Energiegenossenschaften Boom mit Delle

Weil die Subventionen für Sonnenenergie bereits gekappt wurden und Einschnitte bei der Förderung von Windkraft und Biomasse absehbar sind, ist der Boom bei den Energiegenossenschaften voriges Jahr etwas schwächer ausgefallen.

Über einer Solaranlage geht die Sonne auf Quelle: dapd

Die Unternehmen konnten zwar viele neue Mitglieder anziehen. Doch lohnende Investitionen sind trotz staatlicher Stütze für die Erneuerbaren schwieriger zu finden. Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV) hat die Unternehmen über ihr Geschäft mit Sonne, Wind und Biogas befragt und das Ergebnis heute vorgestellt. Danach stieg die Zahl der Mitglieder bei den 656 Energiegenossenschaften binnen Jahresfrist von 80.000 auf 136.000. Die allermeisten, nämlich 125.000, sind Privatleute, die wie die institutionellen Investoren mit ihren Einlagen an den Unternehmen beteiligt sind. Rund 1,2 Milliarden haben die Genossenschaften in die Energiewende investiert. Dabei decken sie bisher den Strombedarf von 160.000 Durchschnittshaushalten ab.

Wo die Energiewende besser funktioniert
Im internationalen Vergleich gibt es kaum ein zweites Land, das sich derart ambitionierte Ziele zur Umstellung seines Energiesystems gesteckt hat wie Deutschland. Daher existiert auch kein Gesamtkonzept, das als Blaupause für die deutsche Energiewende dienen könnte. Dennoch kann Deutschland von anderen Ländern lernen. Eine Studie von McKinsey im Auftrag von Siemens stellt Beispiele aus verschiedenen Ländern vor und zeigt, was davon in welchem Umfang auch in Deutschland erfolgreich umgesetzt werden könnte. Die Fallbeispiele beziehen sich auf die wesentlichen Elemente der deutschen Energiewende entlang der Energiewertschöpfungskette: Stromerzeugung, Verteilung oder Balancierung von Angebot und Nachfrage sowie Steigerung der Energieeffizienz. Quelle: dpa
Dänemark, Niederlande, Brasilien - Versteigerung von WindparksDer Ausbau von Solar und Windkraft wird die Regierung bis 2020 rund 30 Milliarden Euro kosten. Eine Möglichkeit, den Kostenanstieg zu drosseln, wäre eine Anpassung der Förderung, zum Beispiel durch Auktionierung von Windparkprojekten – wie in Brasilien, Dänemark oder den Niederlanden praktiziert. So kann erreicht werden, dass Windparks an windreichen Standorten mit einer geringeren Vergütung auskommen. Würden in Deutschland die infrage kommenden Windparkprojekte in Zukunft versteigert, könnten allein im Jahr 2020 rund 0,7 Milliarden Euro an Förderkosten eingespart werden. Quelle: dpa
China – bessere Nutzung von AbwärmeAbwärme lässt sich bei Temperaturen ab circa 300 Grad Celsius zur Stromerzeugung nutzen. In Deutschland gibt es unter anderem in der Zement- und Glasindustrie weitere Potenziale, die andere Länder beziehungsweise Pilotanlagen in Deutschland bereits nutzen: So wurden in China in den  vergangenen zehn Jahren knapp 30 Zementwerke mit entsprechenden Anlagen ausgestattet oder werden aktuell umgerüstet. Durch Nachrüsten der in Deutschland infrage kommenden Werke könnten hier im Jahr 2020 etwa 2 TWh Strom erzeugt und so eine Megatonne CO2 eingespart werden. Die Investitionen würden sich bereits nach rund drei Jahren amortisieren, so die Autoren der Studie. Quelle: REUTERS
Shanghai – bessere TransformatorenJetzt wird es technisch, aber im Grunde simpel. Transformatoren sind  für die Stromversorgung unverzichtbar, da elektrische Energie nur mittels Hochspannungsleitungen über weite Entfernungen wirtschaftlich sinnvoll transportiert werden kann; der Betrieb von Elektrogeräten ist aber nur mit Nieder- und Kleinspannung praktikabel und sicher. Transformatoren haben einen magnetischen Kern, meist Eisen, man kann aber auch so genannte amorphe Metalle verwenden. Sie haben bessere magnetische Eigenschaften und senken Übertragungsverluste im Netz.  In Shanghai konnten die Leerlaufverluste der ausgetauschten Transformatoren um 80 % reduziert werden konnten. Allein die Ausstattung der in Deutschland bis 2020 neu zu installierenden Transformatoren mit amorphen Kernen könnte die Übertragungsverluste im Stromnetz im Jahr 2020 um 0,2 TWh reduzieren. Dies entspricht der Stromproduktion von circa 65.000 Aufdach-Solaranlagen. Durch die Einsparungen  würden sich die erforderlichen Investitionen nach circa elf Jahren amortisieren. Quelle: dpa
Schweden – mehr WärmepumpenEine Wärmepumpe entzieht zum Beispiel dem Boden oder der Luft unter Aufwendung mechanischer oder elektrischer Energie thermische Energie und stellt diese zur Raumheizung zur Verfügung. Momentan sind in Schweden bei 9,5 Mio. Einwohnern 1 Mio. Wärmepumpen installiert, gegenüber circa  0,5 Mio. Wärmepumpen in Deutschland bei rund 81 Millionen Einwohnern. Der Ausbau zusätzlicher 0,7 Millionen Wärmepumpen in Deutschland bis 2020 würde zu einer Senkung des Primärenergiebedarfs um 18 PJ und zu einer Senkung der CO2-Emissionen um 0,6 Mt für das Jahr 2020 führen. Foto: "Tourismusverband Westschweden Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
USA – Stromnachfrage besser steuernDie Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt wetterabhängig sehr stark. Das belastet das Netz. Die Schwankungen lassen sich durch eine flexiblere Stromnachfrage ausgleichen. Im Nordosten der USA hat man dazu einen Markt für temporäre Nachfragereduzierung geschaffen. Zu Spitzenzeiten reduzieren Stromkunden ihren Verbrauch freiwillig und erhalten hierfür eine Vergütung. Bei diesem Fallbeispiel wurde die Spitzenlast in einem Markt, der größer als der deutsche ist, um circa 8 % reduziert. Würde Deutschland in ähnlicher Weise allein seine industrielle Nachfrage flexibilisieren, könnten 2020 etwa 0,5 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspricht den jährlichen Betriebskosten von zwei großen Kohlekraftwerken. Quelle: AP
Los Angeles – LED-StraßenbeleuchtungInternational hat eine Reihe von Städten den Austausch der klassisch verwendeten Natrium-Hochdrucklampen durch LED s vorangetrieben. In den USA installierte zum Beispiel Los Angeles von 2009 bis 2013 in 146.000 Ampeln und Straßenleuchten mit LED. Mit Investitionen von rund 45 Millionen Euro konnte eine Reduzierung des Stromverbrauchs von rund 60 % erreicht werden. Quelle: Presse

