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Energie Unternehmen drohen Lieferengpässe bei Gas und Strom

Exklusiv

Deutschen Unternehmen drohen bei anhaltenden Minustemperaturen Lieferengpässe bei Gas und Strom. Betroffen wären zunächst Großkunden in Süddeutschland.

Kavernengasspeicheranlage der Firma E.On Quelle: dapd

Dort bekamen erste Firmen den Mangel bereits jetzt zu spüren, nachdem der russische Gaslieferant Gazprom seinen Export in den vergangenen Tagen gedrosselt hatte, berichtet die WirtschaftsWoche. Weil der deutsche Verteiler Open Grid Europe den Weitertransport Richtung Süddeutschland daraufhin auf die vertraglich vereinbarte Mindestmenge reduzierte, musste die Gasversorgung Süddeutschland (GVS) ebenfalls die Belieferung ihrer Kunden einschränken.

In einem Schreiben bat das Unternehmen „dringend“ seine Abnehmer, „alle zur Reduzierung Ihres Bezugs aus dem Netz zur Verfügung stehenden Maßnahmen anzuwenden“. Das Unternehmen versorgt Stadtwerke und Regionalverteiler mit Gas.

Die Sparpläne der Versorger
Wie die Energiekonzerne sparen wollen Quelle: dpa
RWE will jetzt auch bei den Gehältern seiner leitenden und außertariflichen Angestellten sparen. Das Unternehmen strebe für 2014 eine Nullrunde bei dieser Personengruppe an, sagte eine Unternehmenssprecherin am 29. November. Betroffen seien über 6000 Mitarbeiter in Deutschland, europaweit sogar 16.000 Beschäftigte. In einem internen Schreiben kündigte der RWE-Vorstand nach Angaben der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ an, diesem Mitarbeiterkreis 2014 „keine generelle Gehaltserhöhung zu gewähren“. Hintergrund sei die schwache Ertragskraft des Konzerns, die 2014 zu einem deutlichen Ergebnisrückgang führen werde. Neben den Aktionären, die für 2013 eine halbierte Dividende hinnehmen müssen, sollten alle Beschäftigten „ihren Beitrag zur langfristigen Sicherungen der Finanzkraft leisten“. Durch die Maßnahme will der Konzern einen zweistelligen Millionenbetrag sparen. Quelle: dpa
Angesichts der düsteren Aussichten auf dem deutschen Energiemarkt sollen bis 2016 weitere 6750 Stellen wegfallen oder durch Verkauf abgegeben werde, 4750 davon in Deutschland. Terium will auch auf Management-Ebene über Gehaltskürzungen sprechen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es soweit möglich nicht geben. RWE setzte auf die konzerninterne Jobbörse, Altersteilzeit und die natürliche Fluktuation. Den bis Ende 2014 garantierten tariflichen Kündigungsschutz will Terium angesichts der Lage nicht verlängern. Von 2011 bis Ende 2013 hat RWE bereits 6200 Stellen abgebaut oder durch Verkauf abgegeben. Der neue Abbau trifft vor allem die Kraftwerkssparte mit 2300 Stellen. Im Rahmen des Effizienzprogramms „RWE 2015“ fallen 2400 Stellen weg, und durch den geplanten Verkauf der Ölfördertochter Dea weitere 1400 Stellen. Auch die Tochter für erneuerbare Energien RWE Innogy speckt ab - 250 Stellen gehen verloren. Zum Jahresende 2013 verringert sich die Zahl der Stellen von 67.400 auf knapp 61.000. Ende 2011 arbeiteten noch 72.000 Menschen für RWE. Quelle: dpa
Bei RWE greifen mittlerweile mehrere Spar- und Effizienzprogramme ineinander. Im Rahmen des Programms RWE 2015 will Terium bis Ende des kommenden Jahres 1 Milliarde Euro einsparen. Zunächst hieß es, die Zahl der Mitarbeiter solle um 8000 sinken, mittlerweile ist von über 10.000 Stellen die Rede. 3000 davon sollten durch Verkäufe von Unternehmensteilen wegfallen. Nun legte Chef Peter Terium nochmals nach (siehe vorangegangenes Bild). Quelle: dpa
Besonders betroffen ist die Kraftwerkstochter RWE Generation. Im Rahmen des Programms NEO sollen die Kosten hier jährlich um 750 Millionen Euro gesenkt werden. Die Kraftwerkstochter soll 3000 Stellen streichen. Die Sparte hat derzeit 18.000 Beschäftigte. Im Rahmen des Atomausstiegs hat RWE bereits das Kernkraftwerk Bibilis stillgelegt, Lingen, und Mülheim-Kärlich befinden sich im Rückbau. In Betrieb sind noch Emsland, Gundremmingen (75% Beteiligung) und Borssele (Niederlande, 30 % Beteiligung) Quelle: dapd
EnBWDer baden-württembergisch Energieversorger zieht aus seiner Ertragskrise weitere Konsequenzen und verkleinert den Vorstand von fünf auf vier Personen. Vorstand Dirk Mausbeck, bisher für Vertrieb und Marketing verantwortlich, wird mit Ablauf seines Vertrages am 30. September 2014 das Unternehmen verlassen. Seine Aufgaben übernimmt zum Teil Vorstandschef Frank Mastiaux (Foto). Die Sparten Handel und Verteilnetze sollen noch verteilt werden. EnBW kämpft in Folge der Energiewende mit schrumpfenden Erträgen. Mastiaux will den einst stark auf Atomkraft setzenden Konzern auf die Erzeugung von erneuerbarer Energie und auf neue Serviceangebote für die Strom- und Gaskunden trimmen. Dazu ist bereits ein umfassendes Sparprogramm aufgelegt worden... Quelle: dpa
Um den Konzern effizienter zu machen, sollen Kerngesellschaften auf die EnBW AG verschmolzen und Tochtergesellschaften verkauft werden. Das im Oktober 2010 angestoßene Effizienzprogramm "Fokus" soll bis Ende 2014 jährlich eine Entlastung von 750 Millionen Euro bringen. Bis Ende 2014 werden 1350 Stellen bei EnBW gestrichen - das soll Einsparungen von rund 200 Millionen Euro bringen. Der Umbau soll sozialverträglich organisiert werden. Freie Stellen - vor allem in der Verwaltung - werden nicht neu besetzt, Altersteilzeitangebote umgesetzt und Abfindungen gezahlt. Vor dem Sparprogramm arbeiteten 21.000 Menschen für EnBW. EnBW hat im Zuge der Energiewende das Kernkraft Neckarwestheim bereits teilweise stillgelegt, das Werk Obrigheim befindet sich im Rückbau. Am Netz sind noch Philippsburg und Fessenheim, Frankreich / Elsass (17,5% Beteiligung). Quelle: dpa

