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Erneuerbare Energien Platzt der Traum vom billigen Meeres-Strom?

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Würden zudem künftig mehr Windmühlen nahe der Verbrauchszentren im Westen und Süden Deutschlands aufgestellt, müssten die Netze weniger stark ausgebaut werden, was ebenfalls Geld spare, argumentiert Albers.

Umso mehr entsetzt ihn, dass Röttgen mit der Windkraft vom Land ausgerechnet den derzeit mit durchschnittlich acht Cent Vergütung kostengünstigsten erneuerbaren Energieträger künftig weniger fördern will. Der Austausch alter gegen neue, effizientere Anlagen wird kaum noch bezuschusst: "Der Minister macht sich unglaubwürdig", sagt Albers.

Furcht vor neuem Monopol

Die Umschichtung komme vor allem den Interessen der großen Energieversorger wie E.On und RWE entgegen. Die steckten hinter mehr als der Hälfte der Offshore-Projekte und kassierten damit das meiste Geld aus der staatlichen Förderung. Albers fürchtet, dass dadurch eine neue Monopolisierung entstehen könnte.

Bard-Chef Ranneberg käme der zusätzliche Geldsegen für seine maritimen Windkraftwerke dagegen gerade recht. Die Bauverzögerungen und Kostensteigerungen bei Bard Offshore 1, vor allem aber der Ausstieg des Firmengründers Arngolt Bekker hatten Gerüchte über eine finanzielle Schieflage des Unternehmens befeuert. Ranneberg dementiert zwar jegliche Existenznöte. Ohne Zweifel jedoch erleichtert die verbesserte deutsche Offshore-Förderung die Suche nach einem neuen Eigentümer für das Unternehmen.

Laut Ranneberg zeigen vor allem Investoren aus Korea, Indien und China Interesse an einem Einstieg bei den Emdern. Ob der Begleiter von Oettinger und McAllister beim Kurztrip, der Geschäftsführer des indischen Windenergieunternehmens RRB Energy, Rakesh Bakshi, ein Kandidat ist, lässt Ranneberg offen. Der in seiner Heimat in der Presse als "grüner Maharadscha" titulierte Industrielle hat in Indien bereits mehr als 1000 Windräder aufgestellt. Jetzt wolle er auch in das Offshore-Geschäft einsteigen, verrät er beim Rundgang auf der Service-Plattform. Zu einem Interesse an Bard äußert er sich nicht.

Kurz vor dem Rückflug drücken der EU-Kommissar, der Ministerpräsident und der Unternehmer mit Bard-Chef Ranneberg mediengerecht einen roten Knopf – schließlich sind sie ja zur vermeintlichen Eröffnung des Meeres-Kraftwerks eingeflogen.

Alles Show. Kein Windrad dreht sich danach mehr. So ist das in diesen Tagen mit der deutschen Offshore-Zukunft: viel Symbolik – wenig Fortschritt.

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