EnBW Villis' Gang in die Wüste

Der EnBW-Chef muss seinen Chefsessel räumen – sein Managementstil erschien den staatlichen und kommunalen Eignern als nicht mehr glaubwürdig.

EnBW-Chef Hans-Peter Villis muss seinen Sessel räumen. Quelle: dpa

Für EnBW-Chef Hans-Peter Villis ist die Karriere beim baden-württembergischen Versorger bald beendet, sein Vertrag wird nicht verlängert. Die Nachricht schlug wie eine Bombe in Politik und Wirtschaft ein, nicht jedoch in der Energiewirtschaft, die zur Zeit mit Umbrüchen, Ablösungen und Krächen nur so gepiesackt wird.

Und trotzdem horchte die Energiewirtschaft am heutigen Dienstag erstaunt auf. Man hatte es Villis zugetraut, die Energiewende zwischen den Klippen grünroter Landes- und pechschwarzer Kommunalpolitik in Baden-Württemberg doch noch gerade so hinzukriegen und seinen Kopf zu retten. Denn Villis ist ein altgedienter Haudegen der Energiewirtschaft.

Der 53-Jährige blickt auf eine beachtliche Karriere bei kleinen und großen Strom- und Gasversorgern zurück. Seit Oktober 2007 führte er die baden-württembergische EnBW, als er dort startete, gehörte die EnBW noch dem französischen Versorger EdF und den schwäbischen Kommunen – und Villis, im Atomkonzern E.On vormals Viag und Veba großgeworden, zeigte seinen eigenen Stil.

Unbeugsamer Befürworter der Atomkraft

Villis profilierte sich in dem Energieunternehmen, das mit seinen vier Kernkraftwerken zu 50 Prozent vom Atomstrom abhing, als konsequenter und unbeugsamer Befürworter der Meiler. Der früher auf Konsens mit den Mächtigen Gedrillte, unterzeichnete sogar einen sogenannten Energiewirtschaftlichen Appell im Herbst vergangenen Jahres.

Dieser stellte die Bundeskanzlerin Angela Merkel als zu zögerlich dar, die angeblich dringend notwendige Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Kernreaktoren durchzusetzen. Die Laufzeitverlängerung kam, doch auch das Unglück von Fukushima.

Und dann drehte sich die atompolitische Uhr anders herum. Villis Pro-Atom-Kurs erwies sich für den Versorger EnBW nach dem Ausstiegsbeschluss des Bundestages als Sackgasse – und für Villis ist es nun die Endstation bei EnBW.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%