WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Erneuerbare Energien Platzt der Traum vom billigen Meeres-Strom?

Seite 3/5

Der indische Quelle: dpa

So wollten es die Politiker: Weitab der Zivilisation, so ihr Kalkül, würde es weder Proteste aufgebrachter Wutbürger geben noch von Bürgermeistern, die um ihre Feriengäste fürchten.

Doch die Verbannung der Parks auf hohe See macht diese zu den teuersten der Welt: Lange Kabeltrassen und Transportwege treiben die Kosten ebenso wie der aufwendige Bau für große Wassertiefen geeigneter Fundamente. Zudem brauchen die Parks eigene Umspannstationen und ständig bemannte Service-Plattformen für Wartungen und Reparaturen. All das sind Techniken, mit denen bislang kaum ein Unternehmen Erfahrung auf hoher See sammeln konnte.

Doch von solchen Problemen sprechen die beiden eingeflogenen Politprofis an diesem Tag nicht. Ministerpräsident McAllister schwärmt lieber "von einer Jahrhundertchance für die Nordseeküste", EU-Energiekommissar Oettinger sagt Offshore sogar eine "glänzende Zukunft" voraus.

Viel Lehrgeld gezahlt

Dabei hätten sie hier die schwierigen Bedingungen exemplarisch kennenlernen können, unter denen Deutschland den Meereswind ernten will. Gerade die Pioniere von Bard haben viel Lehrgeld zahlen müssen. Erst warteten sie fast ein Jahr auf das bei einer litauischen Werft in Auftrag gegebene Spezialschiff, um die Fundamente setzen zu können. Als es endlich einsatzbereit war, unterbrach ein Unglück mit einem 90 Meter langen Fundamentrohr, das aus einigen Metern Höhe zurück auf die "Wind Lift 1" stürzte, die Bauarbeiten.

Vor allem aber haben die Ingenieure das raue Wetter der Nordsee unterschätzt. Sie brauchen mehrere Tage mit halbwegs ruhigem Seegang und wenig Wind, um den 155 Tonnen wiegenden Rotorstern mit einem Durchmesser von 122 Metern heranzuschaffen und millimetergenau an den 63 Meter hohen Turm zu montieren. "Solche Zeitfenster gab es weit seltener als erwartet", sagt Bard-Geschäftsführer Bernd Ranneberg. Bald war der Fahrplan förmlich vom Winde verweht. Inzwischen sind die Emder zwei Jahre hinterher.

Um schneller voranzukommen, setzten sie für den Bau der gut 60 restlichen Windräder des Parks künftig vier Spezialschiffe ein. Doch das treibt die Investitionskosten des Parks von 1,5 auf 1,7 Milliarden Euro.

Damit entpuppen sich die Versprechen der Politik vom preiswerten Meeres-Strom aus Wind immer mehr als Luftschloss. Als der damalige Umweltminister Jürgen Trittin im Jahr 2000 das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) in Kraft setzte, zeigte er sich optimistisch, die Einspeisevergütung für Offshore-Strom – die Kunden über ihre Stromrechnung bezahlen – von 9,1 Cent je Kilowattstunde bald herunterfahren zu können.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%