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Energiekonzern E.On kippt sein Geschäftsmodell

Der größte deutsche Energiekonzern sieht in Deutschland keinen lohnenden Markt mehr, Lücken klaffen im Management.

Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzende von E.On Quelle: dpa

Die Stimme von E.On-Chef Johannes Teyssen klang an diesem Dienstag schon fast traurig. E.On trägt sich mit dem Gedanken, in Deutschland Kraftwerke zu schließen. Zum Beispiel das bayrische Gaskraftwerk Irsching 3, „das sich vom Markt abmelden wird“, so Teyssen in düsteren Worten. Auch das Kohlekraftwerk Staudinger 6 wird „auf Eis gelegt“. In Deutschland werden durch den Vorrang des boomenden Ökostroms immer mehr Gas-und Kohlekraftwerken die wirtschaftliche Grundlage genommen. Bei Gaskraftwerken verdient E.On nur ein Zehntel dessen, was E.On für die Refinanzierung seiner Investitionen benötigt.

Strommix von E.On

Blick ins Ausland

Am Bau von Datteln hält Teyssen fest. Ansonsten blickt das Unternehmen zum ersten Mal in seiner Geschichte nach draußen, ins Ausland. In Brasilien will E.On in Kraftwerke investieren, zusammen mit einem brasilianischen Familienunternehmer. Da prallen zwei Managementkulturen krass aufeinander.

E.On und die Konkurrenz

Auch in der Türkei und in Indien ist E.On auf Pirsch, sucht lohnende Investitinen in sogenannte „Indepentdent Power Stations“, die in armen und unterentwickelten Gebieten auch ohne große Infrastruktur Strom produzieren können. Doch der indische Markt ist nicht homogen, sondern zersplittert. In jedem Gebiet herrschen andere gesetzliche Regelungen für die Energiewirtschaft. E.On trifft dort auf schwieriges Gelände. Schon früher sagte Teyssen: „Niemand wartet dort auf E.On“. Aber die E.On-Investoren warten auf eine positive Meldung, dass das Geschäftsmodell im Ausland erste Erfolge zeitigt. In Deutschland ist anscheinend für E.On nichts oder wenig mehr zu holen.

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E.On verfügt jedoch über ungenügende Auslandserfahrungen gerade in den Schwellenländern. Die dortigen Partner, lokale Unternehmen, wollen sich Rendite und Margen nicht von den Deutschen wegschnappen lassen. Als Projektentwickler für Großanlagen hat E.On ungenügende Erfahrungen. Die Energiemanager sind eher Experten für das Betreiben von Kraftwerken, nicht so sehr für deren Bau, insbesondere dann nicht, wenn sie in Schwellenländern mit Währungs- und Politikrisiken errichtet werden.

Hinzu kommt, dass ein wichtiger internationaler Manager, der die bisherigen ersten Projekte in Brasilien für E.On an Land zog, nicht mehr bei E.On arbeitet. Der Auslandsexperte Frank Mastiaux, der nicht in den Vorstand von E.On vorrückte, zog es vor, woanders als Chef anzuheuern. Er ist seit Oktober Vorstandsvorsitzender des deutschen Energierivalen EnBW. Dort soll er den Versorger grüner und rentabler machen.

Genau das müsste auch bei E.On geschehen. Doch Mastiaux ist weg.

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