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Energieversorger Stunde der Wahrheit bei E.On

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Eine Schönwetter-Beziehung

E.On-Chef Johannes Teyssen. Quelle: REUTERS

Vor allem die Informationspolitik war es in den vergangenen Wochen, die den E.On-Betriebsrat verbitterte. Der Vorstand igelte sich ein, ließ eine Aufsichtsratssitzung ausfallen, vertröstetet die früher hofierten Arbeitnehmervertreter bis zum 12.Dezember. Dann soll der Aufsichtsrat vollumfänglich über das gesamte Sanierungsprogramm informiert werden.

Die Bunkermentalität des Vorstands ist ein Reflex aus vergangenen Tagen. Man ist im Vorstand nicht gewöhnt, mit Arbeitnehmervertretern Probleme anzusprechen. Die Beziehung hielt nicht über das Schönwetter hinaus. Jetzt bekommt der Vorstand Angst, dass die Betriebsräte blockieren. Demonstrierende E.On-Mitarbeiter säen in der Bevölkerung nicht gerade Sympathie. Denn diese kennen E.On häufig nur vom Briefkopf ihrer Stromrechnung. Und da kam bisher kein Mitleid auf.

Schlankheitskur versäumt

E.On hat in der Vergangenheit versäumt, sich durch eine Fusionitis, ganz im Trend der Energiewirtschaft nach der Energie-Liberalisierung 1999, schlank zu machen. Die Arbeitsplätze wurden nach den zum Teil schwierigen politischen Fusionen einfach aufaddiert. Der Apparat E.On konnte es sich leisten. Trotz Liberalisierung stiegen die Strompreise um 20, 30, 40 Prozent an.

Auch als die Kohlepreise in den Keller sackten und Strom aus fossilen Kraftwerken billiger produziert werden konnte, ging der Pfeil der Stromtarife meist nach oben. Eine starke Lobby in Berlin machte dies möglich. Diese erreiche auch die exorbitante Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke im Herbst vergangenen Jahres.

Zum Teil bis zum Jahr 2040 konnte E.On preiswerten Atomstrom aus längst abgeschriebenen Kernkraftwerken produzieren und teuer weiterverkaufen. Bei so einem Geschäftsmodell war sogar eine weitere Fusionsphantasie mit im Spiel. 42 Milliarden Euro wollte der E.On-Vorstand für den Kauf der spanischen Endesa ausgeben. Die Visionen stiegen ins Unermeßliche, das Geld saß locker, die Kasse war voll, denn auf die immerwährende Preisspirale war Verlaß.

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