Energiekonzern EnBW leidet noch immer unter Atomausstieg

Der drittgrößte deutsche Energiekonzern EnBW steht unter Druck. Der Konzernüberschuss brach im ersten Halbjahr 2013 um 65 Prozent ein. Schuld seien gesunkene Strompreise und der Ausstieg aus der Kernenergie, heißt es von Seiten des Unternehmens.

Hinter einem EnBW Logo ist das Kernkraftwerk Philippsburg (Baden-Württemberg) zu sehen. Der Konzern hat sich nach wie vor nicht von den Auswirkungen des Atomausstiegs erholt. Quelle: dpa

Die gesunkenen Großhandelspreise für Strom machen dem Versorger EnBW weiter zu schaffen. Nicht einmal das kräftige Umsatzwachstum um fast zehn Prozent auf 10,6 Milliarden Euro verhalf dem Branchendritten nach E.ON und RWE im ersten Halbjahr 2013 zu einem Gewinnanstieg, wie EnBW am Freitag bei der Vorlage der Geschäftszahlen mitteilte. Der Konzernüberschuss brach um 65 Prozent auf 190,5 Millionen Euro, da die steigende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien für eine Talfahrt der Strompreise an den Börsen sorgt. Zudem musste EnBW höhere Kosten für die auslaufende Atomkraft schultern, drei Meiler sollen abgerissen werden.

Auch beim operativen Ergebnis ließ der Karlsruher Konzern mit noch knapp 20.000 Beschäftigten Federn, die Rückgänge fielen jedoch moderater aus als beim Überschuss. "Wir sind daher zuversichtlich, dass wir Ende des Jahres im vorhergesagten Korridor landen und ein um Sondereffekte bereinigtes Adjusted Ebitda erzielen werden, das fünf bis zehn Prozent unter dem Vorjahr liegt", bekräftigte Finanzchef Thomas Kusterer.

Was dem EnBw-Chef Kopfzerbrechen bereitet
Andrej BykowDer russische Lobbyist bereitet EnBW-Managern zur Zeit heftige Kopfschmerzen. Zwar ist Vorstandschef Frank Mastiaux völlig unbelastet, weil er erst seit Oktober 2012 im Amt ist, aber ständige Hausdurchsuchungen von gleich zwei Staatsanwaltschaften, die ermitteln, stören den Geschäftsbetrieb und produzieren negative Schlagzeilen. Der Verdacht: EnBW-Manager sollen Bykow geschmiert haben, um beispielsweise an lohnende Gaslieferverträge aus Russland zu kommen. Bewiesen ist bisher nichts. Quelle: PR
AtomausstiegVor der Energiewende war die EnBW ein Atomkonzern reinsten Wassers. Wasserkraftwerke und Windräder waren nur die Abrundung einer klaren Kernkraftstrategie in Deutsch-Südwest. Mit dem Wegfall der Atomkraft bis 2022 muss sich der Versorger etwas einfallen lassen, um als Konzern in jetziger Form bestehen zu bleiben. Quelle: dapd
WindkraftDie grünrote Landesregierung will in dieser Legislaturperiode 1000 Windräder in Baden-Württemberg aufstellen. Doch die Planungen gehen nur sehr zäh voran. Bislang sind es nur 15 Mühlen im Ländle, die 23 Megawatt Strom erzeugen. Die Kommunen, die Anteilseigner von EnBW sind, befürchten eine Verspargelung der Landschaft und ausbleibende Touristenströme Quelle: dpa
WasserkraftBaden-Württemberg ist das Land der Wasserfälle und Wasserkraftwerke, so wie Bayern und Österreich. Die Wasserkraftwerke sind zum Teil hundert Jahre alt und stehen unter Denkmalschutz. Es sind gewaltige Baudenkmäler, die nicht nur Strom produzieren, sondern auch Touristen anziehen, ein Vorzug, der Atomkraftwerken und Windrädern auf der Schwäbischen Alb abgeht.   Quelle: AP
GaskraftEnBW gelang es noch unter Mastiaux-Vorgänger Hans-Peter Villis, mit dem russischen Gasexporteur Novatek einen Rahmenvertrag für Gaslieferungen aus Russland abzuschließen. Damit erreichte beispielsweise EnBW bereits jetzt schon, was RWE bisher noch nicht geschafft hat, günstige Einkaufspreise für Erdgas zu erzielen. In Düsseldorf will EnBW als Teilhaber der dortigen Stadtwerke ein Gaskraftwerk direkt am Rhein bauen. Die Absichtserklärung jedenfalls liegt vor. Quelle: dpa/dpaweb


Der drittgrößte deutsche Versorger wird hart von der vor zwei Jahren eingeleiteten Energiewende getroffen: Zwei seiner vier Atomkraftwerke sind abgeschaltet, in erneuerbare Energien hatte EnBW erst spät und zögerlich investiert. "Die Entwicklung der letzten Jahre und aktuell im ersten Halbjahr 2013 zeigt, dass wir schnell und konsequent handeln müssen", mahnte Konzernchef Frank Mastiaux, der den vom Land Baden-Württemberg und mehreren schwäbischen Landkreisen kontrollierten Konzern seit Herbst 2012 führt.

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Der frühere E.ON-Manager will sparen und gleichzeitig mehr investieren, sieben Prozent der Stellen sollen bis Ende kommenden Jahres wegfallen. Erneuerbare Energien will Mastiaux ausbauen, durch die sinkenden Großhandels-Strompreise unrentabel gewordene Gas-, Öl-, und Kohle-Kraftwerke dagegen vom Netz nehmen. Der Umbau des Konzerns werde viel Zeit kosten, signalisierte der Vorstandschef. Die "Ergebniswende" werde "in den kommenden Jahren" gelingen, sagte Mastiaux.

Während den Energieversorgern die sinkenden Stromreise zu schaffen machen, müssen die privaten Haushalte für ihren Strom tiefer in die Tasche greifen. Denn auf die an den Strombörsen fixierten Großhandelspreise müssen die privaten Verbraucher noch Steuern und Abgaben - wie die seit Jahren steigende Ökostrom-Umlage - zahlen. Die günstigeren Großhandelspreise kommen daher bei den Haushalten nicht an. Viele Industriebetriebe und andere Unternehmen sind hingegen zum Teil von der Umlage befreit.

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