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Erneuerbare Energien Platzt der Traum vom billigen Meeres-Strom?

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Davon ist keine Rede mehr. Im Gegenteil: Weil die Offshore-Pläne nicht vorankamen, erhöhte die Bundesregierung vor zwei Jahren den staatlich verordneten Garantiepreis auf 13 Cent. Betreiber, deren Anlagen vor Ende 2015 ans Netz gehen, kassieren zusätzlich zwei Cent „Sprinterbonus“. Nach den zwölf Jahren werden die Parks weitere acht Jahre mit einer Grundfinanzierung von 3,5 Cent je kWh gefördert.

Den Offshore-Lobbyisten ist das nicht genug. Und ihr Wunsch nach einem Nachschlag ist bei Bundesumweltminister Norbert Röttgen auf offene Ohren gestoßen. Vergangene Woche kam heraus, dass Röttgen die Vergütung im Zuge der anstehenden EEG-Novellierung für die ersten zwölf Jahre auf 15 Cent anheben will, auch für nach 2015 in Betrieb genommene Parks. Zum Vergleich: Konventionell erzeugter Strom ist an der Leipziger Strombörse EEX derzeit für etwa 6,5 Cent zu haben.

Nachschlag für Windstrom

Wahlweise sollen sich die Betreiber auch für eine Anfangsvergütung von 19 Cent entscheiden können, die dann allerdings nur acht Jahre gezahlt wird. Und schließlich soll die Vergütung für neue Anlagen frühestens von 2018 an jährlich gekürzt werden, statt wie geplant 2015. Damit hat Röttgen zahlreiche Forderungen des Branchenverbands Windenergie Agentur (WAB) übernommen. Er hofft, den Bau der Meeres-Kraftwerke damit endlich in Gang zu bringen.

Wind:research-Geschäftsführer Briese glaubt nicht, dass das reichen wird. Für ihn müssen weitere Punkte erfüllt sein, damit die Bundesregierung ihre Ausbauziele erreicht – doch die werden teuer.

So soll der Staat finanziell beim Aufbau der Infrastruktur in den Häfen für Produktion, Verladung und Verschiffung der Monsterbauteile helfen sowie Bürgschaften für die Finanzierung der Parks bereitstellen. Am wichtigsten aber sei, so Briese, die fünf Milliarden Euro Kredite zu vergeben, mit denen die Bundesregierung über die staatliche KfW den Bau von zehn Windparks fördern will. Das, glaubt Briese, könne zur Initialzündung werden.

Doch ausgerechnet ein Windmann warnt die Bundesregierung nun davor, sich bei der luftgetriebenen Stromerzeugung allzu sehr auf die Parks im Meer zu fokussieren. "Das ist für die Stromkunden die deutlich teurere Variante", kritisiert Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Röttgens Pläne.

Albers empfiehlt stattdessen, die Windenergie an Land, vor allem im Süden der Republik, auszubauen. Die sei heute schon um fast die Hälfte billiger und biete laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Windenergie- und Energiesystemtechnik (IWES) genügend Potenzial, auf zwei Prozent der Fläche in Deutschland jährlich 390 Terawattstunden zu erzeugen. Das entspricht etwa 65 Prozent des Strombedarfs.

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