WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

EU und China einigen sich Solarworld ächzt unter Beilegung des Solarstreits

Chinesische Billigexporte gefährden das Auskommen heimischer Hersteller von Solarpaneelen. Die EU-Kommission reagierte mit Strafzöllen, China schlug zurück. Wie die Einigung für Solarworld zur Gefahr wird.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Das Logo der Solarworld AG auf einem Solarmodul im sächsischen Freiberg. Das Unternehmen wird von der Einigung der EU mit China in Sachen Solarzölle nicht profitieren. Quelle: dpa

Die Meldung vom Wochenende, dass China und die Europäische Union haben ihren Handelsstreit über chinesische Solarimporte am Wochenende beigelegt haben, bleibt nicht ohne Folgen für den eh schon angeschlagenen Solarstromkonzern Solarworld. "Wie erwartet bringt das Ergebnis für Solarworld keine Entlastung, sondern spielt vielmehr den bisherigen chinesischen Hauptkonkurrenten in die Hände", schätzte Wolfgang Hummel vom Zentrum für Solarmarktforschung das Ende des Streits ein.

Schließlich litten die chinesischen Marken-Hersteller der ersten Reihe wie Trina, Yingli oder JA Solar selbst unter der chinesischen Billig-Konkurrenz. Die Niedrigpreisangebote führten bisher zu einer starken Marktzersplitterung. „Der Minimum-Importpreis führt nun indirekt zu einer Konsolidierung unter den chinesischen PV-Unternehmen, bei der Billig-Anbieter ausscheiden und die bisherigen chinesischen Marktführer profitieren werden“, glaubt Hummel.

Die wichtigsten Solarmärkte

Und weiter: "Das angestrebte Preisniveau von 0,56 Euro pro Watt schließt nur die chinesischen Modulhersteller aus, die lediglich über den Preis verkaufen. Dies sind die Massenhersteller der 2. und 3. Reihe." Die am Wochenende festgelegte Preisuntergrenze sei ein planwirtschaftliches Instrument und für längere Zeit sicher nicht haltbar. Der Preisrückgang auf dem PV-Zellen- und Modulmarkt werde sich, nicht zuletzt aufgrund technologischen Fortschritts, weiter fortsetzt.

Zum Hintergrund: Nach einem wochenlangen Tauziehen einigten sich China und die Europäische Union auf Mindestpreise für Importe chinesischer Solarprodukte in die EU. Auch eine Mengenbegrenzung soll es geben. Für Waren unter dem Mindestpreis und über die vereinbarte Menge hinweg will die EU demnächst erhöhte Strafzölle verlangen. Nach Angaben von Diplomaten soll ein Mindestpreis von 56 Cent pro Watt gelten.

