On ist derzeit der weltweit drittgrößte Betreiber von Offshore-Windkraftanlagen und investiert zwei Milliarden in drei neue Projekte - Amrumbank West, Humber Gateway vor der britischen Küste und Karehamn in Schweden. Insgesamt sind E.On die Kosten für die Offshore-Parks zu hoch, bis 2015 sollen sie um 40 Prozent sinken. E.On will günstiger bei den Lieferanten einkaufen, leistungsfähigere Windkraftanlagen einsetzen und bei der Projektierung und beim Bau der Parks sparen. E.On-Chef Johannes Teyssen hat angekündigt, beim Ausbau des Ökostromgeschäfts verstärkt auf Kooperationen zu setzen. Der Konzern müsse nicht jede Anlage komplett besitzen. Quelle: dpa
Lohnforderungen und StreiksImmerhin an einer Front gibt es positives zu berichten. Am 6. Februar 2013 haben sich die Gewerkschaften mit der E.On-Führung geeinigt. Die 30.000 E.On-Beschäftigten in Deutschland wollten ursprünglich 6,5 Prozent mehr Lohn - jetzt gibt es rückwirkend zum 1. Januar 2013 2,8 Prozent mehr plus eine Einmalzahlung von 300 Euro. Das erste Angebot von E.On hatte bei 1,7 Prozent gelegen. Quelle: dpa
Verlustgeschäft GaskraftwerkeDie hochmodernen Gaskraftwerke im bayerischen Irsching sind extrem unterfordert. Nur 2.000 Betriebsstunden erreichten sie im Jahr, das ist weniger als ein Viertel der Gesamtkapazität. Unter solchen Umständen sind Gaskraftwerke für E.On nicht mehr gewinnbringend zu betreiben. Auch die kommunalen Mitgesellschafter drängten aus den Gaskraftwerken heraus, weil die klammen Kommunen Verluste ihrer Beteiligungen befürchten. Quelle: dpa
Unerwünschte BeteiligungenE.On will sich von zahlreichen Beteiligungen in Deutschland und Europa trennen, um Geld in die Kassen zu spülen. Geschäfte im Wert von 15 Milliarden Euro will der Energieriese verkaufen. Die Tochter E.On Thüringer Energie ging zu 43 Prozent an den dortigen Kommunalverband, E.On hält noch zehn Prozent, will aber auch dieses Restpaket loswerden. Die Transaktion ist eingebettet in eine strategische Abwurfaktion. E.On will drei der derzeit sieben deutschen Regionalversorger abstoßen. E.On Westfalen-Weser ist in Verkaufsverhandlungen, auch E.On Mitte soll vom Düsseldorfer Konzern abgetrennt werden. Insgesamt sollen die Trennung von den Regionalversorgern zwei bis drei Milliarden Euro bringen, schätzen Energie-Analysten. Quelle: dpa

Die Zeiten sind vorbei. Seit der Energiewende fallen die Gewinne der Atommeiler zur Hälfte weg, Tendenz fallend. 2022 wird der letzte Meiler abgeschaltet. Die großen Versorger, auch E.On, müssen sich etwas Neues einfallen lassen. Der Einbruch wird bei E.On im ersten Quartal des Geschäftsjahres besonders schmerzlich: Der Konzern verdiente in den ersten drei Monaten um Sondereffekte bereinigt 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Immerhin waren es 1,4 Milliarden Euro. E.On hat wie einige Konkurrenten Schwierigkeiten, seine Kraftwerke profitabel zu betreiben. Das trifft vor allem auf Gaskraftwerke zu, die einst so hochgelobten, "sauberen" Stromproduzenten.

E.On nach 20 Monaten Energiewende

Sein Heil sucht E.On nicht in Deutschland, sondern im Ausland. Weit weg vom Kontinent, vor allem in Brasilien und demnächst auch in Indien, will E.On zusammen mit Partnern Energieunternehmen gründen, die den hohen Energiebedarf der Schwellenländer decken können. Doch hat E.On in der Anfangsphase Pech mit seinem Partner in Brasilien.

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Aus purer Not musste E.On Anteile des Partnerunternehmens dazukaufen, obwohl dies eigentlich nicht vorgesehen war. Einmal mehr bestätigte sich die dunkle Vorahnung des E.On-Chef Johannes Teyssen: "Auf E.On wartet niemand".

Der Konzern muss sich schon allein am Schopfe aus dem Sumpf der Energiewende ziehen, wenn er so profitabel, stolz und mächtig sein will wie einst.

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