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EnBW Schwäbische Minusgeschäfte ohne Hoffnung

Der baden-württembergische Stromversorger EnBW hält der Energiewende nicht stand.

Hans-Peter Villis, Vorstandschef von EnBW, muss einräumen, dass der Atomausstieg den Energiekonzern in große Schwierigkeiten gebracht hat. Quelle: dpa

Der noch bis Herbst amtierende EnBW-Chef Hans-Peter Villis musste heute tiefrote Zahlen einräumen: Ein Minus von 867 Millionen Euro fuhrt der Stromversorger mit seinen vier Atomkraftwerken im vergangenen Jahr ein. Das Dramatische an der Pressekonferenz heute morgen, Villis sieht keine Besserung: „Diese Situation wird sich auch in den kommenden Jahren nicht wesentlich bessern“, sagte der Manager, für den das seine letzte Bilanzpressekonferenz für die EnBW war.

Es wird sogar immer schlimmer, glaubt man den Worten von Villis. In den kommenden Jahren würden die Gewinne weiter sinken, in einem Umfang von 10 bis 20 Prozent. Kein Land in Sicht, heißt die Devise. Die Energiewende, der Ausstieg aus der Kernenergie in Schritten bis 2022 hat der EnBW mit ihrer hohen Atomlastigkeit fast schon die Lebensgrundlage entzogen.

Die Sparpläne der Versorger
Wie die Energiekonzerne sparen wollen Quelle: dpa
RWE will jetzt auch bei den Gehältern seiner leitenden und außertariflichen Angestellten sparen. Das Unternehmen strebe für 2014 eine Nullrunde bei dieser Personengruppe an, sagte eine Unternehmenssprecherin am 29. November. Betroffen seien über 6000 Mitarbeiter in Deutschland, europaweit sogar 16.000 Beschäftigte. In einem internen Schreiben kündigte der RWE-Vorstand nach Angaben der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ an, diesem Mitarbeiterkreis 2014 „keine generelle Gehaltserhöhung zu gewähren“. Hintergrund sei die schwache Ertragskraft des Konzerns, die 2014 zu einem deutlichen Ergebnisrückgang führen werde. Neben den Aktionären, die für 2013 eine halbierte Dividende hinnehmen müssen, sollten alle Beschäftigten „ihren Beitrag zur langfristigen Sicherungen der Finanzkraft leisten“. Durch die Maßnahme will der Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag sparen. Quelle: dpa
Angesichts der düsteren Aussichten auf dem deutschen Energiemarkt sollen bis 2016 weitere 6750 Stellen wegfallen oder durch Verkauf abgegeben werde, 4750 davon in Deutschland. Terium will auch auf Management-Ebene über Gehaltskürzungen sprechen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es soweit möglich nicht geben. RWE setzte auf die konzerninterne Jobbörse, Altersteilzeit und die natürliche Fluktuation. Den bis Ende 2014 garantierten tariflichen Kündigungsschutz will Terium angesichts der Lage nicht verlängern. Von 2011 bis Ende 2013 hat RWE bereits 6200 Stellen abgebaut oder durch Verkauf abgegeben. Der neue Abbau trifft vor allem die Kraftwerkssparte mit 2300 Stellen. Im Rahmen des Effizienzprogramms „RWE 2015“ fallen 2400 Stellen weg, und durch den geplanten Verkauf der Ölfördertochter Dea weitere 1400 Stellen. Auch die Tochter für erneuerbare Energien RWE Innogy speckt ab - 250 Stellen gehen verloren. Zum Jahresende 2013 verringert sich die Zahl der Stellen von 67.400 auf knapp 61.000. Ende 2011 arbeiteten noch 72.000 Menschen für RWE. Quelle: dpa
Bei RWE greifen mittlerweile mehrere Spar- und Effizienzprogramme ineinander. Im Rahmen des Programms RWE 2015 will Terium bis Ende des kommenden Jahres 1 Milliarde Euro einsparen. Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken, mittlerweile ist von über 10.000 Stellen die Rede. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Nun legte Chef Peter Terium nochmals nach (siehe vorangegangenes Bild). Quelle: dpa
Besonders betroffen ist die Kraftwerkstochter RWE Generation. Im Rahmen des Programms NEO sollen die Kosten hier jährlich um 750 Millionen Euro gesenkt werden. Die Kraftwerkstochter soll 3000 Stellen streichen. Die Sparte hat derzeit 18.000 Beschäftigte. Im Rahmen des Atomausstiegs hat RWE bereits das Kernkraftwerk Bibilis stillgelegt, Lingen, und Mülheim-Kärlich befinden sich im Rückbau. In Betrieb sind noch Emsland, Gundremmingen (75% Beteiligung) und Borssele (Niederlande, 30 % Beteiligung) Quelle: dapd
EnBWDer baden-württembergisch Energieversorger zieht aus seiner Ertragskrise weitere Konsequenzen und verkleinert den Vorstand von fünf auf vier Personen. Vorstand Dirk Mausbeck, bisher für Vertrieb und Marketing verantwortlich, wird mit Ablauf seines Vertrages am 30. September 2014 das Unternehmen verlassen. Seine Aufgaben übernimmt zum Teil Vorstandschef Frank Mastiaux (Foto). Die Sparten Handel und Verteilnetze sollen noch verteilt werden. EnBW kämpft in Folge der Energiewende mit schrumpfenden Erträgen. Mastiaux will den einst stark auf Atomkraft setzenden Konzern auf die Erzeugung von erneuerbarer Energie und auf neue Serviceangebote für die Strom- und Gaskunden trimmen. Dazu ist bereits ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt worden... Quelle: dpa
Um den Konzern effizienter zu machen, sollen Kerngesellschaften auf die EnBW AG verschmolzen und Tochtergesellschaften verkauft werden. Das im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Entlastung von 750 Millionen Euro bringen. Bis Ende 2014 werden 1350 Stellen bei EnBW gestrichen - das soll Einsparungen von rund 200 Millionen Euro bringen. Der Umbau soll sozialverträglich organisiert werden. Freie Stellen - vor allem in der Verwaltung - werden nicht neu besetzt, Altersteilzeitangebote umgesetzt und Abfindungen gezahlt. Vor dem Sparprogramm arbeiteten 21.000 Menschen für EnBW. EnBW hat im Zuge der Energiewende das Kernkraft Neckarwestheim bereits teilweise stillgelegt, das Werk Obrigheim befindet sich im Rückbau. Am Netz sind noch Philippsburg und Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung). Quelle: dpa

