WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Energiewende Der wirtschaftliche Schaden eines schnellen Atomausstiegs

Seite 3/4

Moralexport, Atomimport

Solaranlage Quelle: dpa

Anders sähe das Ergebnis aus, wenn es tatsächlich zum beschleunigten Einstieg in das Zeitalter der Erneuerbaren kommt, wie ihn politische Sonnenanbeter und die Bundesregierung anstreben. Denn Elektrizität aus Wind kostet derzeit in der Herstellung 11 bis 14 Cent, Solarstrom gar bis zu 31 Cent je Kilowattstunde. Zudem haben die Experten günstigen Atomstrom aus dem Ausland eingerechnet, der den Preis in Deutschland dämpft. Ausbremsen lässt sich der im freien Europa kaum – politisch allerdings dürfte ihn die Bundesregierung nicht zulassen, wenn sie den Ausstieg aus der ihrer Meinung nach nicht mehr verantwortbaren Kernkraft ehrlich meint.

Dennoch haben sich die Schätzungen der meisten Experten auf rund einen Cent pro Kilowattstunde Preiserhöhung an der Kraftwerksturbine eingependelt. Ein weiterer Cent könnte durch die höheren Netzgebühren hinzukommen, wenn nun in den kommenden Jahren mit besonderem Eifer Hochspannungsleitungen übers Land und unter die Erde gezogen werden. Auch da streiten die Beteiligten: Während die Dena den Bedarf an neuen Leitungen – auch in Abstimmung mit der Windenergie-Lobby – auf 3600 Kilometer beziffert, hält der Bundesverband für Erneuerbare Energien lediglich 1100 Kilometer für nötig, Eurosolar gar nur 250 Kilometer.

Kraftwerksersatz und Netzzubau träfe Unternehmenskunden wie private Haushalte fast gleichermaßen, aber über unterschiedliche Wirkungsketten:

Energieintensive Branchen zahlen nur eine vergleichsweise symbolische Umlage, müssen aber den Großhandelspreis berappen. Steigt dieser, wächst auch ihre Belastung. Gleich nach dem Fukushima-Desaster stieg die Notierung für Terminkontrakte an der Leipziger Strombörse um bis zu 15 Prozent.

Für unternehmerische Normalverbraucher und die privaten Haushalte ist der Börsenpreis weitgehend irrelevant, weil sich die Kalkulation ihres Tarifs nach dem teuersten Kraftwerk richtet, das normalerweise am Netz ist. „Vom Wohlfahrtsgedanken her sind Kernkraftwerke nicht zwingend“, sagt Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Es werden ja keine günstigen Atomstromtarife angeboten.“ Zudem zahlt der Bürger ebenfalls die steigende Netzgebühr, zusätzlich die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Wegen des rasanten Zubaus vor allem der teuren Fotovoltaik schoss der Obolus innerhalb eines Jahres von 2,0 auf 3,5 Cent je Kilowattstunde nach oben.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%