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Erneuerbare Energien Platzt der Traum vom billigen Meeres-Strom?

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Ein Blick auf die 15 aussichtsreichsten Offshore-Projekte bestätigt die ernüchternde Perspektive: Selbst die Realisierung der fünf am besten bewerteten Windparks könnte laut Briese am Ende noch scheitern oder sich verzögern.

Die Gründe sind vielfältig. Für einige Projekte fehlen noch Spezialschiffe, mit denen die Ingenieure tonnenschwere Windräder aufs Meer transportieren können. Bei anderen hakt es, weil Netzbetreiber den Anschluss der Windparks verweigern. Wieder andere Betreiber leiden darunter, dass sie zu wenig Fachkräfte finden. Dabei werden gerade sie dringend gesucht: "Es gibt im Ingenieurbau und in der Logistik wenige so komplexe Projekte wie die Errichtung von Meeres-Kraftwerken", sagt Briese.

Größtes Hindernis auf dem Weg in die Offshore-Ära ist laut wind:research jedoch das fehlende Geld. Rund 100 Milliarden Euro verschlingt der Bau der Anlagen bis 2030.

Briten bevorzugt

Windparks mit 80 Maschinen und 400 Megawatt Leistung kosten in der Regel 1,4 Milliarden Euro. Zwei Drittel davon werden üblicherweise fremdfinanziert. Wenn Banken aber überhaupt einsteigen, begrenzen sie ihr Engagement wegen der zahlreichen Risiken zumeist auf 50 Millionen Euro. Um die etwa 930 Millionen Euro Fremdkapital aufzutreiben, müssen daher mitunter bis zu 20 Banken eingebunden werden. "Das ist fast so schwierig wie die Dressur eines Sacks voller Flöhe", sagt wind:research-Chef Briese.

Anders ist die Situation, wenn große Energieversorger wie RWE, E.On, Vattenfall oder EnBW die Meeres-Kraftwerke bauen. Ob das Geld allerdings in konventionelle oder erneuerbare Anlagen fließt, entscheidet die zu erwartende Rendite. Doch die ist bei deutschen Offshore-Projekten mit vier bis sieben Prozent "nicht ausreichend", kritisieren die Experten der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG in einer Studie über Offshore-Windparks in Europa.

Die Folge: Energiekonzerne und internationale Finanzinvestoren stecken ihr Geld lieber in britische Windparks. Dort sind Risiken kleiner und Kosten niedriger, weil die Anlagen nah an der Küste stehen. Zudem winkt eine höhere Rendite, weil die Betreiber für jede Kilowattstunde etwa zwei Cent mehr erhalten als in Deutschland. "Da ist ein intensiver Wettbewerb um Kapital, Kapazitäten und Investitionen entbrannt", sagt wind:research-Manager Briese.

Wie schwer es sich Deutschland in diesem Wettbewerb macht, wird beim Anflug auf die Bard-Anlagen vor Borkum sichtbar: Lange ist unter den lärmenden Flügelschlägen des 18-sitzigen Sikorsky-Hubschraubers außer Wasser und ein paar Frachtschiffen am Horizont nichts zu sehen. Erst nach einer guten Dreiviertelstunde Flugzeit tauchen die Windmühlen in den glitzernden Fluten auf. Obwohl hoch wie der Kölner Dom, wirken die Maschinen in der Weite der See klein wie Spielzeugmodelle.

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