Energiehandel Preiskontrollstelle soll Milliardendeals überwachen

Bei Deals mit Gas und Strom setzen Händler Milliarden um. Ob dabei alles mit rechten Dingen zugeht, wird künftig schärfer kontrolliert: Ab Oktober müssen die Geschäfte einer Preiskontrollstelle gemeldet werden.

Strommast Quelle: dpa

Deutschlands Energiehändler drehen das ganz große Rad: 375 Milliarden Euro setzen Konzerne, Stadtwerke und Industriekunden nach Schätzungen der Bundesnetzagentur im Jahr mit Strom- und Gas-Großhandelsgeschäften um. Die komplizierten Deals laufen oft über Jahre im Voraus und sind für Laien kaum verständlich. Strom wird vielfach 10 bis 15 Mal gekauft und weiterverkauft, bis er endlich beim Verbraucher ankommt. Der Großteil der Abschlüsse läuft dabei nicht über die Strombörse in Leipzig, sondern in direkten und natürlich geheimen Einzelverträgen zwischen Anbieter und Großkunde.

In diese Geschäfte will die Bundesnetzagentur zusammen mit dem Bundeskartellamt mehr Licht bringen: Ab dem 7. Oktober müssen alle Kontrakte - zunächst die an der Börse, sechs Monate später auch die Direktgeschäfte - nach einem streng reglementierten Verfahren europaweit an die Energieregulierungs-Agentur ACER in Ljubljana (Slowenien) gemeldet werde. Bundesnetzagentur und Bundeskartellamt haben in Bonn eine Stelle mit zunächst 15 Mitarbeitern eingerichtet, die die Daten für Deutschland auswertet und auf Marktmanipulationen untersucht.

Neuausrichtung - So steht es um die Energiekonzerne

Betrugsskandale sind im deutschen Energiegroßhandel bisher nicht bekanntgeworden - aber immer wieder gibt es Gerüchte über mögliche Preismanipulationen. In den USA erschlich sich ein Energieunternehmen in einem später aufgedeckten Fall an einem einzigen Handelstag mit solchen Manipulationen rund 80 Millionen Dollar. „Es liegt nah zu vermuten, dass so etwas auch in deutschen Energiehandel möglich sein könnte“, sagt der Leiter der Markttransparenzstelle bei der Bundesnetzagentur, Thomas Müller.

Manipulationsmöglichkeiten bestehen laut Müller immer dann, wenn Unternehmen Marktveränderungen - etwa den bevorstehenden Ausfall eines großen Kraftwerkes oder eines Gasspeichers - eher erfahren als die Konkurrenz. Mit dem frühzeitigen Kauf von Lieferkontrakten genau für die Zeit des Mangels lassen sich dann leicht Millionen verdienen. Theoretisch möglich wäre sogar, dass große Konzerne mit zahlreichen eigenen Kraftwerken Versorgungsengpässe bewusst herbeiführen, gleichzeitig mit ihren Tradingabteilungen darauf spekulieren und viele Millionen einstreichen.

RWE, Deutschlands größter Stromproduzent, hält solche Manipulationen aber wegen der schon bestehenden Markttransparenz für unmöglich. Bereits jetzt werden die Handelsdaten an der Strombörse EEX veröffentlicht. RWE verbreite außerdem die Produktionsdaten jedes einzelnen Kraftwerkes halbstündlich aktualisiert im Internet. Eine Drosselung oder Abschaltung einer einzelnen Anlage würde dabei sofort auffallen, sagt eine Unternehmenssprecherin. „Die Transparenz in der Erzeugung ist schon da.“

