Energie E.Ons schwierige Ausflüge ins Ausland

Der größte deutsche Energiekonzern hat wenig Glück mit seinen diversen Fluchtversuchen aus Deutschland: Die Krise in der Energiebranche hat E.On weiter fest im Griff.

Keine guten Zahlen bei Eon

Der Chef persönlich legt die Stirn in Falten. „Die Krise in der Ukraine verfolgen wir mit Sorge“. Doch gleichzeitiger Optimismus ist Pflicht bei E.On: „Wir gehen davon aus, dass wir weiterhin erfolgreich mit russischen Unternehmen zusammenarbeiten werden, sagt Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender von E.On anlässlich der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen.

Bei E.On läuft nicht alles rund. Aber zur Schwarzmalerei gibt es auch keinen Grund. Im Gegensatz zum Branchendritten EnBW schreibt E.On schwarze Zahlen. Und das ist in diesen Tagen ausgebremster Kohle- und Gaskraftwerke und Stilllegungsplänen schon fast eine Erfolgsmeldung. Der operative Gewinn schrumpfte um zwölf Prozent. Der für die Dividendenzahlung ausschlaggebende Gewinn („nachhaltiger Überschuss“) pendelte sich im ersten Halbjahr auf 1,5 Milliarden Euro ein. Soweit, so mittelprächtig.

Welche Dax-Konzerne vor allem im Ausland verdienen
Der Gesamtumsatz der DAX-30-Unternehmen legte zwischen 2008 und 2013 um 24 Prozent auf 1116 Milliarden Euro zu. Dabei steigen die im Ausland erzielten Erlöse um 33 Prozent auf 855 Milliarden Euro, während der Umsatz in Deutschland mit 261 Milliarden Euro lediglich um eine Milliarde über dem Wert von 2008 lag. Das geht aus einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervor. Die Dax-Konzerne mit den prozentual größten Auslandsanteilen am Gesamtumsatz sind... Quelle: REUTERS
Platz 10 (1): K + SUmsatz 2013: 3,9 Milliarden, davon 3,3 im Ausland Auslandsanteil: 84 %Nach dem Gesamtumsatz betrachtet ist der Kali- und Salz-Spezialist ein kleiner Fisch im Dax und schwimmt dazu derzeit in unsicheren Gewässern. Der Düngemittelhersteller K+S teilt sich den zehnten Platz im Ranking mit einem der größten deutschen Automobilhersteller... Quelle: dpa
Platz 10: BMWGesamtumsatz 2013: 76 Milliarden Euro, davon 64 im Ausland Auslandsanteil: 84%Auch die Münchener erreichen einen Auslandsumsatzanteil von 84 Prozent. Volkswagen hält absolut betrachtet zwar den Rekord beim höchsten Auslandsumsatz - gut 159 Milliarden Euro erwirtschafteten die Wolfsburger im Ausland und damit so viel wie kein anderer Dax-Konzern - doch in Relation zum Gesamtumsatz erreicht VW nur eine Quote von 81 Prozent Auslandsanteil. Quelle: dpa
Platz 9: SAPUmsatz 2013: 16,8 Milliarden Euro, davon 14,3 im Ausland Auslandsanteil: 85 %Hohe Auslandsquote, aber am Gesamtumsatz gemessen eines der kleineren Unternehmen im Dax. Die fünf stärksten Konzerne gemessen an ihrem absoluten Auslandsumsatz sind: Volkswagen, Daimler, E.On, BMW und BASF. Doch fahren diese Unternehmen auch im Relation zu ihrem Gesamtumsatz die meisten Erlöse im Ausland ein? Das Ranking gibt Aufschluss. Quelle: dpa
Platz 7 (8): SiemensUmsatz 2013: 75,9 Milliarden Euro, davon 65,1 im Ausland Auslandsanteil: 86 %Der Technologiekonzern aus München wollte zum weltweiten Infrastruktur-Spezialisten werden, diese Strategie funktionierte nicht. Siemens-Chef Joe Kaeser baut derzeit kräftig um und will explizit auch das Auslandsgeschäft neu strukturieren, um an alte Erfolge anzuknüpfen. Den 7. Platz teilen sich die Münchener mit... Quelle: dpa
Platz 7: HenkelUmsatz 2013: 16,2 Milliarden Euro, davon 14 im Ausland.* Auslandsanteil: 86 %Der Waschmittel -und Klebstoffkonzern aus Düsseldorf wächst vor allem in Asien. Chef Kasper Rorsted kündigte 2011 an, dass China bis 2015 zum zweitgrößte Markt für den Konzern werden solle. *Die im Geschäftsbericht unter Corporate ausgewiesenen Umsätze können keiner Region zugeordnet werden und gehen nicht in die Untersuchung ein. Quelle: dpa
Platz 6: BayerUmsatz 2013: 40,2 Milliarden Euro, davon 35,3 im Ausland Auslandsanteil: 88 %Der Pharma- und Chemiekonzern trumpft mit satten 88 Prozent Auslandsanteil auf. Konkurrent BASF (mit 59,5 Mio. Euro Auslandsumsatz die Top 5 gemessen am absoluten Umsatz), kommt dagegen nur auf 80 Prozent. Quelle: dpa