Branchenverband will klagen

Wovor die EU heimische Unternehmen schützen will
Die EU droht der mächtigen Solarbranche Chinas mit Strafzöllen. Im September 2012 eröffnete die EU-Kommission ein Antidumping-Verfahren zu Einfuhren chinesischer Hersteller. Wegen des hohen Wertes der Importe von 21 Milliarden Euro pro Jahr ist der Fall beispiellos. Die von der EU-Kommission vorgelegten Vorschläge sehen Zölle in Höhe von 37 bis 68 Prozent auf Solarpaneele vor. Wer kooperiert und seine Zahlen plausibel darlegt, wird mit einem geringen Satz belegt. Schon ab dem 5. Juni 2013 könnten die Zölle in Kraft treten. Chinas Hersteller protestieren gegen die Abgabe und werfen der EU Protektionismus vor. Quelle: dpa
Chinesische Fahrräder dürfen seit bald 20 Jahren nicht ungestraft über europäische Straßen rollen. Im September 1993 verhängte die EU Strafzölle gegen Kompletträder aus Vietnam und China. Zunächst lag der Zoll bei rund 30 Prozent, später wurden Fahrräder aus China mit 48,5 Prozent Anti-Dumpingzoll belegt, Räder aus Vietnam mit 34,5 Prozent. Im Sommer 2010 lief der Strafzoll gegen Fahrräder aus Vietnam aus. Chinesische Hersteller müssen nach wie vor blechen, die EU verlängerte die Anti-Dumping-Maßnahme im Oktober 2011 um weitere fünf Jahre. Gebracht hat es wenig, wie eine Untersuchung der EU zeigt. Die europäische Fahrradproduktion ging weiter zurück, die Gewinnspanne blieb unzureichend. "Jede Möglichkeit, Wachstum und Gewinn zu steigern, wurde durch den von Preis und Menge der gedumpten Einfuhren ausgeübten Druck untergraben", heißt es in dem Papier. Trotz der Strafzölle waren die China-Importe um mehr als die Hälfte günstiger als europäische Fahrräder. Quelle: dpa
Einer der jüngsten Strafzölle der EU richtet sich gegen chinesisches Hochglanzpapier. Seit Mai 2011 müssen europäische Druckereien, die ihre Kataloge auf China-Papier drucken wollen, vier bis zwölf Prozent Aufschlag an die Zollbehörden zahlen. Dazu kommen zwischen acht und 35,1 Prozent an Anti-Dumping-Zoll. Experten der Europäischen Kommission schätzen, dass chinesisches Hochglanzpapier durch diese Strafzölle in Summe um 20 bis 39 Prozent teurer wird. Das gilt für die nächsten fünf Jahre. Seit 2004 baut China seine Papier-Produktionskapazitäten jährlich um rund 26 Prozent aus. Europas Papierwirtschaft schrumpft derweil. Spürbar positive Effekte hat der Zoll auf die deutschen Papierhersteller bisher keine. Quelle: dpa
Lederschuhe aus China und Vietnam....... belegt die EU 2006 mit einem Strafzoll. Doch statt wie üblich den Bannstrahl fünf Jahre lang über die Dumping-Latschen zu legen, galt die Regelung zunächst nur bis 2008. Das griff den italienischen Schuhhändlern zu kurz und sie liefen - selbstverständlich auf nicht chinesischem Schuhwerk - Sturm. Damit gerieten sie allerdings zwischen die Fronten. Die Schuhzollfrage spaltete Europa. In Süd- und Osteuropas sowie in Frankreich, wo es noch eine heimische Schuhproduktion gab, forderten die Regierungen Schutzmaßnahmen. Deutschland, dessen Schuhindustrie bereits überwiegend in Asien produzierte, lehnte die Zölle entschieden ab. Am Ende der Debatte hielt die EU an den Strafzölle bis 2011 fest. Seit April vergangenen Jahres wird keine Abgabe mehr verlangt. Quelle: REUTERS
Für Glasfaser aus China gilt seit März 2011 ein Strafzoll von 13,8 Prozent. Glasfasern werden in der Baubranche, der Autoproduktion und der Windkraftindustrie verarbeitet. Vertreter aus dem letztgenannten Industriezweig sind mit der Regelung nicht zufrieden. "Die Windbranche ist heutzutage eine weltweite Industrie und Handelsbeschränkungen helfen sicherlich nicht, die Kosten für Energie zu reduzieren", sagte Peter Brun, Vize-Chef des weltgrößten Turbinen-Herstellers Vestas. Auch Roland Garsch, Geschäftsführer der Polychem, die Glasfaserprodukte verkauft, ist skeptisch: "Diese Strafzölle werden sich negativ auf die verarbeitende Glasfaserindustrie in Europa auswirken, die überwiegend aus Klein- und Mittelbetrieben besteht". Quelle: dpa
Der SchraubenkriegAn dieser Abgabe hat sich die EU die Zähne ausgebissen. Im Januar 2009 verhängte die Kommission Strafzölle von bis zu 85 Prozent gegen Schrauben und Bolzen made in China. Peking setzte sich zur Wehr. Die Klage bei der Welthandelsorganisation WTO in Genf hatte Erfolg. Die WTO urteilte, dass die EU Exporteure aus der Volksrepublik benachteilige und damit gegen internationales Handelsrecht verstoße. Sie rügte die EU. Mehr kann die WTO aber nicht tun, ein Zwang den Strafzoll zurückzuziehen besteht für die WTO-Mitglieder nicht. Peking nahm die Sache daraufhin selbst in die Hand und konterte mit Zöllen auf Schrauben aus Europa. Die Abgabe liegt bei 6 bis 26 Prozent und gilt für fünf Jahre. Quelle: obs
Dass die EU keine Bananen mehr aus Latein- und Mittelamerika haben wollte, nahmen die deutschen Fruchthändler ihr ganz schön krumm. Die Verordnung trat 1993 in Kraft und sollte Produzenten in europäischen Übersee-Departements wie den französischen Antillen vor sogenannte Dollarbananen schützen. 1500 DM Strafzoll mussten deutsche Importeure Mitte der 90er Jahre auf eine Tonne Bananen aus Lateinamerika löhnen. Sogar Bundeskanzler Helmut Kohl - im allgemeinen mehr mit Birnen als Bananen in Verbindung gebracht - schaltet sich ein und sagte den Fruchthändlern seine Unterstützung zu. Ohne Erfolg. Der "Bananenkrieg" zwischen der EU und Lateinamerika dauert fast fünfzehn Jahre. Erst am 15. Dezember 2009 trafen Vertreter aus der EU, der USA und Lateinamerikas eine abschließende Übereinkunft. Die Zölle wurden schrittweise abgebaut. Quelle: dpa/dpaweb

