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Erneuerbare Energien China überrollt die deutsche Ökoindustrie

China baut seine Solar- und Windindustrie zur neuen Ökogroßmacht aus. Die deutsche Grünstrom-Branche wird von der Konkurrenz aus Fernost geradezu überrollt.

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Ausflugsziel Windpark: In der Inneren Mongolei entstehen die größten Windfarmen der Welt

Einladend ist die Gegend nördlich von Baotou nicht. Schon kurz hinter der gesichtslosen Industriestadt in der Inneren Mongolei, 650 Kilometer nordwestlich von Peking, stehen kaum noch Bäume. Je weiter der Weg nordwärts führt, desto seltener werden auch Sträucher und Büsche. Übrig bleiben staubige Straßen, karge Hügel – und beißender Wind.

Er macht die öde Steppe im Norden Chinas zum Lieblingsstandort der Windanlagenbetreiber. Schon jetzt reiht sich ein riesiger Windpark an den anderen. Wohin man blickt, in allen Himmelsrichtungen drehen sich die Windräder.

Es sollen noch viel mehr werden. Auf der Windfarm des Stromversorgers Zhangze aus der Nachbarprovinz Shanxi zum Beispiel stehen heute 33 Turbinen mit einer Leistung von 50 Megawatt (MW). Sie versorgen rund 40 000 Haushalte mit Elektrizität. „Bald werden es 200 Megawatt sein“, berichtet Windpark-Manager Guo Juyang. Fast alle chinesischen Betreiber verfolgen ähnlich ambitionierte Ausbauziele.

Viel Geld für regenerative Energien

Die Regierung in Peking unterstützt sie nach Kräften: So erhalten Windmüller etwa das Land für ihre Mühlen kostenlos. Mit ihrer Windstrom-Offensive verfolgt die chinesische Regierung einen kühnen Plan: Sie will große Teile der Energieversorgung auf saubere Quellen umstellen.

Das ist bitter nötig. Derzeit geht in China fast jede Woche ein neues Kohlekraftwerk ans Netz. Doch noch schneller will die Pekinger Regierung bis 2020 die Kernkraft und die erneuerbaren Energien ausbauen: Atom von 9 auf 86 Gigawatt (GW) Leistung, Wasserkraft von 196 auf 300 GW, Wind von 16 auf 150 GW, Solar von weniger als einem auf 20 GW. So soll der Anteil der Kohlekraftwerke am Strombedarf in zehn Jahren von 74 Prozent auf 61 Prozent schrumpfen.

Das lässt sich die Regierung einiges kosten. Im Fünfjahresplan des Pekinger Regimes, der 2011 in Kraft tritt, sind Medienberichten zufolge umgerechnet mehr als 540 Milliarden Euro für alternative Energien vorgesehen. Das wäre gut zehn Mal mehr, als Deutschland in diesem Zeitraum in den boomenden Sektor stecken will.

Der grüne chinesische Aufbruch lockt massiv Investoren an. 11,5 Milliarden Dollar investierten internationale Banken, Versicherungen und Pensionsfonds im zweiten Quartal dieses Jahres in Öko-kraftwerke und Biotreibstoffanlagen. Laut einer aktuellen Studie der Finanzanalysten von Bloomberg New Energy Finance (BNEF) war das erstmals mehr, als Investoren zur gleichen Zeit in die grünen Leitmärkte USA und Europa investierten.

Mit dem Energieschwenk will Chinas Führung zum einen nach der Solar- auch die Windindustrie zur weltweiten Nummer eins machen. Noch haben europäische und US-Unternehmen dort die Nase vorn. Zum anderen soll die rasante Zerstörung der Umwelt gebremst werden.

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