Die größten Stromfresser und wie man sie ausschaltet
Ab September müssen Staubsauger ein Energielabel tragen, so wie Waschmaschine und Kühlschrank auch. Die EU-Regelung soll es einfacher machen, energiesparende Geräte zu erkennen. Ab September dürfen die Geräte maximal 1600 Watt verbrauchen, bis 2017 soll diese Grenze auf 900 Watt herabgesetzt werden. Zusätzliche hinweise auf dem Label informieren den Kunden, für welchen Bodenbelag der Sauger geeignet ist. Wichtig ist für Experten allerdings nicht nur die Watt-Zahl, sondern auch die Saugleistung. Muss länger gesaugt werden, ist die Energieersparnis durch geringeren Stromverbrauch hinüber. Deshalb sei das Label kaum mit den Energieeffizienzklassen anderer Geräte zu vergleichen. Wenn Sie vorhaben, sich einen neuen Staubsauger anzuschaffen, achten Sie nicht nur auf den Stromverbrauch, sondern auch auf die Saugleistung. Diese wird durch die Art des Motors, Saugrohr und vorhandene Filter beeinflusst. Viele Händler bieten mittlerweile
Für Filter-Kaffeemaschinen mit einer Isolierkanne soll der EU zufolge eine Wartezeit von fünf Minuten gelten. Bei Maschinen ohne Isolierbehälter ist eine Wartezeit von maximal 40 Minuten geplant. Die Hersteller können der Kommission zufolge aber entscheiden, ob sie es den Verbrauchern ermöglichen, die automatische Abschaltung der Warmhaltefunktion wieder abzustellen. „Die Einschränkungen für den Verbraucher sind sehr, sehr gering. Kaffee, der 40 Minuten in der Glaskanne steht, schmeckt ohnehin nicht mehr“, sagte Scholz. Vorteile für die Verbraucher seien Einsparungen beim Stromverbrauch und damit bei den Kosten. Der Bund der Energieverbraucher schätzt die Einsparungen auf etwa 60 Euro im Jahr, wenn täglich drei Kannen Kaffee gekocht und diese insgesamt acht Stunden warmgehalten werden. „Existierende Modelle, die automatisch abschalten, kosten kaum so viel wie der Warmhaltestrom eines Jahres“, sagte der Vorsitzende des Verbandes, Aribert Peters der dpa. „Wir bekommen die Energiewende nicht hin, ohne Strom zu sparen.“ Quelle: dpa
Eine Umfrage von TNS Emnid für den Strom- und Gasanbieter E wie einfach hat ergeben, dass 30 Prozent der Bürger nicht wissen, wie viel Strom sie im Alltag tatsächlich verbrauchen. Vor allem ganz junge sowie ältere Menschen kennen ihren Verbrauch nicht. Um Strom zu sparen, geben 81 Prozent der Befragten an, dass sie ihre Akkuladegeräte vom Netz trennen, den Gefrierschrank abtauen (72 Prozent), und auf Energiesparlampen umgestiegen sind (71 Prozent). Doch sind das wirklich die größten Stromfresser im Haushalt? Wer geben zehn Tipps, wo und wie Sie in Zukunft Strom im Haushalt sparen können. Quelle: dapd
Eco-Programme beim Spülen benutzenMit 5,1 Prozent Anteil am gesamten Stromverbrauch landet das Geschirrspülen auf Platz 10 der größten Stromfresser im Haushalt. Laut einer Studie der Universität Bonn ist das Spülen in der Maschine übrigens trotzdem günstiger als Handspülen: Im Geschirrspüler werden sowohl weniger Wasser als auch weniger Energie verbraucht. Voraussetzung ist natürlich, dass die Maschine nur voll beladen eingeschaltet wird und dass das Geschirr nicht zusätzlich von Hand vorgespült wird. Auch sogenannte Spar-, Eco- oder Umwelt-Programme sparen Energie. Bei geringerer Temperatur wird das Geschirr dank längerer Spülzeiten genauso sauber wie in
Moderne Umwälzpumpen lohnen sichDie elektrisch betriebene Umwälzpumpe der Heizungsanlage landet mit durchschnittlich 6,0 Prozent Anteil am Stromverbrauch auf Platz neun. Sie transportiert das erwärmte Wasser zu den Heizkörpern in der Wohnung. Laut Stiftung Warentest lohnt sich der Ersatz einer alten Pumpe durch eine moderne, energieeffiziente Pumpe schnell; demnach lassen sich so 100 bis 130 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen. Von den Stromkosten abgesehen (ein Sonderfall sind alte Nachtstromspeicheröfen) macht das Heizen mit 70 Prozent am Gesamtenergieverbrauch des HAushalts den größten Anteil aus. Ohne große Investitionen in eine neue Heizungsanlage kann man auch hier mit einigen Tricks viel Energie sparen. Ihre Heizung sollten Sie im Idealfall nicht durch Möbel zustellen. Achten Sie beim Lüften darauf, die Heizung immer aus zu machen. Die Raumtemperatur sollte zudem auf maximal 20 Grad Celsius eingestellt sein - jedes Grad weniger spart Energie. Moderne Thermostatventile können die Raumtemperatur auch konstant auf dem gewünschten Wert halten, wenn mal die Sonne durchs Fenster scheint. So wird ein überheizen der Räume und Verlust teurer Heizenergie durch zusätzliches Lüften vermieden. Laut Umweltbundesamt können so vier bis acht Prozent Heizenergie gespart werden. Quelle: dpa
Trocknen: Nichts ist preiswerter als Sonne und WindBeim Trocknen der Wäsche wird das Wasser aus dem Waschvorgang wieder entfernt - das können Sonne und Wind kostenfrei für Sie erledigen, oder eben der elektrische Wäschetrockner. Das Gerät ist allerdings ein wahrer Stromfresser: 6,6 Prozent des Stromverbrauchs entfallen im Durchschnitt auf das Trocknen, das so auf Rang acht landet. Soll ein Trockner zum Einsatz kommen, ist ein Gerät mit Wärmepumpentechnologie besonders Umwelt- und Geldbeutelschonend im Einsatz, die Anschaffungskosten sind allerdings recht hoch. Es gibt auch Trockner, die mit Gas betrieben werden. Beim maschinellen Trocknen gilt: Das Gerät sollte nur gut befüllt zum Einsatz kommen und die Wäsche sollte so gut wie möglich vorgetrocknet, also zuvor in der Waschmaschine oder Wäscheschleuder mit möglichst hoher Schleuderdrehzahl entwässert worden sein. Als Kompromiss kann man auch die Wäsche im Trockner leicht vortrocknen und dann auf der Leine zu Ende trocknen lassen. Auch ein kleiner Ventilator, der vor dem Wäscheständer aufgestellt wird, leistet gute Dienste: Er verbraucht wesentlich weniger Strom, macht die Wäsche aber ebenfalls weich und beschleunigt den Abtransport der Feuchtigkeit durch die permanente Bewegung der vorbeistreichenden Luft. Beim Trocknen der Wäsche im Raum gilt: Der Raum muss unbeheizt und gut gelüftet sein - sonst droht Schimmelbefall. Wäsche im beheizten Wohnraum zu trocknen, ist nicht sinnvoll, denn durch das zusätzliche Stoßlüften um die Feuchtigkeit abzutransportieren geht viel wertvolle Heizenergie verloren. Quelle: dpa
Alte Haushaltsgeräte durch neue ersetzen Diverse elektrische Hausgeräte, darunter zum Beispiel Staubsauger, machen im Durchschnitt 7,7 Prozent des Haushalt-Stromverbrauchs aus und landen sie auf Platz sieben der größten Stromfresser. Bei Staubsaugern gilt: Eine hohe Leistungsaufnahme entspricht nicht einer hohen Saugleistung. Bei der Wahl sollte man also nicht den Sauger mit der höchsten Watt-Zahl auf dem Typenschild wählen, sondern sich über Testergebnisse der tatsächlichen Saugleistung schlau machen. Ab 2014 kommen auch Energieeffizienzklassen-Kennzeichnungen für Staubsauger. Bei diversen Elektro-Kleingeräten, wie elektrischen Dosenöffnern oder Messern, kann man den Einsatz durchaus hinterfragen. In anderen Fällen kann ihr Einsatz aber auch Energie einsparen, denn ein Brötchen lässt sich auf dem Toaster stromsparender aufbacken als im Backofen, ein Liter Wasser für Tee oder zum Nudeln kochen ist im Wasserkocher schneller und effizienter aufbereitet, als auf dem Elektroherd. In der Regel gilt die Devise: Setzen Sie die Verschwender vor die Tür. Gerade bei Haushaltsgeräten macht es sich in Sachen Strombilanz bezahlt, alte Geräte gegen neue Technologien einzutauschen. Quelle: dapd