Die Gesamtmenge der chinesischen Importe an Solarpaneelen in die EU soll gedeckelt werden, und zwar umgerechnet in Leistung auf sieben Gigawatt pro Jahr. Etwa 90 Firmen dürften sich laut EU-Kommission auf diese Bedingungen einlassen, das entspreche 60 Prozent der in der EU durch Solarpaneele erzeugten Leistung. Für Einfuhren unter dem Mindestpreis oder über die verhandelte Höchstmenge hinaus werden ab dem 6. August verschärfte Strafzölle fällig. Diese höheren Strafzölle liegen in einer Spanne zwischen 37,2 und 67,9 Prozent, wie EU-Handelskommissar De Gucht am 6. Juni erklärt hatte. Der Kompromiss zeige die „pragmatische und flexible Haltung beider Seiten“, sagte der Sprecher des Handelsministeriums, Shen Dayang, am Samstag in Peking. Die Einigung fördere „offene, kooperative, stabile und nachhaltige Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen China und der EU“, zitierte ihn die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

EU-Handelskommissar Karel de Gucht sprach von einer „freundschaftlichen Lösung“. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) zeigte sich erfreut über die Lösung.

Empört reagierte die Brancheninitiative EU ProSun. Präsident Milan Nitzschke, nannte den Kompromiss rechtswidrig und einen „Skandal“, gegen den europäische Solarunternehmen vor dem Gerichtshof der EU in Luxemburg vorgehen wollten. „Die EU-Kommission ist China soweit entgegengekommen, das sie den Boden des europäischen Handelsrechts verlassen hat“, sagte Nitzschke am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Er warf der EU vor, sie habe sich von China erpressen und vorführen lassen.

Energie



Anfang Juni hatte die EU-Kommission bereits vorläufige Strafzölle von 11,8 Prozent verhängt. Angesichts der Billig-Konkurrenz aus China seien 25.000 Arbeitsplätze in der kriselnden europäischen Solarbranche in akuter Gefahr, hatte die Brüsseler Behörde argumentiert. Durch staatliche Unterstützung in China könnten die dortigen Unternehmen ihre Produkte unter Herstellungswert in der EU verkaufen. Die Größenordnung des Falls ist ungewöhnlich: Die Einfuhren haben einen Marktwert von geschätzt 21 Milliarden Euro pro Jahr.
„Wir sind zuversichtlich, dass diese Preisverpflichtung den europäischen Solarpaneel-Markt stabilisieren und den Schaden beseitigen wird, der der europäischen Industrie durch die Dumping-Praktiken entstanden ist“, erklärte De Gucht nun. Der Kompromiss werde „zu einem neuen Gleichgewicht auf dem europäischen Markt für Solarpaneele und zu einem stabilen Preisniveau führen“.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%