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Entwöhnung von der Atomvergangenheit Versorger-Riese EnBW droht an Energiewende zu zerbrechen

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Die Konkurrenz zieht vorbei

Die Agenda der Energiekonzerne 2012
RWE: Beim zweitgrößten deutschen Energiekonzern steht ein Wechsel im Vorstandsvorsitz an. Quelle: dpa
Hans-Peter Villis Quelle: dapd
 Werner Müller Quelle: dpa
RAG-Stiftung Quelle: dpa
Steinkohlebergbau an der Saar Quelle: dpa
E.On Quelle: dpa

Gegenüber der Konkurrenz fällt EnBW damit klar ab. RWE mit seiner Grünstrom-Sparte RWE Innogy hat mit den Windparks North Hoyle und Rhyl Flats vor der walisischen Küste und dem Windkraftwerk Thornton Bank vor belgischen Gestaden bereits über 350 Megawatt Windkraftleistung installiert, siebenmal so viel wie EnBW. Und die Essener forcieren mit Macht ihre grüne Expansion. So baut RWE Innogy derzeit alleine oder mit Partnern Offshore-Windkraftwerke in Europa mit einer Leistung von 1.000 Megawatt. Bis 2014 will sich das Unternehmen Genehmigungen für weitere Offshore-Windprojekte im Umfang von 5.000 Megawatt sichern.

Übersicht zu den Jahresfehlbeträgen deutscher Energiekonzerne (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Wie groß der Vorsprung des Ruhrkonzerns vor EnBW ist, zeigt ein Randthema. So hat RWE Innogy für den Bau und Betrieb seiner Offshore-Windkraftanlagen sogar ein Logistikunternehmen gegründet, die RWE Offshore Logistik Gesellschaft OLC. Die neue Tochter ist für die aufwendige Logistik beim Bau der Offshore-Windparks verantwortlich, bei dem Hunderte Tonnen schwere Turbinen und Fundamente zentimetergenau an ihre Standorte geschafft werden müssen. OLC betreibt zudem eine Hafenanlage in Bremerhaven, in der die Rotoren, Gondeln und Türme vormontiert sowie verladen werden. Von solchen Schritten ist EnBW weit entfernt.

Ebenso herrscht bei EnBW Flaute an Land. Bis heute installierte der Konzern Onshore-Windmühlen mit einer Gesamtleistung von nur rund 170 Megawatt. Nun sollen mit einem Kooperationspartner jährlich 60 Megawatt hinzukommen. Wie wenig Elan der Südwesten beim Wind entfaltet, zeigen aktuelle Zahlen der Betreiber. Danach wurde zum Beispiel im Juni im ganzen Ländle nur ein einziges neues Windrad errichtet, im April sogar keines. Insgesamt kamen im ersten Halbjahr 2012 ganze sechs neue Propeller zusammen. Vor einer „Verspargelung“ der Landschaft, wie einst die Atomlobby über die Windmüller spottete, müssen sich die Schwaben und die Badener nicht fürchten.

Wankendes Gebilde

Auch „von der Sonne verwöhnt“ sind im Südwesten der Republik allenfalls die Reben. EnBW-Strommanager scheuten eher das Licht. Erst 2011 erhöhten sie mit neuen Solarparks in Ulm-Eggingen und Leibertingen die Stromerzeugung durch Fotovoltaik von 3,5 auf 10 Megawatt.

Derlei stellt der Mittelständler GP Joule mit Sitz in Nordfriesland und im schwäbischen Geislingen mit links in den Schatten. Allein in der ersten Jahreshälfte brachte GP Joule mehr als 60 Megawatt Solarleistung ans Netz. Und EnBW-Konkurrent RWE wagt Gigantisches: Die Essener kündigten an, bis Jahresende 1.000 Megawatt Solarkapazität allein auf Dächern von Supermärkten installieren zu wollen.

Übersicht zum Anteil der Kernenergie in Baden-Württemberg (zum Vergrößern bitte Bild anklicken)

Die Frage nach der Daseinsberechtigung

Für seine Strategie hat Mastiaux’ Vorgänger Villis bis zum letzten Tag im Amt gehofft, dass baden-württembergische Stadtwerke oder Stadtwerkverbünde wie die Mannheimer MVV einen Schulterschluss mit EnBW eingehen. „Die Stadtwerke sehen das Gesamtgebilde EnBW wanken“, sagt ein schwäbischer Stadtwerker. Offenbar denken er und seine Kollegen in eine andere Richtung. Geht es nach ihnen, könnte das Geschäft von EnBW auch unter den Stadtwerken aufgeteilt werden. Nachdem sogar Daimler nicht mehr auf den Platzhirsch EnBW angewiesen sei, kursiere in Baden-Württemberg die Frage, so der Chef eines großen Stadtwerks: „Wozu gibt es überhaupt EnBW, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet werden und die lokalen Stadtwerke es besser können?“

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Von Mastiaux gibt es nicht viele öffentliche Äußerungen. Einmal zeigte er sich mutig. Er lobte den „Elan der Chinesen, in Clean-Tech zu investieren“, sowie die Visionen von Apple-Gründer Steve Jobs. Davon könne auch die Energiewirtschaft lernen. Da verlangt er seinen Landsleuten viel ab.

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