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Energiegewinnung Schluss mit Subventionen für Solarstorm

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Grafik 5: Grüne Konjunkturprogramme

Da können die Deutschen nicht mithalten. Das belegt auch der gerade vorgestellte Wachstumsindex der Beratungsgesellschaft PRTM Management Consultants: Deutsche Fotovoltaikhersteller wie Q-Cells, Phoenix Solar und Solon, die noch jüngst zu den Stars der Industrie gehörten, sind kräftig zurückgefallen. Die Aufsteiger kommen aus den USA und China. Einen „schleichenden Abstieg“ der Deutschen sehen die PRTM-Experten in den Ergebnissen.

Die Schuld daran trägt nicht einmal der drastische Nachfrageeinbruch, den viele Hersteller in diesem Jahr zu beklagen haben. Deutsche Solarhersteller werden erst dann wieder Erfolg haben, wenn sie es schaffen, effizienter zu wirtschaften, sagen Experten unisono. Doch auf diesem Weg werden viele auf der Strecke bleiben, glaubt Jürgen Habichler, Chef des Fonds Cleantech Invest. Er schätzt, dass 20 bis 30 Prozent der Unternehmen vom Markt verschwinden.

Zu einem öffentlichen Ärgernis wird die ganze Entwicklung, weil Strom von deutschen Dächern ohne die überzogene Einspeisevergütung längst viel billiger sein könnte. Die garantierten Renditen verleiteten die Hersteller dazu, über Jahre lieber Extragewinne zu kassieren, als hart an der Konkurrenzfähigkeit zum Kohle- und Atomstrom zu arbeiten.

Mit Chinesen ist zum ersten Mal Wettbewerb entstanden

Mit der Überproduktion und der aggressiven Verkaufspolitik der Chinesen ist zum ersten Mal echter Wettbewerb entstanden. Der hat die Sonnenenergie nicht nur wettbewerbsfähig gemacht. Er wird auch dazu führen, dass selbst produzierter Solarstrom noch deutlich billiger wird.

Wie weit die Preise für Solaranlagen noch sinken können, zeigt der US-Markt. Dort kosten die besonders häufig verwendeten monokristallinen Solarzellen nur noch 2,55 Euro je Kilowatt Leistung, in Deutschland sind es 2,91 Euro. Noch.

Die Entwicklung macht den Kauf von Solaranlagen noch lohnender. Eine Investition von 15.000 oder 20.000 Euro bringt in 20 Jahren nahezu risikolos fünf bis acht Prozent Rendite im Jahr. „Davon träumen Kapitalanleger in der Finanzkrise“, sagt Jörg Sahr von der Zeitschrift Finanztest.

Wie lukrativ diese Sonnen-Bank ist, belegt der Vergleich mit ähnlich risikoarmen 30-Jahres-Bundesanleihen: Damit sind etwa vier Prozent drin. Und solange die Preise der Dachkraftwerke schneller fallen, als die Vergütung sinkt, steigen die Renditen weiter – und die Nachfrage nach neuen Anlagen nimmt zu.

Dennoch: Deutschland wird nach einer Prognose der Schweizer Bank Sarasin schon 2011 seine führende Stellung bei Neuinstallationen an die USA verlieren. Auch sonnenreiche Länder wie China und Indien bauen massenhaft Anlagen. Die grünen Konjunkturpakete in vielen Industrieländern werden die Nachfrage zusätzlich beflügeln, so die Erwartung der Basler Experten. Bis 2012 sagen sie eine jährliche durchschnittliche Wachstumsrate von 37 Prozent voraus. Diese Aussichten lösen ein Umdenken bei etablierten Stromkonzernen aus: „Die Sonne und ihre enorme Kraft werden eine entscheidende Rolle für die Energieversorgung der Zukunft spielen“, glaubt der Chef des größten deutschen Energiekonzerns E.On, Wulf Bernotat. Solche Worte aus dem Munde eines Kohle- und Atomstromproduzenten wären vor Kurzem noch undenkbar gewesen.

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