Energieversorger E.On verliert im Altgeschäft

Der größte deutsche Energiekonzern E.On muss beim Gewinn Federn lassen. Weitere Stilllegungen von Kraftwerken werden in Deutschland erwartet

E.On-Chef Johannes Teyssen: Verursacht durch den Boom der erneuerbaren Energien verdient der Versorger mit seinen fossilen Großkraftwerken immer weniger Geld. Quelle: REUTERS

Kurzgefasst ist die E.On-Halbjahresbilanz durchwachsen. Den Versorger aus Düsseldorf drückt das altbekannte Problem: Das angestammte Geschäft verliert an Bedeutung und die Neugeschäftsfelder wie die in Brasilien, wo die hochgespannten Hoffnungen auf eine gedeihliche Zusammenarbeit mit dem  deutsch-brasilianischen Unternehmer Eicke Batista kräftig zurückgestutzt werden mussten, sind noch nicht in Fahrt gekommen.

Verursacht durch den Boom der erneuerbaren Energien verdient der Versorger mit seinen fossilen Großkraftwerken immer weniger Geld. Die Großhandelspreise sinken und viele Steinkohlekraftwerke und fast alle Gaskraftwerke sind nur schwach oder gar nicht ausgelastet.

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VolkswagenLange Gesichter auch bei Volkswagen. Chef Martin Winterkorn hat seine Führungskräfte auf milliardenschwere Sparbemühungen eingeschworen: fünf Milliarden Euro bis 2017. So will der Chef die anvisierten sechs Prozent Umsatzrendite in der VW-Pkw-Sparte bis 2018 doch noch schaffen. Vergangenes Jahr kamen aber nur 2,9 Prozent zusammen. Winterkorn hatte das Ziel ausgegeben bis 2018 Weltmarkführer werden zu wollen, die Rendite ist wichtiger Teil der Strategie. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, sollen die Einsparungen unter anderem beim Einkauf sowie geringeren Investitionen und Fixkosten erreicht werden. Winterkorn beklagte zudem zu hohe Aufwendungen beim Bau neuer Fabriken sowie dem Anlauf von neuen Modellen. Quelle: dpa
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Siemens Programm
DaimlerDas Sparprogramm „Fit for Leadership (F4L)“ ist als eine Art Zwei-Stufen-Modell angelegt. Kurzfristig will der Autobauer dadurch in seiner Pkw-Sparte bis Ende 2014 rund zwei Milliarden Euro sparen. Im Lkw-Bereich sollen es insgesamt 1,6 Milliarden Euro sein. Hinzu kommen Ersparnisse in der Bussparte. In den darauffolgenden Jahren möchte der Konzern dann weiter von den eingeleiteten Sparmaßnahmen profitieren. Entlassungen sind Daimler zufolge dabei vorerst kein Thema - freiwerdende Stellen werden aber möglicherweise nicht neu besetzt und ältere Mitarbeiter über Alterszeit früher aus dem Unternehmen ausscheiden. Daimler will Entwicklung, Produktion und Vertrieb effizienter machen. Im für die Schwaben problematischen Markt China sollen die bisher zwei Vertriebsgesellschaften zu einer zusammenwachsen.Auf der Hauptversammlung am 9. April 2014 kündigte Chef Zetsche an, das Sparprogramm auszuweiten. „Über alle Geschäftsfelder hinweg zeigen unsere Effizienzmaßnahmen Wirkung. Wir werden sie strukturell absichern und ausbauen“, sagte Zetsche. Details zum Umfang weiterer Sparmaßnahmen nannte er nicht. Quelle: dapd

Sogar mit den verbliebenen, spätestens 2022 auslaufenden Atomkraftwerken verdient E.On, bedingt durch die Brennelemente-Steuer, aktuell nur noch wenig. E.On-Chef Johannes Teyssen kündigte an, weitere fossile Kraftwerke stillzulegen. Über Kapazitäten von Braunkohlekraftwerken, die zur Zeit wegen des geringen Preises von Verschmutzungszertifikaten noch gut Geld verdienen, verfügt der Konzern in Deutschland nur in geringem Ausmaß. Lediglich in Russland, in Krasnojarsks, betreibt E.On im großen Stil Braunkohlemeiler.

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Der Gewinn vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern fiel um 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das „Marktumfeld ist extrem angespannt“, schrieb Teyssen den Aktionären. „Sofern sich die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den europäischen Kernmärkten nicht spürbar ändern, werden weitere Stilllegungen unausweichlich sein“, sagte Teyssen.

Dass Teyssen weiterhin mit einem Umsatz von 65 Milliarden Euro für das Gesamtjahr rechnet und mit einem nachhaltigen Überschuss von 2,2 bis 2,6 Milliarden Euro rechnet, entspricht in etwa der Prognose des Konzerns. Die Aktie legte nach Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am Morgen um 3,27 Prozent auf 12,63 Euro zu und führte damit zunächst den Dax an.

Die Anleger scheinen eben auch mit weniger zufrieden zu sein.

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