Energieversorger im Vergleich Was E.On und RWE unterscheidet

Die beiden Großversorger in Düsseldorf und Essen gehen unterschiedliche Wege: Während die einen dezentrale Energien verteufeln, wollen die anderen das Geschäft der autarken Stromerzeugung mitmachen. Ein Unternehmensvergleich.

Die beiden Großversorger gehen unterschiedliche Wege. Quelle: dpa

„Dezentrale Energie“ ist das neue Zauberwort in der deutschen Energielandschaft. Es bedeutet eine Abkehr von den Kohle-Großkraftwerken, die durch den Überschuss der Wind- und Sonnenenergie nicht mehr profitabel sind. Damit verlieren die Großversorger, auch E.On und RWE, ihr seit hundert Jahren gepflegtes, angestammtes Geschäft. Beide Konzernchefs haben auf diesen Trend unterschiedliche Antworten. Während RWE-Chef Peter Terium, in das Geschäft mit der dezentralen Energieerzeugung einsteigen will, verteufelt E.On-Lenker Johannes Teyssen die Strom-Eigenversorgung als „Schwarzbrennerei“.

Diese Unternehmen produzieren ihren Strom selbst
VolkswagenVolkswagen betreibt inzwischen eigene Kraftwerke unterschiedlicher Art an fast allen Standorten. Im Werk Emden läuft zum Beispiel eine Biomasseanlage. Dabei sind die Anlagen nicht alle umweltfreundlich. Viele werden von Dieselmotoren der Konzerntochter MAN angetrieben. Aber der Wille von Konzernchef Martin Winterkorn zur dezentralen Eigenversorgung mithilfe erneuerbarer Energien ist da. So will VW 600 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 für den Ausbau erneuerbarer Energien an den Unternehmensstandorten ausgeben Quelle: dpa
Aldi SüdStromerzeuger in besonders großem Stil ist der Discountgigant Aldi Süd geworden. Auf rund 300 Dächern seiner Filialen hat der Billigriese aus Mülheim an der Ruhr Solaranlagen schrauben lassen. Hinzu kommen riesige Panelflächen auf den Dächern von 30 Logistikzentren. Damit ist Aldi in der Lage, Strom mit einer Gesamtleistung von über 70 Megawatt zu produzieren, immerhin ein Zehntel eines kleinen Kernkraftwerks. Die prognostizierte Stromproduktion aller Anlagen pro Jahr liegt bei 71 Millionen Kilowattstunden. Das entspricht laut Aldi-Angaben dem Stromverbrauch von rund 24.000 Vier-Personen-Haushalten. Gerechnet auf zwölf Monate werde Aldi Süd fast die Hälfte der produzierten Menge für den Eigenverbrauch nutzen, heißt es aus dem Discount-Imperium Quelle: dpa
Metro-GroupDer Düsseldorf Handelskonzern Metro hat Anfang des Sommers 2013 für seine Großverbrauchermärkte am Konzernsitz sowie in Berlin-Marienfelde eigene Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen. Künftig können die beiden Standorte sich selbst mit Strom und Wärme aus Erdgas versorgen. Die beiden Kraftwerke wurden in Kooperation mit dem ebenfalls in Düsseldorf beheimateten E.On-Konzern errichtet, der für den Gaseinkauf verantwortlich ist. „Dank der Blockheizkraftwerke können wir die Energieversorgung für die beiden Standorte langfristig sichern und zugleich die Kosten beträchtlich senken“, sagt Olaf Schulze, Geschäftsführer der Metro Properties Energy Management. „Mit einer Eigenproduktion können alle Kosten, die mit dem Netzbezug verbunden sind, wie zum Beispiel EEG-Umlage und Nutzungsentgelte, vermieden werden.“ Quelle: dpa
ReweDer Kölner Lebensmittel-Filialist Rewe schickte vor wenigen Wochen für ihr Logistikzentrum in Eitting bei München ein Biogas-Blockheizkraftwerk an den Start. Die Anlage versorgt den mehr als 60.000 Quadratmeter großen Büro- und Lagerkomplex dezentral und bedarfsgerecht mit umweltfreundlicher Energie. In den Sommermonaten wird mit der Heizenergie Kälte produziert, was die Großkälteanlagen für das Tiefkühl- und Kühllager des Logistikzentrums entlastet. Die rund 4,5 Millionen Kilowattstunden Strom, die pro Jahr produziert werden, werden in das Stromnetz eingespeist. Quelle: dpa
Molkerei GropperNeben Joghurts, Kaffeespezialitäten und Säften produziert die bayrische Molkerei Gropper seit Beginn des Jahres auch Energie. Die durch das gasbetriebene Blockheizkraftwerk gewonnene Energie kommt dabei in erster Linie der Stromversorgung zugute, die zu 65 Prozent den Eigenbedarf deckt. Auch Gropper erzeugt aus einem Teil der Abwärme Kälte, um damit seine Produkte zu kühlen. Mit dem anderen Teil wird Wasserdampf erzeugt, der der Herstellung von Joghurt, Pudding oder haltbarer Sahne dient. „Die steigenden Kosten der vergangenen Jahre, auch im Energiebereich, haben diesen Schritt für uns notwendig und auch sinnvoll gemacht“, sagt Gropper-Inhaber Heinrich Gropper. Er geht davon aus, dass er sein Blockheizkraftwerk bald ausbauen wird, um den Energiebedarf langfristig nur noch aus Eigenproduktion zu decken. Quelle: dpa
StuteAls Vorreiter der Eigenversorgung in der Lebensmittelindustrie gilt der Handelsmarkenproduzent Stute in Paderborn, der Säfte und Konfitüre für Handelsunternehmen wie Aldi herstellt. Das Familienunternehmen hat in den vergangenen Jahren fast 15 Millionen Euro investiert: 9,5 Millionen Euro flossen in mehrere Fotovoltaik-Anlagen, die sich am Firmensitz auf Dächern und Freiflächen mittlerweile auf 95.000 Quadratmetern erstrecken. 4,5 Millionen Euro steckte Stute in drei Windräder, die pro Jahr 7,2 Millionen Kilowattstunden liefern. Den Energiemix komplettiert eine Biogasanlage, die mit Abfällen aus der Fruchtverarbeitung arbeitet. Die Investitionen in die Autarkie zeigen Wirkung. Stute liegt bei der Eigenversorgung mit Strom schon bei rund 50-Prozent. Und das zu günstigen Tarifen. Weil keine Abgaben für den selbst produzierten und verbrauchten Strom anfallen, rechnet Stute mit Stromkosten von weniger als fünf Cent pro Kilowattstunde – fast so wenig, als würde sich das Unternehmen jeden Tag preiswert auf dem Spotmarkt an der Leipziger Strombörse bedienen. Quelle: dpa
BMWVier knapp 180 Meter hohe Windmühlen stehen am Westrand des BMW-Werksgeländes in Leipzig. Im Herbst dieses Jahres startet dort die Serienproduktion des Elektrofahrzeugs BMW i3, im Frühjahr 2014 soll die Sportwagenvariante BMW i8 folgen. Die vier Mühlen schaffen eine Leistung von zehn Megawatt und sollen mehr als 25 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern, so viel, wie 8000 Haushalte verbrauchen. Weht kein Wind, muss BMW seinen i3 mit ganz ordinärem Strom aus dem öffentlich zugänglichen Netz produzieren. Der Strom der Windräder allerdings ist komplett dem Verbrauch im Werk vorbehalten und geht nicht ins Netz. Realisiert hat das Projekt der Entwickler wpd aus Bremen. Er betreibt den Miniwindpark und verkauft den Strom an BMW. Quelle: dpa