Eine bittere Erkenntnis für EnBW

Bisher lebte EnBW zu 50 Prozent vom Umsatz von den vier Atomreaktoren im Ländle, zwei davon sind nun abgeschaltet. Mit dem Neubau von Gaskraftwerken klappt es auch nicht, weil die Gasbezugspreise aus Russland viel zu hoch sind. Einzig allein in Düsseldorf hat sich EnBW mit seiner Beteiligung, der Düsseldorfer Stadtwerke, erst vor kurzem zum Bau eines Gaskraftwerks entschieden. Doch diese wird wegen der Rohstoffunsicherheit wirtschaftlich auf unsicherem Grund stehen. Das ist eine bittere Erkenntnis vor allem für die Eigentümer von EnBW, je zu 46 Prozent die oberschwäbischen Kommunen und das grünrot regierte Land Baden-Württemberg.

Für den Nachfolger von Villis, der bis jetzt noch nicht feststeht, wird es ein steiniger Weg, EnBW aus der Dauerkrise, die für den Versorger im industrialisierten Süden Deutschlands eine unbewältigte Strukturkrise ist, heraus zu steuern. Insider vermuten, dass der Konzern unter diesen Bedingungen – Ablehnung von Windrädern in der Schwarzwald-Landschaft, hohe Kosten und der bisher nicht gesicherte Transportweg von Strom aus Offshore-Parks ins Ländle – in der bisherigen Form keine Zukunft mehr haben kann. Fällt EnBW auseinander?

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Die EnBW-Manager suchen verstärkt nach Kooperationen mit Stadtwerken, wollen das Risiko verteilen und sind auf starke, kleinere Partner aus. Das kann zur Folge haben, dass die EnBW wieder in ihre Einzelteile zerbricht und als Stadtwerkevereinigung in Baden-Württemberg die lokale Versorgung in kleinen Einheiten sichert.

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