Der Schub bei den Kooperativen dürfte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) behagen. Auch er setzt darauf, dass jene, die am Umbau der Energieversorgung mitverdienen, nicht mehr gegen Pläne in der Nachbarschaft protestieren. Mit schönen Renditen sollen Bürger in solche Projekte gelockt werden. Windparks, Solaranlagen oder Gaskraftwerke werfen zum Teil deutlich höhere Zinsen ab als Tages- oder Festgeldanlagen. Allerdings zahlten nach den nun vorgestellten Zahlen nur 40 Prozent der Genossenschaften überhaupt eine Dividende, die dann bei durchschnittlich knapp vier Prozent lag. Die anderen erwirtschafteten noch nicht genug Gewinn.

Die Energiewende und der Sand im Getriebe

Die Bundesregierung hatte zuletzt mit Investitionsangeboten für die Anrainer der neuen Stromtrassen zwischen Nord- und Süddeutschland geworben. Sie können sich an den Baukosten beteiligen und für ihre Einlagen rund fünf Prozent Zinsen erhalten. Dies sehen die Pläne vor, die Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) mit den Netzbetreibern Tennet, Amprion, TransnetBW und 50Hertz vereinbarten.  Die Pläne der Bundesregierung haben aber auch Schwächen. Der Bund der Energieverbraucher kritisiert, dass die Rendite zu niedrig sei. Schließlich gestehe die Bundesnetzagentur den Netzbetreibern eine garantierte Eigenkapitalrendite von über neun Prozent zu.

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Doch die Bedingungen für die Genossenschaften werden nicht einfacher.  Für den "grünen" Strom sinken die staatlich garantierten Abnahmepreise und damit schrumpft die Marge. Die Kooperativen müssen zudem zunehmend Strom selbst an Kunden bringen. Bisher können sie alles ins allgemeine Netz einspeisen und bekommen dafür eine festgelegte Bezahlung. Nach der Verbandsumfrage fühlen sich die meisten Genossenschaften, die oft klein sind und vom Engagement der Mitglieder abhängen, solchen Aufgaben noch nicht gewachsen.

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