Doch es sind noch raffiniertere Manipulationen denkbar, sagt Müller. So richten sich die meisten Geschäften nach Referenzpreisen. Der bekannteste Strompreisindex Phelix (Physical Electricity Index) wird dabei als Durchschnittspreis eines ganzen Tages ermittelt und lässt sich nur schwer beeinflussen. Andere Referenzpreise kleinerer Geschäftsfelder werden dagegen in 15-Minuten-Zeitfenstern bestimmt. Wenn Händler in genau diesem Zeitfenster größere Mengen kaufen, können sie den Index hochtreiben und damit dann bei Folgegeschäften abkassieren - Eingriffe vergleichbar mit dem Libor-Zinsskandal am Finanzmarkt.

Deswegen werten die Bonner künftig von jedem der Millionen deutschen Energiedeals im Jahr Preis, Zeitpunkt, Marktumfeld und Lage im Netz aus. „Wir fragen uns auch: Wer wusste was über dieses Geschäft“, sagt Müller. Das gelte auch für die Direktverträge, die zwar nicht komplett, aber mit vielen Details offengelegt werden müssten. 2000 bis 3000 Marktteilnehmer müssten sich für die Meldungen registrieren, rund 650 Unternehmen seien bereits angemeldet, sagt Müller.

Deutsche Energieversorger im Vergleich

Für die Energiebranche bringt das weitere Belastungen. Allein die RWE-Handelstochter Supply and Trading rechnet mit 400.000 Geschäften, die pro Jahr gemeldet werden müssen. Mehrere Millionen Euro seien für die nötigen Rechner erforderlich sowie zwei Vollzeitstellen für die Meldungen. Dennoch unterstütze RWE die Einrichtung ausdrücklich, weil sie noch mehr Transparenz bringe, sagte der zuständige RWE-Abteilungsleiter Karl-Peter Horstmann. Als großes Handelshaus werde RWE auch Kunden bei der Umsetzung der Meldepflichten helfen.

Die strengen Vorgaben für die umfangreichen Meldungen seien vor allem für manche kleinere Stadtwerke eine Belastung, hieß es vom Stadtwerkeverband VKU. Die Kosten werden am Ende wohl bei den Strom- und Gaskunden landen, vermutet NRW-Verbraucherschützer Udo Sieverding. Dennoch hält auch er die neue Preiskontrolle für sinnvoll. Falls Marktteilnehmer betrügen, koste das den Verbraucher nämlich viel mehr Geld. „Die neue Einrichtung wird hier sicher abschreckende Wirkung haben.“

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