Aber die Kernbotschaft von heute Morgen ist eine andere: Lautet bei der Gewinnentwicklung die Devise „Middle of the Road“, ist der Ausflug ins Auslandsgeschäft, weit weg von Deutschland und von der bei Konzernmenschen wie Teyssen ungeliebten Energiewende, bisher wenig erfolgreich. In Russland bereitet die Schwäche des Rubels Sorgen. Außerdem schweben über dem Kraftwerksgeschäft von E.On in Putins Reich immer noch mögliche Auswirkungen von Sanktionen, die von der EU und den USA vorangetrieben werden.

Schwache Währung belastet

In den weiteren Schwellenländern schreibt E.On einen Verlust in Höhe von 35 Millionen Euro. Dabei muss man die Märkte im Ausland, E.Ons einstige Hoffnungsträger, differenziert betrachten: In der Türkei wird durch die Wiederwahl Erdogans das türkische Oligarchen-System gestärkt. Die Familie Sabanci, ein Kooperationspartner von E.On in der Türkei im Energiegeschäft, kann die Vorgaben von Erdogan mit Hilfe von E.On nun quasi ungestört weiter verfolgen; nämlich die Türkei von einem Energie-Importland zu einem Energie-Exportland umzuwandeln. Davon wird E.On in Zukunft profitieren, sofern die Semi-Demokratie in der Türkei weiterhin Bestand hat, was nicht alle Beobachter erwarten. Aktuell belastet die Schwäche der türkischen Lira das Türkei-Geschäft von E.On empfindlich.

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Auf diesem Gebiet ist Teyssen nichts vorzuwerfen. Die Währungsschwächen in den Schwellenländern ist ein Problem, dass alle deutschen Unternehmen zur Zeit belastet. Für einen Fluchtversuch aus Deutschland allerdings taugt am wenigsten Teyssens Investitionsland Brasilien. Dort fiel er auf den deutsch-brasilianischen Geschäftspartner Eicke Batista herein, mit dem sich die Blütenträume von neuen Kraftwerken nicht realisieren lassen.

Batista geriet in finanzielle Schwierigkeiten und Brasilien wurde für E.On bisher zum Zuschussgeschäft. Das ist die Achillesferse von Teyssen, der die Beziehungen zum Tausendsassa Batista beim Einstieg ins Brasiliengeschäft sehr persönlich gestaltete. Damit band er auch die Verantwortung des Brasilien-Abenteuers an sich, allerdings nach dem alten Batista-Grundsatz: „Wer als Unternehmer nicht wagt, der kann auch nicht gewinnen“. Oder auch manchmal verlieren. Bisher blieb der Schaden im Gesamtbild überschaubar.

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