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Energiewende Was tun, wenn der Blackout kommt?

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Wirtschaftsregionen mit Überangebot und mit Mangel an Stromerzeugung

Käme es hart auf hart, schreibt das Energiewirtschaftsgesetz ohnehin vor, dass die Netzbetreiber Produzenten oder Kunden auch gegen deren Willen abschalten können. Ebenso können sie verfügen, dass einzelne Verbraucher nach einem Blackout erst mal nicht wieder ans Netz dürfen, um das labile System nicht zu gefährden. Tritt eine „Versorgungsstörung für den lebenswichtigen Bereich“ ein, wie es im Gesetz heißt, geht die Verantwortung für den Netzbetrieb auf die Bundesnetzagentur über. Dann übernimmt der Staat die Regie. Was bei einem Stromausfall passieren kann, darauf gab der Blackout im Münsterland nur einen Vorgeschmack. „Die Abhängigkeit unserer Gesellschaft von einer funktionierenden Versorgung mit Strom ist gewachsen“, warnt Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). „Versorgungsunterbrechungen können zu Ausfällen und Störungen in nahezu allen anderen Infrastrukturen und Bereichen der Gesellschaft führen und schwerwiegende ökonomische und soziale Folgen nach sich ziehen.“

Was dies für das Industrieland Baden-Württemberg im schlimmsten Fall bedeuten würde, das aufgrund der nun fehlenden Atomkraft besonders auf Stromzufuhr angewiesen ist, hat das BBK bereits 2004 ermittelt. Die Folgen für Bosch, Daimler oder Porsche wären fatal. Schon nach 24 Stunden ohne Strom würde das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben fast vollständig zum Erliegen kommen. Als Erstes bräche die Telekommunikation über das Festnetz zusammen, weil die Telefongeräte und Internet-Modems tot wären. Einzelhändler, Bankfilialen, Krankenhäuser und Pflegeheime bekämen Probleme mit den Türen, weil die elektronischen Schließsysteme nicht mehr funktionieren. Ohne Strom ist auch die Versorgung mit Warmwasser und Fernwärme unterbrochen. Bereits am zweiten Tag träten erste Engpässe im Handel auf, etwa weil die Warenwirtschaftssysteme und die daran gekoppelte Logistikkette mit zeitgenauer Anlieferung unterbrochen sind.

Ob solche Horrorszenarien eintreffen, wird auch von den Mitarbeitern der Netzbetreiber an ihren großen Steuerungspulten in den übers Land verteilten Kontrolltürmen abhängen. Weil neben den Braunkohlekraftwerken künftig weniger AKWs Grundlaststrom liefern, müssen sie mehr als bisher zwischen unter- und übervorsorgten Landstrichen, zwischen windstromreichen Regionen wie Norddeutschland oder windstromarmen Gegenden wie Baden-Württemberg ausgleichen. Bricht die Spannung an einer Stelle völlig ein, dauert es lange, sie wieder herzustellen. Auch das benachbarte Kraftwerk hilft da nicht.

Selbst Kraftwerke, die vorübergehend wegen Stromüberschuss abgeschaltet sind, bringen auf die Schnelle wenig. Steinkohlemeiler brauchen selber Strom, um anzufahren. Ist das Netz tot, kann es „zwei oder drei Tage länger dauern, bis das Kraftwerk wieder Strom an die Verbraucher liefert“, sagt ein Netzingenieur. Nicht auszuschließen, dass ein abgestürzter Ballungsraum den anderen nachzieht. Ein solcher Dominoeffekt erschreckte im November 2006 ganz Europa.

Ob der Strom in diesem Jahr allerdings wirklich mehr als die bisher üblichen 18 Minuten in Deutschland ausfällt, wagt im Augenblick niemand zu prognostizieren. Sicher ist nur, dass die Folgen von Branche zu Branche variieren und von der Dauer der Stromunterbrechung abhängen – und wer den Wettlauf gegen die Zeit dann am längsten durchstehen kann.

Wenige Minuten ohne Strom

Hausfrauen und -männer müssen sich nicht sorgen. Kühlschrank und Gefriertruhe können selbst Stromausfälle von einigen Stunden Dauer locker überbrücken, ohne dass das Essen verdirbt.

Bei klassischen PCs ist dies allerdings anders. Sie reagieren auch auf wenige Sekunden ohne Strom meist mit schlagartigem Datenverlust. Anders als Laptops besitzen normale Schreibtischcomputer keine Stromversorgung über Akkus. Kleinen und mittelgroßen Unternehmen droht damit der Verlust wertvoller Kundendaten, die Beeinträchtigung der Kalkulation oder das Verschwinden ganzer Konstruktionszeichnungen. Die Kosten für die Wiederherstellung summieren sich schnell auf vier- bis fünfstellige Euro-Beträge. Nur Unternehmen, die ihre IT für 100 bis 500 Euro mit Batterien gepuffert haben, sind fein heraus. Fällt der Strom aus, haben sie genügend Zeit, die Daten zu sichern.

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