WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Energiegewinnung Schluss mit Subventionen für Solarstorm

Seite 3/4

Grafik 3: Kosten Solarmodule

Auch die Solarunternehmen müssen sich die Frage gefallen lassen, ob die Einspeisevergütung der Fotovoltaik in Deutschland mittlerweile nicht mehr schadet als nützt. Für Frondel ist die Antwort klar. Er ist überzeugt, dass „die wohligen Bedingungen“ die Solarunternehmen geradezu in die Krise getrieben haben, mit den bekannten Folgen: scharfe Umsatz- und Gewinneinbrüche. „Der künstliche Schonraum hat verhindert, dass sich die Unternehmen auf den notwendigen Wettbewerb eingestellt haben“, sagt Frondel.

So gesehen ist die deutsche Solarförderung auch ein Lehrstück dafür, wie Dauersubventionen Fehlentwicklungen hervorrufen können. Zwar glaubt kaum ein Experte, dass die Fotovoltaikindustrie ohne die 2000 eingeführte Anschubfinanzierung auf die Beine gekommen wäre. 2008 beschäftigten die Unternehmen der Branche rund 48.000 Menschen und erwirtschaftete 9,5 Milliarden Euro.

Doch die großzügigen Förderparagrafen des EEG waren von Anfang an umstritten. Völlig zu Recht. Sie erzeugten über Jahre einen künstlichen Nachfrageüberhang, der die Unternehmen in die komfortable Lage brachte, ihre Module vom Band weg an den Meistbietenden zu verkaufen. Damit waren sie so beschäftigt, dass ihnen keine Zeit blieb, ein schlagkräftiges Marketing oder einen internationalen Vertrieb aufzubauen.

Mit bestehender Technik bequem Geld verdienen

Schlimmer noch: Die Unternehmen konzentrierten sich auf die Erweiterung ihrer Kapazitäten, statt in preiswertere Produktionsprozesse oder die Entwicklung leistungsfähigerer Module zu investieren. Schließlich ließ sich auch mit bestehender Technik bequem Geld verdienen. Das rächt sich jetzt. Bei den fortschrittlichen und billigen Dünnschichtmodulen zum Beispiel, deren Marktanteil an der weltweiten Solarzellenproduktion bis 2012 von 17 auf rund 30 Prozent hochschnellen wird, spielen deutsche Anbieter kaum ein Rolle.

Billige Module aus China

Grafik 4: Fotovoltaikmärkte

Die Solarförderung hat ausgerechnet das vergleichsweise sonnenarme Deutschland zum wichtigsten Fotovoltaikmarkt der Welt gemacht. Und das viele Geld hat die Konkurrenz erst stark gemacht. Es animierte chinesische Hersteller, die bis dato keinen nennenswerten Heimatmarkt hatten, groß in das Geschäft einzusteigen. Heute überschwemmen sie mit ihren billigen Modulen den deutschen Markt und setzen die hiesigen Produzenten unter Druck.

Wobei ihre Ware keinesfalls minderwertig ist – im Gegenteil: Eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) kommt zu dem Schluss, „dass wenigstens einige der chinesischen Unternehmen einen klaren Vorsprung bei Innovationen und Produktionskosten zu haben scheinen“. Tests des Fachmagazins „Photon“ bestätigen das.

RWI-Energieökonom Frondel rät der hiesigen Solarbranche deshalb, endlich ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Doch die Industrie ruft lieber nach dem Staat: So forderte Solarworld-Chef Asbeck kürzlich Schutzzölle, um den deutschen Markt gegen die asiatische Konkurrenz abzuschotten. Frondel kontert: Der Ausleseprozess sei überfällig. „Die Unternehmen dürfen nicht länger auf die schützende Hand des Staates vertrauen.“

Doch die Herausforderung ist gewaltig. Die Internationalisierung bringe „radikale Einschnitte“ mit sich, sagt Dieter Manz, Chef des Fotovoltaikzulieferers Manz. Rund 44 Prozent billiger produzieren chinesische Anbieter, haben die LBBW-Experten berechnet: von der Siliziumgewinnung bis zum fertigen Modul.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%