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Erneuerbare Energien Satte Aufträge für angeschlagene Solarindustrie

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Boomphase sinnvoll nutzen

Das bittere Fazit aus einem Jahr Energiewende
Kühltürme des Braunkohlekraftwerkes der Vattenfall AG im brandenburgischen Jänschwalde (Spree-Neiße) Quelle: dpa
Freileitungen verlaufen in der Nähe eines Umspannwerkes bei Schwerin über Felder Quelle: dpa
Die Flagge Österreichs weht auf einem Hausdach Quelle: dpa
Ein Strommast steht neben Windkraftanlagen Quelle: AP
Windräder des Windpark BARD Offshore 1 in der Nordsee Quelle: dpa
Eine Photovoltaikanlage der Solartechnikfirma SMA Quelle: dpa
Euroscheine stecken in einem Stromverteile Quelle: dpa


Doch die Gründe für die aktuelle Hochphase bei einigen angeschlagenen Solaristen sind vielfältig und liegen nicht allein in der Insolvenz. Vor allem die enorm hohe Nachfrage in den ersten Monaten des Jahres spielt der darbenden Branche mächtig in die Karten. In der Regel herrscht in diesem Zeitraum sonst Flaute. Ganz anders in diesem Jahr. Die von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ins Spiel gebrachten Förderkürzungen haben die Nachfrage im 1. Quartal 2012 kräftig angefacht. Zusätzlich haben die Anlagenpreise neue Tiefststände erreicht. Einen Zubau von 1,8 Gigawatt registrierte die Bundesnetzagentur allein von Januar bis März. Im gleichen Vorjahrszeitraum waren es lediglich rund 500 Megawatt.

Für viele Unternehmen gilt es in dieser Boomphase nun, das Interesse potenzieller Investoren zu wecken: Je mehr Interessenten sich finden, desto größer ist die Chance, die Verkaufserlös nach oben treiben zu können. Die öffentlichen Bekundungen der Insolvenzverwalter von großem Käuferinteresse dienen diesem Zweck. Und natürlich jeder neue Auftrag der hereinflattert und veröffentlicht wird. „ Der Insolvenzverwalter ist auch Auktionator. Er muss möglichst viele Käufer anlocken. Angesichts der großen Überkapazitäten ist die Meldung von Investoreninteresse jedoch oft nur Taktik,“ sagt Wolfgang Hummel, Chef des Zentrums für Solarmarktforschung in Berlin.

Moral hochhalten

Auffallend viele Großprojekte konnten sich die oft finanzschwachen deutschen Solarunternehmen wie Q-Cells an Land ziehen. Michael Harre, Chef der europäischen Solarsparte des koreanischen Elektronikgiganten LG Electronics, überrascht das nicht: „Der Fokus bei diesen von Investoren getragenen Solarkraftwerken liegt auf der Rentabilität.“ Und wenn man den Investoren genügend Sicherheiten gebe, woher diese in einer Insolvenzphase auch immer stammen mögen, dann komme das Geschäft zustande. Häufig spielten dabei Marke, Qualität und unternehmerische Substanz eine untergeordnete Rolle. „Bei diesen Großprojekten werden deutlich niedrigere Verkaufspreise für Module erzielt. Finanziell ist das selten attraktiv für die Solarhersteller,“ weiß Harre.

Das Problem bei jeder Insolvenz sei der „Blutverlust“ durch qualifizierte Mitarbeiter, glaubt Solarexperte Hummel: „Es gilt die Regel: Die Qualifiziertesten gehen als Erste. Die Schwachen warten die Entlassung ab und strengen die Kündigungsschutzklage an. Der Insolvenzverwalter muss daher alles daran setzen, die Leistungsträger zu halten. Das bedeutet, dass man auch nicht kostendeckende Aufträge hereinholt.“

Ohnehin. Manchmal macht es sogar Sinn, auch bei schwacher Nachfrage und bei hohen Lagerbeständen Module bauen zu lassen, denn sonst bleibt ohnehin nur die Abschreibung der Warenbestände. Und die Entsorgung kostet obendrein auch noch Geld. Im Moment sei sehr viel Psychologie im Markt, sagt Hummel. „Kein Käufer kauft nur Maschinen. Was er sehen will ist auch eine motivierte Mannschaft. Es gilt daher die Moral hochzuhalten. Manchmal auch mit Durchhalteparolen.“

In Arbeit
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Viele Mitarbeiter in der Solarwirtschaft erleben die Insolvenz zunächst als Befreiung nach einer Phase der Unsicherheit. Eine monatelange Hängepartei mit der täglichen Drohung von Arbeitslosigkeit geht zu Ende. Die Insolvenz ist dann das Ende mit Schrecken statt des Schreckens ohne Ende. Zudem spüren die Mitarbeiter in der Phase nach der Insolvenzanmeldung keine Lohnachteile, da in der Regel ersatzweise Insolvenzgeld gezahlt wird. Für die Sanierung hat das Insolvenzgeld den Vorteil, dass in diesem Zeitraum keine Lohnkosten gezahlt werden müssen. Faktisch sind die drei Monate Insolvenzgeldzahlung auch der Zeitraum in denen ein Investor gefunden werden muss.

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