Energieversorger Betriebsrat und Verdi stellen sich gegen Zerschlagung von Uniper

Uniper Logo Quelle: REUTERS

Der Uniper-Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi sprachen sich in der Debatte um die Zukunft des Energieversorgers gegen eine Zerschlagung aus. Auch die Bundesregierung will sich um eine zeitnahe Lösung bemühen.

  • Teilen per:
  • Teilen per:

In der Debatte um die Zukunft des kriselnden Energieversorgers Uniper haben sich der Uniper-Betriebsrat und die Gewerkschaft Verdi gegen eine Zerschlagung des größten deutschen Gasimporteurs ausgesprochen. Der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, Harald Seegatz, warnte am Montag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur, ein solcher Schritt bringe nur Unsicherheiten für die Beschäftigen. Besser als die Risiken in einer kleinen Einheit zu bündeln, sei es, das Risiko auf alle Unternehmenseinheiten zu verteilen.

Zuvor hatte sich bereits Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz gegen den Vorschlag des finnischen Uniper-Mehrheitseigners Fortum ausgesprochen, Uniper zu restrukturieren und die systemkritischen deutschen Geschäftsbereiche in einer Versorgungssicherheitsgesellschaft im Eigentum des Bundes zusammenzufassen. „Wir wollen vermeiden, dass der Mutterkonzern Fortum ausschließlich Risiken auslagert und an den Bund abgibt“, sagte Schmitz dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. „In dem Fall würden wir in einen offenen Konflikt hineinlaufen.“

Stattdessen solle sich der Bund lieber am gesamten Konzern beteiligen. „Dann hätte der Bund auch Gestaltungsmöglichkeiten für den Ausbau der erneuerbaren Energien und des Wasserstoffgeschäfts“, sagte Schmitz.

Die Bundesregierung bemüht sich um eine zeitnahe Lösung für eine Stabilisierung des angeschlagenen Energieversorgers. Das sagte eine Sprecherin von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) am Montag in Berlin. Einzelheiten nannte sie nicht. Eine Regierungssprecherin wollte keine Stellung dazu nehmen, dass die finnische Regierung keine Hoffnung darauf gemacht hatte, dass sich Unipers Mehrheitsaktionär Fortum an den Rettungsmaßnahmen für den deutschen Energiekonzern weiter beteiligt.

Als Fortums Mehrheitseigner sehe die finnische Regierung es für den Konzern nicht als möglich an, mehr in Uniper zu investieren, sagte Europaministerin Tytti Tuppurainen, die auch die finnischen Staatsbeteiligungen beaufsichtigt, der finnischen Nachrichtenagentur STT.

Uniper hatte bei der Bundesregierung am Freitag einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen gestellt. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Habeck hatten dem Unternehmen Unterstützung zugesagt.

Habeck hatte gesagt, er wolle die Uniper-Eigentümer in die Pflicht nehmen: „Es gehört ja jemandem, auch jemandem, der solvent ist und der stützen kann“, sagte der Grünen-Politiker am Wochenende dem Deutschlandfunk.

Uniper steht als größter deutscher Gasimporteur nach der starken Drosselung russischer Gaslieferungen durch die Pipeline Nord Stream 1 schwer unter Druck. Die Firma muss teures Gas einkaufen, um Verträge mit seinen Kunden bedienen zu können. Uniper spielt eine zentrale Rolle für die deutsche Energieversorgung und beliefert mehr als hundert Stadtwerke und Industriefirmen.

Uniper-Aktie beschleunigt Talfahrt

Während der Debatte beschleunigt sich die Talfahrt des angeschlagenen Versorgers Uniper. Uniper-Aktien bauen ihre Verluste auf bis zu 19,6 Prozent aus und fallen auf ein Rekordtief von 8,78 Euro.

Lesen Sie auch: Dieser Mann entscheidet über unsere Gasverteilung

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%