Energieversorgung Gefährliche Zockerei von Stromhändlern?

Ein Brief der Bundesnetzagentur beschuldigt Stromhändler, an den eisigen Tagen des Februars mit ihren Geschäften die Versorgungssicherheit gefährdet zu haben.

Die Agenda der Energiekonzerne 2012
RWE: Beim zweitgrößten deutschen Energiekonzern steht ein Wechsel im Vorstandsvorsitz an. Quelle: dpa
Hans-Peter Villis Quelle: dapd
 Werner Müller Quelle: dpa
RAG-Stiftung Quelle: dpa
Steinkohlebergbau an der Saar Quelle: dpa
E.On Quelle: dpa

Mittlerweile ist es bestätigt: Es gibt das Schreiben aus der Bundesnetzagentur, in dem Stromhändler mit einem schweren Vorwurf konfrontiert werden. Die „Berliner Zeitung“ zitiert darin den Satz, dass der deutsche Strommarkt offenbar durch gefährliche Handelsgeschäfte in die Nähe eines Zusammenbruchs gebracht worden sei. Bewiesen ist derzeit nichts. Aber das Schema sieht offenbar so aus, dass die Händler die Geschäfte ohne Auftrag aus der Industrie durch Hin- und Her-Verkaufen die für die Netzsicherheit wichtige Regelleistung angegriffen haben, die nötig ist, um im Störfall die Stromversorgung sicher zu stellen.

Ob der in dem Brief formulierte Vorwurf stimmt, ist noch nicht bewiesen.

Gefährdete Stromversorgung

Grundsätzlich ist ein Störfall bei großer Kälte und Windstille möglich und realistisch –und die Angst des Spannungsabfalls in Zeiten hohen Stromverbrauchs beherrschte in den vergangenen Tagen die gesamte Energiewirtschaft. Die Händler haben nach dieser Darstellung auch die Prognosen für den Stromverbrauch ihrer Industriekunden nach unten geschraubt, um zu vermeiden, Höchstpreise für Strom bezahlen zu müssen.

Der dann fehlende Strom musste dann durch die Regelleistung gedeckt werden, was quasi ein Angriff auf die eiserne Stromreserve im Kälte-Notfall gewesen wäre. Im Klartext: Die Versorgungssicherheit war nicht nur durch mangelnde Netze, wegfallende Kernkraftkapazitäten und fehlende Investitionen in grundlastfähige Kohlekraftwerke gefährdet, sondern auch durch Stromhändler, so der Vorwurf.

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Die Stromhandelstochter des Versorgers E.On weist die Manipulationsvorwürfe der Bundesnetzagentur zurück. Auch die Presseberichte seien sachlich falsch. So würden Stromhändler beispielsweise gar keine Lastprognosen abgeben. Stattdessen habe E.Ons Stromhandel die Netzbetreiber während der Kälteperiode massiv unterstützt und so die Stromversorgung gesichert. Trotz Dementi, ist allein der Verdacht, dass Händler die Stromversorgung durch einen Angriff auf die Regelleistung gefährdet haben könnten, ein zusätzliches Argument, den Masterplan der Energiewende rasch umzusetzen. Wer Strom produziert, darf nicht durch lustvoll handelnde Marktteilnehmer an den Rand des Stromausverkaufs – und des Netzausfalls – gebracht werden.

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