Was heißt das? Im Jahr zwei nach der Energiewende trachten immer mehr Unternehmen danach, Elektrizität in Eigenregie zu erzeugen, um die wachsenden Netzentgelte, Ökostromumlage, Steuern und Abgaben zu sparen. Jeder versucht, dem System zu entkommen und baut eigene Kraftwerke. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) verfügen in der Industrie acht Prozent von 2300 befragten Unternehmen schon über eine eigene Stromfabrik. Bei weiteren 21 Prozent sind Anlagen geplant oder im Bau. „Die hohen Energiepreise für öffentlich bezogenen Strom in Verbindung mit sinkenden Gestehungskosten erneuerbarer Energien  machen die Eigenerzeugung für viele Unternehmen attraktiv“, lautet das Fazit der DIHK-Studie.

Namhafte Industrieadressen montieren sich eigene Stromerzeugungsanlagen auf das Werksgelände: Daimler, BMW und große Handelsketten wie Aldi. Damit ist zum Beispiel Aldi in der Lage, Strom mit einer Gesamtleistung von über 70 Megawatt zu produzieren, das ist ein Zehntel eines kleinen Atomkraftwerks. Und der Handelskonzern Metro hat vor zwei Monaten für seine Märkte am Konzernsitz in Düsseldorf sowie in Berlin-Marienfelde eigene Blockheizkraftwerke in Betrieb genommen. Die Metro hat eine Kooperation mit E.On. Der Versorger berät die Handelskaufleute in Sachen Energieeffizienz.

Dennoch wettert E.On-Chef Teyssen öffentlich, zuletzt im Interview mit der FAS, gegen die Strom-Eigenversorgung und bezeichnet die Betreiber solcher Anlagen als „Schwarzbrenner“, die Abgaben sparen wollen. „Ich vergleiche das“, sagt Jurist Teyssen, „mit Schwarzbrennerei von Alkohol. Die Leute produzieren Strom für sich selbst und geben ihn nur gelegentlich ins Netz ab. Sie machen das mit Photovoltaikanlagen, mit Windrädern oder auch kleinen Blockheizkraftwerken.“

Blockheizkraftwerke? Gerade die hat Metro für sich als Eigenstromversorgung errichten lassen, mit Hilfe von E.On. Sind die Metro-Manager nun Schwarzbrenner, also Kriminelle? Schwarzbrennerei ist ein Vergehen gegen das Branntweinsteuergesetz, es wurden in Deutschland schon deswegen Haftstrafen verhängt. „Was das der richtige Vergleich?“, sinniert ein E.On-Manager über die starken Worte des Vorsitzenden nach.

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Das Branntweinsteuergesetz leitet sich vom staatlichen Branntweinmonopol ab, das im Grundgesetz festgeschrieben ist. Die deutsche Stromwirtschaft war auch einmal ein Monopol. „Das hat Herr Teyssen bestimmt nicht so gemeint“, sagt ein E.On-Aufsichtsrat mitfühlend.

RWE geht einen anderen Weg. Konzernchef Terium will im Vertrieb, nach einem vertraulichen Strategiepapier, das das Handelsblatt Mitte dieser Woche veröffentlichte, und im Verteilnetz neue Geschäftsmodelle für dezentrale Energien entwickeln. Damit wird RWE ein wichtiger Partner für die deutsche Industrie.

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