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Energiewende Der wirtschaftliche Schaden eines schnellen Atomausstiegs

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Des einen Freud...

Großhandelspreis Strom

In Zukunft wird es mit dem Zuschlag, der die bislang nicht wettbewerbsfähigen Erneuerbaren subventioniert, nicht mehr so steil nach oben gehen – obwohl der Ausbau von Wind- und Sonnenenergie, von Biogas-anlagen oder Wasserkraftwerken munter weitergehen soll. Der Grund für die überraschende Stabilität ist just der steigende Preis an der Strombörse. Denn die EEG-Umlage errechnet sich aus dem Zuschussbedarf aller installierten erneuerbaren Erzeugung im Vergleich zum Börsenpreis. Verteuert die Regierung mit ihrer Ausstiegspolitik dort die Notierungen, dämpft sie die Steigerung der EEG-Umlage.

Für Privathaushalte und Industrie wäre das ein völlig neues Gefühl. Bislang war die Umlage auch deshalb so hoch, weil die Industrie von dieser Zusatzbürde befreit war. Nun würde die Last der Wirtschaft wachsen, und die Bürger würden profitieren. Das Horrorszenario für die Mitarbeiter in den energieintensiven Branchen: Zu Hause bleibt das Licht an, aber der Job ist weg.

Umgekehrt schafft der staatlich verordnete Strukturwandel neue Arbeitsplätze und damit Wachstum. „Von den Summen her ist das ein unglaubliches Konjunkturprogramm“, sagt DIW-Energieexpertin Kemfert. „Wichtig ist nur, dass die Bundesregierung den Ausstieg besonnen angeht, damit jetzt nicht in Kohlekraftwerke investiert wird, die zwar effizient sind, aber für das Klima problematisch.“

Dennoch ist der schnelle Ausstieg eine Vernichtung von Volksvermögen. Der Stuttgarter Energie-Professor Alfred Voß vergleicht die Stromproduktion aus abgeschriebenen Kernkraftwerken mit den Kosten des angestrebten neuen Energiemixes. Das ergäbe 90 Milliarden Euro an volkswirtschaftlichem Schaden. Denn dieselbe Menge Elektrizität wird mit Kohle und Gas, Wind und Sonne teurer hergestellt. Unterm Strich freilich bleibe nicht alles an Deutschland hängen. Denn im EU-Binnenmarkt führt Deutschlands Ausstieg zu Preissteigerungen auf dem gesamten Kontinent: Durch den Zubau fossiler Kraftwerke steigen die Preise für die in ganz Europa gehandelten, aber gedeckelten CO2-Zertifikate, die erst den Ausstoß des Treibhausgases erlauben. Der Nachfragesog nach Importstrom verknappt anderswo das Elektrizitätsangebot. Folge: EU-weit steigen die Strompreise. Voß: „Die Nachbarn finanzieren unseren Ausstieg mit. Bei einem Ausstieg schon 2017 dürfte der volkswirtschaftliche Schaden bei rund 72 Milliarden Euro liegen.“

Zudem werden die alten Investitionen obsolet. Denn der Atomausstieg funktioniert nach dem Prinzip der Abwrackprämie in der Konjunkturkrise: Damals wurden noch brauchbare Autos verschrottet, damit die Kunden neue Wagen kaufen. Nun werden auch jüngere Kernkraftwerke, die in anderen Ländern zwischen 40 und 60 Jahren laufen, nach gut 30 Jahren stillgelegt. Der Unterschied: Damals bekamen die Besitzer der Verschrottungsopfer pro Wagen 2500 Euro Abwrackprämie. 

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