Energiekonzern RWE treibt Pläne für Konzernumbau voran

RWE will flexibler werden: Die Zahl der Töchter soll reduziert, die Strukturen vereinfacht werden. Einem Bericht zufollge soll der Aufsichtsrat im August über die Reform entscheiden.

RWE treibt den Konzernumbau offenbar voran, wichtige Entscheidungen sollen im August fallen Quelle: dpa

Angesichts massiv gefallener Gewinne aus der Stromerzeugung tritt Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE mit einem internen Umbau auf die Kostenbremse. Der Aufsichtsrat habe schon vor längerer Zeit den Vorstand mit einem entsprechenden Konzept beauftragt, sagte ein Sprecherin am Samstag auf Anfrage. Ein Abbau von Personal stehe nicht im Fokus, es gehe um einfachere Strukturen.

Die „Rheinische Post“ (Samstag) hatte berichtet, dazu sollten Töchter zusammengelegt oder mit dem Mutterkonzern verschmolzen werden. Das Blatt schrieb unter Berufung auf Unternehmenskreise, der RWE-Aufsichtsrat werde auf einer Sondersitzung am 10. August über die Pläne von Vorstandschef Peter Terium beraten. Diese Details und den Termin der Sitzung selbst wollte die Sprecherin nicht kommentieren.

Neuausrichtung - So steht es um die Energiekonzerne

Das Vorhaben der RWE-Führungsspitze ist grundsätzlich bereits länger bekannt. Das Programm zum internen Umbau und zur Stärkung des „Stammhauses“ - der Holding RWE AG - trägt den Titel „Parent“.

RWE hat sieben Töchter – noch

Die Gewerkschaft Verdi mahnte den Schutz von Arbeitnehmerrechten an. Bei der geplanten Zusammenlegung dürften diese nicht ausgehöhlt werden, und die Mitbestimmung müsse ihren Einfluss behalten, sagte der Verdi-Vertreter im Aufsichtsrat, Hans-Peter Lafos, laut der Zeitung. Bei RWE gab es Ende 2014 knapp 60.000 Vollzeitstellen.

Der Konzern hat allein sieben Töchter - teils mit gesonderten Vorständen und Aufsichtsräten, die teilweise wiederum Subunternehmen führen. Das gilt etwa für die RWE Deutschland AG in Essen mit ihrer Vertriebstochter in Dortmund. Beide Gesellschaften sollen dem Bericht zufolge verschmolzen werden.

Die verschachtelte Struktur des nach Eon führenden deutschen Energieanbieters ist teils historisch bedingt. So musste RWE nach der Fusion mit VEW (Dortmund) im Jahr 2000 garantieren, Jobs in Dortmund zu belassen. Typisch für das Unternehmen ist auch der große Einfluss der nordrhein-westfälischen Kommunen, die bis heute rund 25 Prozent der Anteile halten. Es werde nichts an der regionalen Verankerung des Konzerns verändert, betonte die RWE-Sprecherin am Samstag.

Mit seiner Strukturreform reagiert RWE auf den Einbruch in der Stromerzeugung mit Gas- und Kohlekraftwerken und auf den starken Verfall der Erlöse an den Strombörsen. So liegt der Preis für die Megawattstunde Strom am jeweiligen Folgetag derzeit nur bei rund 25 Euro - 2011 war es noch mehr als doppelt soviel. Grund ist unter anderem das große Konkurrenzangebot an Wind- und Sonnenstrom.

Terium hatte bei der Bilanzvorlage im März sogar betriebliche Verluste in der Stromerzeugung „in nicht allzu ferner Zukunft“ prognostiziert, sollte sich an diesem Preisniveau nichts ändern. Das Ergebnis der Stromerzeugung - lange Jahre ein zentraler Erlösbringer für RWE und die gesamte Energiewirtschaft - war 2014 um fast ein Drittel auf etwa eine Milliarde Euro gesunken.

Der Marktführer Eon hat noch radikaler reagiert und spaltet seine konventionelle Erzeugung komplett vom Ökostrom-Geschäft ab. RWE will dagegen am bisherigen Geschäftsmodell prinzipiell festhalten. Der Konzern muss deshalb gegen seine schrumpfenden Erlöse ansparen.

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