Der Vorstandsvorsitzende der Energieversorgung Baden-Württemberg (EnBW), Hans-Peter Villis, bestätigt, dass „die Sicherheitsreserven sich dem Ende zuneigen“. Die Versorger müssten mächtig eingreifen, um Engpässe auszugleichen. „Dank vieler gerade in den letzten Tagen durchgeführter Maßnahmen ist die Versorgung noch sicher und stabil“. Allerdings: „Die einsetzbare Kraftwerksleistung ist infolge der im vergangenen Jahr außer Betrieb genommenen Kernkraftwerke deutlich reduziert, und der gegenwärtige Gasengpass vergrößert dieses Dilemma zudem noch“, so Villis.

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Er hoffe, durch die Kältewelle werde „die Erkenntnis weiter reifen, dass der Umbau des Energiesystems konsequent, aber mit Außenmaß erfolgen sollte“. Zugleich forderte Villis die Einrichtung eines eigenständigen Energieministeriums: „Eine Energiepolitik aus einer Hand und gern auch von einem Fachministerium geführt, könnte hier durchaus helfen.“

Sollten die russische Gazprom ihre Gaslieferungen wegen erhöhter Nachfrage im eigenen Land weiter drosseln und die Temperaturen frostig bleiben, könnte es für Unternehmen eng werden. Per Gesetz hat die Versorgung der Haushalte mit Wärme Vorrang vor der Belieferung der Industrie. Wenn die Exportmengen nicht 100-prozentig eingehalten werden, hieß es bei Gazprom auf Anfrage der WirtschaftsWoche, verpflichte sich der Konzern zur Zahlung „kleinerer Vertragsstrafen“.

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